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Türkische und kurdische Rockergruppen wollen Konflikt auf der Straße austragen

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OSMANEN GERMANIA BOHAZ
dpa/YouTube/HuffPost
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  • Der Konflikt zwischen Türken und Kurden könnte in Deutschland von Rockerclubs ausgetragen werden
  • Türkische und kurdische Banden rüsten sich bereits zum Krieg auf der Straße
  • Immer wieder kommt es zu Gewaltexzessen, die die Sicherheitsbehörden alarmieren

Sie heißen “Osmanen Germania”, “Turan e.V.” oder “Bohaz”. In Videos zeigen sie sich kämpferisch und brutal.

Und auch auf den Straßen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen kurdischen und türkisch-nationalistischen Rockerclubs - in den letzten Monaten zunehmend gewalttätiger Art.

Das sind gefährliche Vorzeichen: Die migrantischen Rockervereine bringen sich offenbar für einen erbarmungslosen Straßenkrieg in Stellung - mit Drohgebärden, Waffenhortungen und Anschlägen auf die Gegner. Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Besonders in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg ziehen die Gruppen weite Kreise, sind gut vernetzt. Am Samstag wollen in Köln 30.000 Kurden gegen die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die Straße gehen – der Ort, an dem Ende Juli hatten an derselben Stelle 40.000 Erdogan-Anhänger demonstrierten.

Verbindungen zu Rechtsextremisten in der Türkei?

Die Befürchtung der Behörden: Der Konflikt zwischen Türken und Kurden könnte hierzulande eskalieren, auf die gewalttätige Spitze getrieben von den Rockern, die sich als Kämpfer für die jeweilige nationale Sache betrachten.

"Die jüngsten gewalttätigen Konflikte in der Türkei führen zu einer zu hohen Emotionalisierung“, sagte Jürgen Mathies, Polizeipräsident der Stadt Köln, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) mit Blick auf die Demonstration in Köln.

NRW entwickelt sich dabei zunehmend zum Hotspot der Gruppen. Vor allem zwei türkisch-nationalistische Rockergruppen stehen unter Beobachtung: “Osmania Germania”, “Turan e.V.”. Beide Vereine pflegen mutmaßlich Verbindungen zur türkischen Regierung und zu den türkischen Rechtsextremisten der “Grauen Wölfe”.

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Deren Ideologie ist offensichtlich streng rassistisch geprägt. Zu “Turan e.V.” heißt es in einem Bericht des Bundesinnenministeriums: “Sie eifern der rechtsextremistischen ‘Ülkücü’ nach, die das Türkentum als überlegene Rasse versteht“.

"Nieder mit der PKK"

Das zeigte sich bei einer Demonstration in Duisburg. “Turan e.V.”-Anhänger skandierten dabei im März Parolen wie "Die Märtyrer sind unsterblich, das Heimatland ist unteilbar" oder "Nieder mit der PKK (eine kurdische Untergrundorganisation, Anm. d. Red.)”.

Sowohl “Turan e.V.” als auch “Osmania Germania” bestehen noch nicht lang. "Turan wurde vermutlich im April 2015 gegründet”, heißt es im Bericht des Innenministeriums weiter. “Osmania Germania” soll erst seit dem Spätherbst 2015 existieren. Dennoch schafften es beide Gruppen schnell in die Öffentlichkeit.

“Osmania Germania” setzt dabei auch stark auf das Netz: In Rap-Videos inszeniert sich die Gruppe martialisch und gewaltverherrlichend: schwarze Kutten mit großen Logos, Tätowierungen, Schusswaffen, Blut. Es sind ausschließlich Männer zu sehen.

"Bahoz" – Auffangbecken für PKK-Anhänger

Auf kurdischer Seite ist es die Rockergruppe “Bahoz”, die sich ähnlich brutal darstellt. Nachdem die PKK-nahe Rockervereinigung “Red Legion“, die vor allem im Raum Stuttgart aktiv war und vom baden-württembergischen Innenministerium 2013 verboten wurde, gilt “Bahoz” seit Jahresbgeinn als Auffangebecken für PKK-Anhänger in Süddeutschland. 1500 Mitglieder soll der linksextreme Zusammenschluss bereits zählen, obwohl er erst seit Jahresbeginn offiziell besteht.

Zwischen “Bahoz” und des “Osmanen Germania” schwelt an mehreren Orten ein Konflikt. “Bahoz” ist nach Ansicht der Sicherheitsbehörden dazu bereit, ihre politischen Ansichten gegen die Türken auch mit Gewalt zu verteidigen.

Auseinandersetzungen in Saarbrücken und Ulm

Mutmaßliche "Bahoz"-Angehörige hatten erst im Juli in Saarbrücken zwei Mitglieder der "Osmanen Germania" attackiert und verletzt. Daraufhin explodierte in der Stadt nachts eine Handgranate vor einem Shisha-Café, die zuvor von "Bahoz"-Rockern besucht worden war.

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Einer der führenden Vertreter der “Osmanen Germania” wurde ebenfalls in der Nähe von Saarbrücken von einem Spezialeinsatzkommando im Juli gefasst und wegen Verdacht des Handelns mit Betäubungsmitteln festgenommen. Der 39-Jährige stehe zudem im Verdacht, an dem Handgranatenanschlag auf eine die Shisha-Bar in Saarbrücken beteiligt gewesen zu sein.

Auch im Juli trafen in Ulm 60 Anhängern der Rockergruppen in einem Restaurant aufeinander. Die Polizei konnte eine Eskalation im letzten Moment verhindern.

“Exzessive Gewalt” und “scharfe Schusswaffen”

Aber nicht nur in Baden-Württemberg herrscht latentes Potential für einen Rocker-Krieg zwischen den Gruppen. Auch in Frankfurt, Saarbrücken und vielen Städten NRWs sind die Vereinigungen gut vernetzt. Ebenso in Köln.

Mit Warnungen vor “exzessiver Gewalt” und “scharfen Schusswaffen”, wie es in einem Lagebericht des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg heißt, aus dem der “Spiegel” Mitte August zitierte, möchte man sich in Nordrhein-Westfalen aber zurückhalten.

“Dem LKA NRW liegen derartige Hinweise nicht vor. Entsprechende Auseinandersetzungen haben in NRW bislang nicht stattgefunden”, zitiert die “WAZ” den Sprecher des LKA, Frank Scheulen. Doch: "Die Polizei hat die Lage im Blick und führt Aufklärungsmaßnahmen zur Erkenntnisgewinnung durch“.

Man hoffe, dass sich die Lage zwischen kurdischen und türkisch-nationalistischen Gruppen in Deutschland nicht noch verschärfe.

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(tos)