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Wie die Umwelt unter dem weltweiten Avocado-Boom leidet

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AVOCADO
Warum die Umwelt unter dem weltweiten Avocado-Boom leidet | Mariana Bazo / Reuters
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  • Avocados werden weltweit immer beliebter
  • Doch in Mexiko, dem weltweit größten Anbauland, führt der Boom der Frucht zur illegalen Abholzung von Wäldern
  • Umweltschützer warnen vor den Folgen für Ökosystem und Sozialgefüge

Die Avocado ist der neue Star im Gemüseregal Bei Instagram gibt es mehr als 190.000 Einträge zu dem neuen Trend-Food.

Avocados sind gesund - und versprühen Exotik. Doch der Hype um die Frucht hat eine massive Schattenseite.

Der weltweite Avocado-Hype lässt die Preise steigen

Im weltgrößten Anbauland Mexiko warnen Wissenschaftler und Umweltschützer bereits, dass der globale Heißhunger auf Avocado zu illegaler Abholzung führt. Betroffen ist vor allem der westliche Bundesstaat Michoacán - dort werden rund 40 Prozent aller Avocados weltweit angebaut und geerntet.

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Avocado-Ernte in Mexiko - in manchen Regionen Brasiliens werden dafür illegal Wälder abgeholzt (Credit: dpa)

Pestizide verschmutzen das Trinkwasser

"Pro Jahr werden 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen", erklärt Jaime Navia von der mexikanischen Umweltschutzorganisation Gira. Zudem litten die Menschen unter den Folgen der intensiven Landwirtschaft.

"Der Einsatz von Pestiziden in den Monokulturen verschmutzt das Trinkwasser", sagt Navia. Auch die Regierung zeigt sich besorgt über die illegalen Abholzungen, auch wenn sie das Ausmaß für geringer hält als Wissenschaftler und Umweltschützer.

"Die Avocados wachsen unter den Nadelbäumen", erklärt Mario Tapia Vargas vom Nationalen Forschungsinstitut für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischfang. "Früher oder später werden die Bauern die Bäume fällen, damit die Avocadopflanzen mehr Sonnenlicht bekommen."

Zwischen 2000 und 2010 vergrößerte sich die Anbaufläche in Mexiko von 95.000 Hektar auf über 134.000 Hektar. Die starke Nachfrage und steigende Preise machen es für die Bauern ausgesprochen attraktiv, Avocado anzubauen.

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Nicht umsonst wird die Frucht in dem mittelamerikanischem Land auch "grünes Gold" genannt. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO wurden 2013 in Mexiko über 1,4 Millionen Tonnen geerntet.

Für die Saison 2015/2016 rechneten die Produzenten mit 1,6 Millionen Tonnen. In Deutschland stieg der Import von Avocado von 10.700 Tonnen im Jahr 2013 auf zuletzt fast 16.000 Tonnen. In den USA hat der Pro-Kopf-Verbrauch der grünen Frucht in den vergangenen 15 Jahren von zwei Pfund auf sieben Pfund zugelegt.

"Der hohe Wasserbedarf und der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln könnten negative Folgen für die Bevölkerung haben", warnt auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Avocado-Monokulturen benötigen etwa doppelt soviel Wasser wie die in der Region üblichen Nadelwälder.

Zuletzt gingen die Behörden verstärkt gegen Abholzung oder Umwidmung von Flächen vor. Mitte August schloss die Staatsanwaltschaft für Umweltschutz in Michoacán vier illegale Avocado-Felder.

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Das "grüne Gold": Avocados auf einem Markt in Mexiko-Stadt (Credit: dpa)

Die Behörden kämpfen gegen illegale Felder

Ende Juli hatte die Bundespolizei bereits ein Dutzend Verdächtige festgenommen, die Felder auf einer kürzlich abgeholzten Fläche anlegen wollten. In den Hochebenen von Michoacán gerät die Staatsmacht allerdings immer wieder an ihre Grenzen.

In der schwer zugänglichen Region sind Verbrechersyndikate und Bürgerwehren aktiv. Nach einer massiven Offensive mit Tausenden Soldaten und Polizisten hat sich die Lage zwar etwas beruhigt. Wirklich im Griff haben die Sicherheitskräfte Mexikos "Wilden Westen" aber noch immer nicht.

Die Abholzung der Wälder und die intensive Landwirtschaft zerstört nach Einschätzung von Umweltschützer Navia nicht nur das Ökosystem, sondern auch den Zusammenhalt in der Region. 80 Prozent der Wälder in Mexiko gehören Dorfgemeinschaften - sogenannten Ejidos.

Die Bewohner verwalten das Land gemeinsam, bestellen es aber individuell. "Wird das Land an mächtige Agrounternehmer verkauft, löst sich das soziale Gefüge auf", sagt Umweltschützer Navia.

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(cho)