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Dieses Berliner Unternehmen hat die 40-Stundenwoche abgeschafft - das ist passiert

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Dieses Unternehmen hat den 40-Stunden-Tag gekillt - und bereut es keine Sekunde | littlehenrabi via Getty Images
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"Wir haben alle Vollzeitstellen mit einer 40-Stunden-Woche abgeschafft und niemand von uns vermisst sie", schreibt die Unternehmerin Jana Tepe in einem Gastbeitrag für die Nachrichtenseite "Zeit.de".

Das bedeutet: Bei Tepes Berliner Start-up "Tandemploy" sitzt kein Mitarbeiter von Montag bis Freitag stur 40 Stunden am Schreibtisch.

Ihre Firma hat vielmehr das umgesetzt, wovon Arbeitnehmer der meisten anderen Unternehmen nur träumen können: Die Mitarbeiter bestimmen selbst über ihre Arbeitszeit - und bekommen dafür sogar ihr Wunschgehalt.

Statt in herkömmlichen Stellen organisiert sich das Unternehmen vielmehr in Bereichen und Budgets, erklärte Tepe in ihrem Beitrag für die "Zeit". Doch was bedeutet das - und wie funktioniert es in der Praxis?

25- 32 Stunden pro Woche

"Wir planten zum Beispiel einen Mitarbeiter im Bereich Vertrieb einzusetzen, dieser hatte aber nur 30 Stunden die Woche Zeit, weil er sein Studium noch zu Ende machen will", erklärt Tepe im Interview mit der "Huffington Post".

Weil man den Mitarbeiter unbedingt habe behalten wollen, habe man ihm angeboten, seinen Job mit einer Kollegin zu teilen. "Jetzt arbeiten beide zu ihren Wunscharbeitszeiten - rund 30 Stunden die Woche", sagt die Unternehmerin.

Kein Einzelfall bei "Tandemploy". Bisher habe man jedem Mitarbeiter seine Wunscharbeitszeiten garantieren können - diese arbeiten nun im Durchschnitt 25 bis 32 Stunden die Woche.

Allen Mitarbeitern kann das Wunschgehalt bezahlt werden

Die Gehälter sollen unter den neuen Arbeitszeiten nicht gelitten haben. Laut Tepe kann heute allen Mitarbeitern ihr Wunschgehalt bezahlt werden - und das bei unbefristeten Arbeitsverträgen. "Alle Angestellten haben uns faire, realistische Summen genannt, die im Rahmen unseres Budgets lagen", sagt Tepe.

Das läge sicherlich auch an der hohen Transparenz, die das Unternehmen pflege, meint die Unternehmerin - ein Prinzip das laut Tepe nicht nur im Bereich Finanzen, sondern auch in anderen Teilen des Unternehmens hohen Stellenwert habe.

Durch die Neuorganisation in Bereichen, statt in Stellen werde Wissen innerhalb des Unternehmens offener geteilt, als in anderen Firmen. "So bricht auch nichts zusammen, wenn jemand mal krank ist oder das Unternehmen verlässt", erklärt Tepe.

Ein Win-Win-Konzept für alle Beteiligten

Nicht der einzige Vorteil, den das Mosaiksystem mit sich bringe, erklärt die Unternehmerin: "Alle Seiten profitieren davon, dass sich unsere Mitarbeiter eigenverantwortlich organisieren".

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Dem Unternehmen würde so eine Aufgabe abgenommen werden, während die Mitarbeiter von der Möglichkeit profitieren, eigenverantwortlich und sinnvoll Arbeitszeit und Unternehmensziele selbst festzulegen.

Das Modell werde von den Mitarbeitern sehr geschätzt, meint die Unternehmerin. "Eine Mitarbeiterin hat mir erzählt, dass sie noch nie so gern zur Arbeit gekommen sei - obwohl zuhause eine Familie auf sie wartet".

"Von frischen Perspektiven profitieren wir auch"

Ihre Mitarbeiter haben zudem nun die Möglichkeit neben der Arbeit anderen Interessen nachzugehen - und können so etwa ein Studium beenden, eine Weiterbildung machen oder einen Sprachkurs besuchen. "Von frischen Perspektiven profitieren wir als Unternehmen am Ende auch", sagt Tepe.

Jobsharing und sinnvollere Arbeitszeiten: Tepes Firma "Tandemploy" lebt dieses Modell nicht nur selbst, sondern will auch andere Unternehmen für flexiblere Arbeitsmodelle gewinnen.

Über eine Online-Plattform bringt das Berliner Unternehmen Menschen die sich eine Arbeitsstelle teilen möchten zusammen - und vermittelt diese dann an Arbeitgeber, die dafür offen sind.

Die Wirtschaft wacht langsam auf

Die Argumente, die für ihr Modell sprechen, kämen glücklicherweise in der Wirtschaft immer besser an, meint Tepe. Rund 50 Unternehmen seien momentan Teil ihres Netzwerks.

Immer mehr Unternehmen merken wohl, dass jungen Arbeitnehmern das Thema Arbeitszeit wichtig ist. "Es tut sich in Unternehmen derzeit eine Menge, gerade weil viele merken, dass junge Mitarbeiter andere Erwartungen haben. Sehr viele Unternehmen agieren mittlerweile in Richtung flexibler und mobiler Arbeitsorte und –zeiten“, bestätigte so auch Josephine Hoffmann vom Fraunhofer-Institut Für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) aktuell im Interview mit der Huffington Post.

In Deutschland wird bereits seit längerem über eine Verkürzung und Flexibilisierung der Arbeitszeiten diskutiert. Die deutschen Arbeitgeberverbände forderten so bereits den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Statt einer täglichen solle es künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit geben, schlagen sie vor.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Dieter Janecek, forderte unterdessen in der Huffington Post zuletzt die Einführung einer 30-Stunden-Woche.

"Laut arbeitspsychologischen Studien sind die meisten Menschen nur bis zu fünf Stunden zu konzentrierter Arbeit pro Tag in der Lage“, sagte Janecek. Er fordert angesichts dessen eine "veränderte Führungskultur im Unternehmen und ein Überdenken von Arbeitsprozessen".

Wer das Beispiel von Tandemploy kennt, kann ihm nur Recht geben.

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(lp)