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Eklat bei Maybrit Illner: Muslima erklärt, warum sie dem JU-Chef nicht die Hand schüttelte

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MAYBRIT ILLNER
Screenshot ZDF
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  • Der Handschlag-Eklat in der "Maybrit Illner"-Sendung sorgte für viel Aufmerksamkeit
  • JU-Chef Ziemiak hatte der muslimischen Publizistin Hübsch vorgeworfen, sie habe ihm nicht die Hand geben wollen
  • Sie selbst sieht die Sache etwas anders und erklärt nun, wie es zu dem Vorwurf kam

Es war der Aufreger in der Talksendung von Maybrit Illner am Donnerstagabend. Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak beschwerte sich, die muslimische Publizistin Khola Maryam Hübsch - ebenfalls Gast in der Sendung - habe ihm beim Kennenlernen den Handschlag verweigert.

Als er im Studio angekommen sei, habe er eine Begrüßungsrunde gemacht, beschrieb Ziemiak den Moment. Bei Hübsch angelangt, habe er sich ihr vorgestellt und ihr die Hand gereicht.

"Doch sie gab mir durch Kopfschütteln zu verstehen, dass sie mir nicht die Hand geben wollte. Das war eindeutig“, sagte der JU-Chef am Freitag.

Hübsch selbst stellt das Ganze etwas anders dar. Sie fühlt sich von Ziemiak ungerecht behandelt. Gegenüber "Focus Online" schilderte sie nun ihre Sicht der Dinge.

"Herr Ziemiak hatte das eigentlich gut aufgenommen"

"Das war eigentlich keine große Geschichte", sagte sie dem Portal. "Herr Ziemiak kam hinter den Kulissen auf mich zu. Ich habe zur Begrüßung ganz freundlich genickt und meine Hand auf das Herz gelegt."

Das sei bei Muslimen so üblich. Ziemiak habe verständnisvoll getan und ihr zugenickt. "Er hatte das eigentlich gut aufgenommen", sagte die Publizistin.

Die Freundlichkeit war aber laut Hübsch nur gespielt. "In der Sendung nutzte er dann die Steilvorlage und schlachtete das Ganze aus, um mich vorzuführen. Das war ganz klare Taktik."

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Sie sei keine Hardlinerin, erklärte Hübsch. "Ich möchte niemanden verletzen. Wenn Herr Ziemiak pikiert geschaut hätte und ich gemerkt hätte, dass er meine Begrüßung nicht versteht, hätte ich ihm natürlich die Hand gegeben."

Die Handschlag-Diskussion "Ist totaler Quatsch"

Es sei nicht so, dass sie grundsätzlich niemandem die Hand gebe, sagte Hübsch. Gleichzeitig nahm sie aber andere Muslime in Schutz, die sich aus religiösen Gründen gegen den Handschlag wehren. Die Handschlag-Debatte in Deutschland hält sie für schwachsinnig.

"Da wird ganz viel hineinprojiziert", sagte sie "Focus Online". "Es entsteht der Eindruck, dass wir Nicht-Muslime verachten. Das ist aber totaler Quatsch. Auch muslimischen Männern gebe ich nicht die Hand."

Die Handschlag-Debatte verlaufe viel zu hysterisch. "Da werden unterschiedliche Fronten aufgemacht. Der Umgang damit könnte viel lockerer sein." Jüdische Rabbiner würden einer Frau schließlich auch nicht die Hand geben", argumentierte sie.

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(pb)