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Schweigen ist Macht: Warum sich Seehofer nicht zu einer Kanzlerkandidatur Merkels äußern will

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MERKEL SEEHOFER
Horst Seehofer will sich nicht zu einer Kanzlerkandidatur Merkels äußern - aus gutem Grund | Sean Gallup via Getty Images
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  • Horst Seehofer will seine Haltung zu einer Kanzlerkandidatur Merkels nicht öffentlich machen
  • Die Diskussion über die K-Frage wischt er als "dämlich" beiseite
  • Doch hinter seiner nebulösen Haltung steht knallhartes Kalkül

Die derzeitige Diskussion um die Kanzlerkandidatur lässt sich nur mit den Worten "Nichts Genaues weiß man nicht" zusammenfassen. Merkel bleibt nebulös. Sie kündigte im ARD-Sommerinterview am vergangenen Wochenende an, sie werde ihren Beschluss "zum gegebenen Zeitpunkt" fassen. Wann immer das auch ist.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer macht ein großes Geheimnis daraus, wie er zu einer Kanzlerkandidatur Merkels steht. Auch dahinter steht ganz klar Kalkül.

Keine Seite ist bereit, auch nur eine einzige konkrete Aussage zu machen. Nur eines scheint gewiss: Das Schicksal Merkels ist untrennbar mit dem von Seehofer verbunden. Nach Darstellung des "Spiegel" hatte Merkel ursprünglich geplant, schon im Frühjahr 2016 zu erklären, ob sie noch einmal Kanzlerin werden wolle. Wegen der Flüchtlingskrise und des Streits mit Seehofer habe sie dies zunächst auf den Herbst verschoben. Sie braucht seine Unterstützung im Bundestagswahlkampf.

"Ich halte das für eine selten dämliche Diskussion"

So viele Fragen, auf die keiner bereit zu sein scheint, eine Antwort zu geben: Wird Merkel sich für die Wahl zur Parteivorsitzenden der CDU aufstellen lassen? Wird sie auch als Kanzlerkandidatin bei der Bundestagswahl 2017 antreten? Wird die CSU sie im Wahlkampf 2017 unterstützen? Oder wird auf Wahlplakaten in Bayern CSU-Chef Horst Seehofer und nicht Merkel zu sehen sein?

Seehofer äußert sich nicht zu seiner oder Merkels Zukunft. Fragen danach wischt er einfach weg. "Ich halte das für eine selten dämliche Diskussion", sagte er am Montag der "Süddeutschen Zeitung".

Es sei eine logische Folge und zwischen ihm und Merkel abgestimmt, dass erst die offenen Sachfragen und dann die Personalien geklärt werden müssten. "Nur Micky Mäuse" würden anders handeln.

Das bedeute, CDU und CSU wollen zunächst unabhängig voneinander festlegen, mit welchen Inhalten sie in die Bundestagswahl 2017 ziehen. Anschließend wollen sie ihre Ziele auf Gemeinsamkeiten überprüfen. Erst dann stelle sich die Frage, mit welchem Personal die Union antrete.

Seehofer lässt seine Pläne bewusst im Dunkeln

Das habe er am Sonntag mit Merkel erneut abgesprochen. Seehofer machte deutlich, die inhaltlichen Fragen müssten spätestens bis zu den Parteitagen der CSU im November und der CDU im Dezember geklärt sein.

Wer also wissen will, ob die CSU Merkel bei der Bundestagswahl unterstützen wird, ist eine "Micky Maus" oder "dämlich"? Er stellt die Frage nach der Kanzlerkandidatur als Personalfrage" dar, als gehe es nicht um das Schicksal Deutschlands, sondern um die Stellenausschreibung für einen Hausmeister-Posten.

Das ist typisch Seehofer: Sätze mit kräftigen Worten, die sich auf nichts festlegen und nichts ausschließen. Er lässt seine Pläne bewusst im Dunkeln, denn er weiß, dass er sich umso mehr Einfluss in Berlin sichert, je mehr Unsicherheit er verbreitet.

Bei der Frage nach Merkels Kanzlerkandidatur geht es auch um seine eigene Zukunft

Denn schließlich geht es bei der Frage nach Merkels Kanzlerkandidatur auch um seine eigene Zukunft. Wird er über 2018 hinaus Ministerpräsident in Bayern bleiben? Oder tritt er bei der Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat an?

Für ihn geht es um die Frage, ob er weiter in Bayern Lokalpolitik macht oder zurück auf die ganz große Bühne will: die Bundespolitik. Wenn er bei der Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat seiner Partei antritt, muss er den Wählern glaubhaft versichern können, dass er auch den Willen hat, nach Berlin zu ziehen.

In mehreren Interviews in den letzten Jahren hatte er angekündigt, sich zurückziehen zu wollen. Ursprünglich wollte er Ende 2017 den CSU-Parteivorsitz einem anderen übergeben. Dann wollte er 2018 das Amt des Ministerpräsidenten in Bayern abgeben. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Wäre das noch sein Plan, hätte er sich längst zu seiner Haltung gegenüber einer Kanzlerkandidatur Merkels geäußert.

Er scheint anderes vorzuhaben. Seehofer mischt in der Bundespolitik mehr mit als je zuvor. Seine Beliebtheitswerte sind hoch - bundesweit.

Die meiste Zeit seines politischen Lebens hindurch war Seehofer Bundespolitiker - und es scheint, als wolle er dahin zurückkehren. "Gehen Sie in die Bundespolitik, und zwar nach ganz oben. Deutschland und Europa brauchen Ihre Weitsicht", rief ihm der damalige Ifo-Chef Hans-Werner-Sinn Anfang August bei einer Laudatio zu - und Seehofer strahlte.

Beim ZDF-Sommerinterview in Berlin hatte er nicht ausgeschlossen, dass er zur Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat seiner Partei antritt.

Was Seehofer will, weiß nur Seehofer. Aber sein mysteriöses Schweigen zu seiner Haltung zu Merkel lässt nur einen Schluss zu: Er will wieder auf die ganz große Bühne.

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(lk)