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Menschen, die auf Trashfilme stehen, sind möglicherweise intelligenter

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CINEMA
Gebildete Menschen sehen gerne Trashfilme | Brand New Images via Getty Images
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Habt ihr manchmal auch ein schlechtes Gewissen, wenn ihr so richtig trashige Filme wie Alienkiller oder Sharknado anschaltet? An Freitagabenden, an denen einfach nichts anderes mehr geht? Besonders kein schleichend langsam erzählter Film von italienischen Arthaus-Regisseuren?

Möglicherweise ist diese Leidenschaft ein Zeichen dafür, dass ihr besonders intelligent und gebildet seid. In jedem Fall hat die Leidenschaft für die populäre Filmkunst einen viel schlechteren Ruf, als sie es verdient.

Zu diesem erleichternden Ergebnis kommt der Filmwissenschaftler Keyvan Sarkosh in einer Studie für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt. Dabei untersuchte er den Zusammenhang zwischen Filmgeschmack und Bildung.

Das Publikum besteht aus "kulturellen Allesfressern"

Menschen, die gern Trashfilme sehen, seien überwiegend gebildet und kulturinteressiert, bestätigt er in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung".

Sarkosh bezeichnet das Trashfilm-Publikum als „kulturelle Allesfresser: Vom Mainstream bis zum Arthauskino, aber auch bildende Kunst und Museen, die Interessen sind sehr breit gefächert.“

Seine überraschende Erkenntnis: Von den befragten Trashfilm-Fans gaben 75 Prozent an, ein Abitur, Studium oder sogar eine Promotion abgeschlossen zu haben.

Von phlegmatischem Publikum kann bei Trashfilmen also wirklich nicht die Rede sein. Insbesondere Männer mit hohem Bildungsstand schätzen die billig produzierten Filme, sagt Sarkosh in seiner Studie.

"Wer guckt solchen ,Schund‘ und vor allem – warum?"

"Auf den ersten Blick erscheint es paradox, warum sich jemand bewusst und gezielt schlecht gemachte, peinliche und oftmals sogar verstörende Filme anschauen und daran Gefallen finden sollte. Ich habe mich deshalb gefragt, warum so etwas erfolgreich sein kann, wer solchen ,Schund‘ guckt und vor allem – warum?“ sagt der Filmwissenschaftler.

Wie kann es sein, dass Filme nahezu Kultstatus erlangen, obwohl man sich als Zuschauer teilweise sogar fremdschämen muss? "Mit ironischer Distanz betrachtet, sorgen Trash-Filme für Amüsement – sie vermögen zu unterhalten und wirken komisch", sagt Sarkosh.

Trash ist unerwartet, amüsant und unterhaltsam und anders als sogenannte Mainstream-Filme, die im TV und Kino gezeigt werden. Das ist auch der Grund, weshalb sich besonders intellektuelles Publikum für Trashfilme interessiert.

Themen werden unkonventionell und überraschend ehrlich dargestellt. Das macht Trash so interessant. Zuschauer müssen sich auf Neues einlassen können, die Streifen haben eine ganz eigene Ästhetik.

"Gute" schlechte Filme

Trashfilme sind Filme, die im weitesten Sinne einfach als schlechte Filme gelten, sagt er, mitunter schaffen sie es nicht einmal ins Kino. Wird ein Film als Trash bezeichnet, wertet ihn das ab. Paradoxerweise erreichen Trashfilme manchmal aber auch einen regelrechten Kult-Status.

Als Paradebeispiel für eine solche Entwicklung bezeichnet Sarkosh den Film "Sharknado", der eine unerwartet große Fangemeinde hat.

„Fliegende Haie, laute Schreie, Blutgespeie – das sind etwa die Ingredienzien des Überraschungs-Trash-Hits 'Sharknado'“, sagt er. Trotz dieses Inhalts habe der Film überraschend viele Fans.

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Besonders gebildete Männer schätzen die Filme

"Was unsere Ergebnisse vor allem bekräftigt: Trash-Fans sind nicht nur überwiegend männlich – fast 90 Prozent unserer Teilnehmer waren Männer –, sondern es sind vor allem enthusiastische Cineasten, für die Trash-Filme eine interessante und willkommene Abwechslung vom Mainstream-Allerlei darstellen", sagt Sarkosh.

Weiter sagt er: "Obwohl Trashfilme billig gemachte Genrefilme sind, stehen sie dem avantgardistischen Kunstfilm näher als so mancher filmischer Mainstream oder Hollywood-Blockbuster.“

Wer also in der heutigen Abendplanung seiner Trashfilmleidenschaft nachgehen wollte, kann das mit gutem Gewissen tun. Hier haben wir noch ein paar Tipps für den perfekten "schlechten“ Film:

1. „Sharknado“: Ein Hurrikane verwüstet Los Angeles und überflutet die Stadt. Tausende Haie treiben dort nun ihr tödliches Unwesen.

2. „Prom Night“: Eigentlich sollte der Abschlussball die schönste Nacht in Donnas Leben werden, doch ein skrupelloser Mörder durchkreuzt ihre Pläne und macht Jagd auf sie und ihre Freundinnen.

3. „Attack of the Jurassic Shark“: Ein prähistorischer Hai macht Jagd auf Diebe und College Studentinnen.

4. „The Captives“: Die junge Sandy wird entführt, gequält und gedemütigt, bis es ihr gelingt ihren Entführer zu überwältigen.

5. „Dracula vs. Frankenstein“: Dracula verbündet sich mit einem verrückten Professor um Frankensteins Monster zum Leben zu erwecken.

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(lp)

Filed by Jelena Maticevic