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Trump besucht Mexikos Präsidenten - das Treffen endet mit dem erwarteten Eklat

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TRUMP MEXICO
Donald Trump und der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto | ASSOCIATED PRESS
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Das war eher eine Begegnung der dritten Art als ein Staatsbesuch: Am Mittwochabend machte der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump eine Stippvisite in Mexiko und traf den dortigen Präsidenten Enrique Peña Nieto. Alles kam, wie erwartet - und noch schlimmer.

Sowohl Trump als auch Nieto schienen bei der anschließenden Pressekonferenz sichtlich überrascht, dass sie sich tatsächlich getroffen hatten. Um die Absurdität des Besuchs einordnen zu können, muss man sich kurz vor Augen halten, was für Aussagen über Mexiko Trump während seines Wahlkampfes hatte fallenlassen:

  • "Sie bringen ansteckende Krankheiten", sagte er über mexikanische Einwanderer
  • "Sie sind nicht unsere Freunde", über Mexikaner im Allgemeinen
  • In einem seiner großzügigeren Momente: "Ich glaube, manche sind gute Menschen"
  • Mexiko "schickt Leute mit vielen Problemen, sie bringen Drogen, sind Vergewaltiger", sagte er ebenfalls über mexikanische Immigranten in den USA

Eines seiner zentralen Wahlversprechen ist, dass er eine Mauer entlang der mexikanischen Grenze bauen werde, um mexikanische Einwanderer fernzuhalten. Er verspricht den Amerikanern sogar, dass Mexiko selbst die Errichtung finanzieren werde.

Kein Wunder, dass sein Besuch in Mexiko auf breite Ablehnung stieß. Der frühere Präsident Vicente Fox sagte, Trump sei in Mexiko nicht willkommen, sein Besuch ein "politischer Gag". "Wir mögen ihn nicht, wir wollen ihn nicht, wir lehnen seinen Besuch ab", sagte Fox dem Fernsehsender CNN.

Auf einmal sind Mexikaner "fantastische Leute"

In der mexikanischen Hauptstadt protestierten Dutzende Menschen gegen den Besucher aus den USA. "Trump go home", war auf einem der Transparente zu lesen. Wohl auch deshalb flog Trump mit einem Hubschrauber zum Sitz des Präsidenten und fuhr nicht in einem Konvoi durch die Stadt.

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Bei der Pressekonferenz nach dem Treffen in Mexiko-Stadt wirkte Trump seltsam unsicher und verkrampft. Hinter dem Rednerpult des Präsidenten stand eine mexikanische Flagge - hinter Trump nur eine nackte Wand. Die Botschaft der Mexikaner ist klar: Noch bist du nicht Präsident.

Trump, der dafür bekannt ist, in Reden unbedarft vor sich hin zu schwadronieren, liest seine Stellungnahme von einem Manuskript ab. Plötzlich gibt er ganz andere Töne von sich. Nun nannte er die US-Nachbarn "fantastische Leute".

Trump will weiterhin eine Mauer bauen

Trump bekräftigte seine Absicht, eine Mauer zu bauen: "Wir erkennen das Recht jedes Landes an, an jeder seiner Grenze eine Barriere oder Mauer zu bauen, um illegale Grenzübertritte von Menschen, Drogen und Waffen aufzuhalten." Wenn Menschen, Drogen und Waffen nicht mehr illegal über die Grenze kämen, wäre das für beide Seiten von Vorteil. Allerdings hätten sie nicht über die Finanzierung der Mauer gesprochen.

Der Präsident dagegen kritisierte, Trumps Äußerungen über seine Landsleute seien verletzend gewesen. "Die Mexikaner verdienen den Respekt von jedermann", sagte Nieto. Er gab Trump deutlich zu verstehen, dass er es als seine Herzensangelegenheit ansehe, Mexikaner zu schützen, wo immer sie auch leben. Bei früheren Gelegenheiten hatte er die Wortwahl Trumps mit der Sprache Adolf Hitlers und Benito Mussolinis verglichen.

"That f*cking wall!"

Nach dem Treffen verlagerte sich die Diskussion auf Twitter. Nieto bezichtigte Trump der Lüge. Sie hätten sehr wohl über die Finanzierung der Mauer gesprochen und er habe Trump deutlich gemacht, dass Mexiko für den Bau nicht aufkommen werde, schrieb er.

Für Trump ist das ein Problem. Schließlich zerfällt damit sein wichtigstes Wahlversprechen – die Mauer, die angeblich nichts kosten wird.

Auch Mexikos Ex-Präsident Fox mischte sich in die Debatte ein. Er hatte einst in einem Fernsehinterview gesagt, dass er "that f*cking wall" nicht bezahlen werde.

Trump twitterte, dass Fox ihm angeboten habe, sich beim ihm für das F-Wort zu entschuldigen. Der Ex-Präsident sah das anders – im Gegenteil habe er Trump angeboten, sich bei den Mexikanern zu entschuldigen.

Für Trump war das Treffen eine Niederlage. Ihm ist es nicht gelungen, sich als Staatsmann zu präsentieren. Stattdessen demontierten die Mexikaner sein wichtigstes Wahlversprechen und entlarvten ihn als Dampfplauderer.

Und vielleicht war genau das die Absicht hinter Peña Nietos Einladung.

Mit Material der AP

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(sk)