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Islam-Experte: Der Zentralrat der Muslime ist mitschuldig an Radikalisierung

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ZENTRALRAT DER MUSLIME
Islam-Experte: Der Zentralrat der Muslime ist mitschuldig an Radikalisierung | TOBIAS SCHWARZ via Getty Images
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  • Islam-Experte Ahmad Mansour kritisiert die deutschen Islamverbände und -vereine scharf
  • Erst in Moscheen beginne die Radikalisierung von Gläubigen
  • Er fordert Alternativen zu den konservativen Verbänden

Der Islamexperte Ahmad Mansour hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk muslimische Verbände und Vereine für die Radikalisierung von Moslems in Deutschland verantwortlich gemacht.

Erst das Islam-Verständnis, das in manchen Moscheen gelehrt werde, begünstige Radikalisierung. "Wir haben es mit Moscheen und mit Verbänden zu tun, die Geschlechterapartheid betreiben, die Opfer- und Feindbilder schaffen, die den Menschen ihr kritisches Denken wegnehmen wollen, die versuchen, antisemitische Einstellungen nicht zu bekämpfen“, sagte Mansour im Interview.

Zentralrat der Muslime hat zu wenig getan

Mansour kritisierte besonders Aiman Mayzek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime (ZMD). Es sei Mayzeks Rolle, die Verbände und Vereine, die zum Dachverband des ZMDs gehören, auf ihr Islam-Verständnis hin zu prüfen. Das sei bisher jedoch nicht geschehen: "Was hat Aiman Mazyek in den letzten Jahren gemacht, außer zu sagen, das hat mit dem Islam nichts zu tun. Das ist ein Satz, der hat keinen einzigen Jugendlichen gerettet.“

Der Islam brauchte jetzt eine mutige innerislamische Debatte, um der Radikalisierung entgegen zu wirken. Es müsse eine Alternative geschaffen werden "zu diesen konservativen reaktionären islamischen Verbänden.“ Mansour plädiert für eine muslimische Bewegung, die Radikalisierung anspreche und die Vereinbarkeit des Islams mit den Menschenrechten und der Demokratie vermittle.

Auch die Gesellschaft trägt eine Mitschuld

Aber nicht nur den ZMD klagt Mansour an, auch die deutsche Gesellschaft sei Schuld an der gescheiterten Integration und Radikalisierung von Moslems: „Wir müssen den Menschen, die zu uns kommen, klar machen, was diese Gesellschaft tolerieren kann und was diese Gesellschaft nicht tolerieren kann, und das ist, glaube ich, erst mal uns nicht klar und natürlich den Flüchtlingen auch nicht.“

Als Beispiel nennt er die polemische Debatte um das Burkini-Verbot, die nur aufzeige, wie uneins sich die Gesellschaft über ihre Werte sei.

Erst einheitliche Wertvorstellungen könnten die Grundlage für eine gelungene Integration darstellen: „Ich bin dafür, dass wir erst mal in der Mitte der Gesellschaft Debatten führen über unsere Gesellschaft, über unsere Werte und was wir von uns erst mal erwarten. Solange wir aber nicht klar sind, welche Werte uns ausmachen, werden wir das auch nicht kommunizieren können nach außen.“

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