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Hans-Olaf Henkel: "Merkel hat die AfD groß gemacht"

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HENKEL
Hans-Olaf Henkel in seiner Zeit als Europa-Abgeordneter | Getty
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  • Der frühere AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel geht mit Merkels Flüchtlingspolitik ins Gericht
  • Er ist überzeugt, die Kanzlerin leide an einem Helfersyndrom
  • Sie treffe Entscheidungen in erste Linie zum Wohle ihres Images, nicht des Landes

Er bezeichnet sich selbst als "Persona non grata" - die sei er, seit er 2010 Angela Merkels Europapolitik kritisiert hatte. Hans-Olaf Henkel, vormals Top-Funktionär in der Wirtschaft, betätigt sich nun als weit abseits des Mainstreams handelnder Politiker. Der 76-Jährige war Europa-Abgeordneter der AfD, im Vorjahr trat er aus der Partei aus und wechselte zur Abspaltung Allianz für Forschung und Aufbruch (Alfa).

Henkel kennt Merkel persönlich, schätzte sie anfangs sehr - nun jedoch hat er eine wesentlich schlechtere Meinung von ihr. Grund sei der Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise, wie er dem "Spiegel" im Interview sagt. Ihre Strategie erklärt er für gescheitert: "Sie wollte sich zur Retterin aufschwingen, hat aber viel Schaden angerichtet."

Ein "Schuldkomplex" treibe die Kanzlerin an

Die Gründe für ihr Verhalten sucht Henkel in der Psychologie - passenderweise, nachdem er mit dem Ko-Autor Joachim Starbatty das Buch "Deutschland gehört auf die Couch" geschrieben hat. Bei Angela Merkel diagnostiziert er anhand gängiger Definitionen ein Helfersyndrom. Das Muster sei in ihrer Kanzlerschaft immer wieder zu erkennen: "Aus einem Schuldkomplex heraus betreibt sie statt Verantwortungspolitik lieber Gesinnungspolitik."

Dabei gehe es ihr in erster Linie darum, selbst gut auszusehen - und nicht darum, gute Entscheidungen zu treffen. Als einen dieser Fälle beschreibt der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie ihre "Einladung an Millionen Flüchtlinge". Damit habe Merkel den Flüchtlingen nicht nur unhaltbare Versprechen gemacht, sondern auch Deutschland von seinen Nachbarstaaten isoliert.

Ist Merkel schuld am Brexit?

Und noch eine drastischere These stellt Henkel auf: "Letztlich ist Merkel sogar daran schuld, dass die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben." Viele Briten hätten befürchtet, dass sich Flüchtlinge einen deutschen Pass besorgen und so als EU-Bürger ins Vereinigte Königreich einreisen. Das habe dem Austritts-Lager die entscheidenden Stimmen gebracht.

Das Helfersyndrom entspringe dem Schuldgefühl, das nach den Verbrechen des Nationalsozialismus geblieben sei. Dieses Gefühl teile "fast die gesamte deutsche Elite" mit Merkel. In der Schlussstrichdebatte positioniert sich Henkel eindeutig: "Merkel sollte aufhören, der Jugend immer wieder Schuld auf die Schultern zu laden."

Im Ton klingt Henkel nationalistisch. Dennoch sieht er die Kanzlerin als Auftriebsfaktor für rechtspopulistische Bestrebungen: "Nicht ich besorge das Geschäft der AfD, sondern Frau Merkel." Seine ehemalige Partei sei fast aus der politischen Landschaft verschwunden. "Doch dann kam die Kanzlerin mit ihrer Flüchtlingspolitik und hat die AfD wieder groß gemacht."

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