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Ich fühle mich betrogen. Warum ich mit Whatsapp fertig bin

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HuffPost-Autor Sebastian Christ rechnet mit Whatsapp ab | Thomas Trutschel via Getty Images
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Liebe Macher von Whatsapp!

Es gibt Dinge, die dürfen einer Firma in der modernen Wirtschaftswelt nicht passieren. VW hätte niemals bei den Abgastests schummeln dürfen. Der Stern hätte niemals die Hitler-Tagebücher veröffentlichen sollen.

Und ihr wärt gut beraten gewesen, bei der Übernahme eures Startups durch Facebook im Frühjahr 2014 einfach mal die Klappe zu halten.

Habt ihr aber nicht.

Stattdessen habt ihr ein Versprechen abgegeben, das kaum zu halten war: nämlich dass Facebook und Whatsapp keine Daten austauschen und weiterhin unabhängig voneinander arbeiten.

Das Versprechen von Whatsapp war unhaltbar

Und wie inbrünstig ihr dieses Versprechen abgeben habt. Mit welch unfassbarer Dreistigkeit ihr eure Nutzer übers Ohr gehauen habt. Erinnert ihr Euch?

Whatsapp-Gründer Jan Koum versicherte in einem höchst emotionalen Blog, dass er sich auf immer und ewig für Datensicherheit einsetzen werde. Der damals 38-jährige Unternehmer wörtlich: "Ich bin in der Ukraine zur Welt gekommen und wuchs in den 80er Jahren in der UdSSR auf. Eine meiner einprägsamsten Erinnerungen: Dass meine Mutter am Telefon sagte: ‘Das erzähle ich dir nur von Angesicht zu Angesicht, nicht jetzt.‘"

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Koum ist durch den Verkauf seiner Firma zu einer der reichsten Menschen der Welt geworden, er besitzt laut "Forbes" etwa 8,6 Milliarden Dollar Vermögen.

Vielleicht vergisst man mit so viel Geld in der Tasche auch mal die ein oder andere einprägsame Kindheitserinnerung.

Telefonnummern sind wie Fingerabdrücke der Nutzer

Kürzlich wurde bekannt, dass Whatsapp die Telefonnummern seiner Nutzer an Facebook weitergibt. Manch einer wird das eine Lappalie nennen. Ihr wisst aber ganz genau, was das am Ende bedeutet.

E-Mail-Adresse und Handynummer sind bei fast allen Online-Diensten dieser Welt so etwas wie der Fingerabdruck des Nutzers: einzigartig und vor allem wiederkennbar.

Man braucht nicht den Namen eines Nutzers wissen, um ein Persönlichkeitsprofil von ihm zu erstellen. E-Mail-Adresse oder Handynummer reichen.

Das wusste übrigens auch schon die NSA: In ihrer Supersuchmaschine, mit der man in den Privatdaten so gut wie aller Menschen dieser Welt herumschnüffeln kann, reicht die Eingabe der Emailadresse oder einer Handynummer aus, um gigantische Datenbestände ans Tageslicht zu fördern.

Whatsapp: Der Weg in den kapitalistischen Wahnsinn

Facebook bekommt durch den Datenabgleich nun eine bisher nicht gekannte Informationsfülle in seine Datenbanken. Von vielen Hundert Millionen Nutzern weltweit hat der Konzern nun sowohl die Handynummer als auch die E-Mail-Adresse.

Die Mobilnummer wird künftig an Werbetreibende auf der ganzen Welt weitergeleitet werden, um "Anzeigen zu optimieren". Übrigens kommt auch Instagram, das ebenfalls zu Facebook gehört, in den Genuss der wertvollen Daten. Das mobilgestützte Foto-Netzwerk soll so bessere Vorschläge erarbeiten können für mögliche neue Kontakte.

Liebe Whatsapp-Macher: So kurz ist der Weg vom Genie in den kapitalistischen Wahnsinn. Als ihr vor sieben Jahren angefangen habt, war eure Idee einfach und innovativ.

Mittels der damals aufkommenden Daten-Flatrates wolltet ihr einen SMS-Dienst anbieten, der über das Internet funktioniert. Ihr habt den teuren Kurzmitteilungen den Garaus gemacht. Das ist euer Verdienst.

Zweifelhafte Datensicherheit und schwere Sicherheitslücken

Ihr habt mittels kostenloser Botschaften ans Handy Dinge möglich gemacht, die vorher kaum denkbar waren.

Zweifelhaft war schon immer, wie ihr es mit der Datensicherheit haltet. Mal warf man euch (zurecht) schwere Sicherheitslücken vor, mal wurde bekannt, wie gierig ihr die Adressbücher der Handys absaugt.

Geschadet hat euch das nicht.

Aber Aktionen wie eure dreiste Facebook-Lüge werden in Zukunft dafür sorgen, dass man euch nicht weiter über den Weg traut, als man ein Whatsapp-Handy werfen kann.

Nehmen wir nur eure neue Nutzer-zu-Nutzer-Verschlüsselung. Eigentlich ein guter Schritt, der auch in der Fachpresse weitgehend gelobt wurde. Angeblich nutzt ihr das Signal-Protokoll, das in der Fachwelt angesehen ist.

Noch gibt es keine Alternative

Aber ich habe nicht allzu viel Ahnung davon – so wie wohl die meisten Nutzer. Ich muss euch vertrauen, dass das alles auch stimmt. Aber wie könnte ich das noch? Ihr habt mich schon einmal betrogen. Und ich glaube, dass ihr es noch öfter tun werdet.

Noch gibt es keine Alternative zu euch. Ihr profitiert von den Netzwerk-Effekten eures Geschäftsmodells: Weil alle anderen Whatsapp haben, kommt man nicht drum herum.

Aber wenn es eines Tages eine echte Alternative gibt, dann ist eure dreiste Lüge der Anfang von eurem Ende gewesen. Denn einem Netzwerk, dem man ohnehin nicht vertraut, vergibt man keine strategischen Fehler.

Ich bin fertig mit euch. Was ihr an Porzellan zerschlagen habt, wird man in tausend Jahren nicht kitten können. Aber vielleicht wollt ihr das ja auch gar nicht. Den Eindruck vermittelt ihr zumindest.

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