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Studie: Deutschland hat die besten Jobs - aber die unfreundlichsten Menschen

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Mann auf der Straße | Justin Case via Getty Images
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  • Den Deutschen mangelt es laut einer Studie an Freundlichkeit gegenüber Ausländern
  • Die Jobaussichten sind dagegen ungewöhnlich gut

In Deutschland wurde im vergangenen Jahr viel über sie gestritten: die Willkommenskultur.

Doch im Ausland galten die Deutschen letzten Sommer als Vorbild: positiv, offen, freundlich. Bilder von Menschen, die Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof mit Applaus begrüßten, gingen um die Welt.

Doch so freundlich, wie die Deutschen damals rüberkamen sind sie gar nicht.

"Deutschland hat die unfreundlichste Bevölkerung"

Das behauptet die "Expat-Insider-Studie 2016" des Münchner Unternehmens Inter-Nations. Für die Umfrage hat das Unternehmen weltweit 14.000 hochqualifizierte Arbeitskräfte befragt, die im Ausland arbeiten (sogenannte Expats), und dabei unter anderem folgende Fragen gestellt:

Wie willkommen sind hochqualifizierte Arbeitskräfte, die von Unternehmen nach Deutschland geschickt werden? Und: Wie zufrieden sind Ausländer, nach Deutschland kommen mit ihren Jobs?

In das Ranking flossen also vor allem Faktoren wie Lebensqualität, Löhne, Alltagsleben im Job und die Willkommenskultur eines Landes ein.

Das Ergebnis in der Zusammenfassung: Deutschland hat mit die besten Jobs - und die unfreundlichste Bevölkerung.

In der Gesamtwertung rangiert Deutschland auf dem 17. von 67. Plätzen – vor Thailand, hinter Rumänien. Im Vorjahr belegte Deutschland den 16. Rang.

Zu unfreundlich: Deutsche erschweren Integration

Auf dem ersten Platz liegt Taiwan. Der Grund: Auswanderer fühlen sich in Taiwan vor allem wegen der freundlichen Taiwaner wohl. Neun von zehn der befragten Expats in Taiwan gaben an, dass sie die Offenheit der Einwohner sehr schätzen.

Die Karte zeigt die Top-10-Länder der Studie:

Quelle: RP Online

Deutschland gibt bei den Faktoren Freundlichkeit und Willkommenskultur hingegen mit Platz 57 im Ranking ein trauriges Bild ab.

Ein Grund für diese Wahrnehmung scheint die deutsche Sprache zu sein - die es vielen Neuankömmlingen erschwert, Kontakte zu knüpfen.

Aber auch mit guten Sprachkenntnissen hatten viele Befragte in Deutschland Probleme, Freunde zu finden. "Die Menschen sind verschlossener als in vielen anderen Ländern und es dauert lange, bis man akzeptiert wird und Freunde findet", zitiert die Studie einen Teilnehmer.

Prosperierende Wirtschaft lockt dennoch viele an

Dass Deutschland trotz dieses schlechten Werts im Gesamtranking auf dem 17. Platz landet, liegt an der prosperierenden Wirtschaft und der stabilen politischen Situation. “Ich fühle mich in Deutschland sehr sicher und kann hier meinem Sohn eine hervorragende Perspektive bieten", sagte eine Teilnehmerin der Studie.

Jobsicherheit, gute Gehälter und die politische Stabilität sind Faktoren, die Deutschland bei den Arbeitsbedingungen auf den dritten Platz klettern lassen. Aus diesem Grund scheinen viele Zuwanderer die zähe Integration in Kauf zu nehmen.

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Die Studie zeigt deutlich: Das Klischee des fleißigen, aber verschlossenen Deutschen scheint kein Vorurteil.

Aber auch Deutschen im Ausland geht es dabei kaum anders.

Schweizer noch unfreundlicher

In der Schweiz lebende Deutsche verdienen etwa wesentlich besser als in ihrer Heimat, schätzen die Infrastruktur und die Sauberkeit in den Städten.

Dennoch fühlen sie sich oft ausgegrenzt, obwohl keine Sprachbarriere besteht und die kulturellen Differenzen auch nur marginal sind. "Die Akzeptanz kultureller Vielfalt im eigenen Land erstreckt sich nicht auf Zuzügler", heißt es zur Schweiz in der Studie.

Die Schweiz bleibt trotzdem, wie im Vorjahr, die erste Wahl deutscher Auswanderer. Weitere beliebte Ziele sind die USA, Österreich, Großbritannien und Spanien.

Vor allem eines überrascht jedoch an den Ergebnissen: Die Länder, die bei der Freundlichkeit der Menschen punkten, sind nicht die beliebtesten Ziele von Auswanderern. Ökonomische Faktoren fallen weiterhin wesentlich stärker ins Gewicht als die Freundlichkeit und Offenheit der Einwohner.

Solange die Wirtschaft auf Hochtouren läuft, lässt sich eine mangelnde Freundlichkeit offenbar kompensieren.

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(ben)