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Oscar-Kandidat Nate Parker: Trieb er seine Frau in den Selbstmord?

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Nate Parkers Film

Nate Parker (36) gilt als große Hoffnung von Hollywood, vielleicht sogar als die größte. Mit seinem Sklavendrama "The Birth of a Nation" hoffen er und das Filmstudio Fox Searchlight auf einen Oscar-Gewinn bei der Verleihung der Academy Awards Ende Februar 2017. Parker führte bei dem Streifen Regie und spielt zudem die Hauptrolle. Doch nun fällt ein schwerer Schatten auf den dunkelhäutigen Schauspieler und Regisseur.

Der Fall aus dem Jahr 1999

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Erst jetzt wurde bekannt, dass Nate Parker im Jahr 1999 in einem Prozess beschuldigt wurde, gemeinsam mit seinem Freund Jean Celestin, der übrigens am Drehbuch zu "The Birth of a Nation" mitgeschrieben hat, eine 18-Jährige vergewaltigt zu haben. US-Medien berichten übereinstimmend, dass das Mädchen angegeben habe, bewusstlos gewesen zu sein, weil sie zu viel getrunken habe. Hingegen sagten beide Männer aus, man habe einvernehmlichen Sex gehabt.

Nate Parker wurde 2001 von den Vorwürfen freigesprochen, sein Freund Celestin jedoch der sexuellen Nötigung für schuldig befunden. Er legte Berufung ein, doch zu einer neuen Verhandlung kam es nicht, weil das Mädchen es ablehnte, erneut vor Gericht auszusagen.

Vor Kurzem enthüllte nun das Filmmagazin "Variety", dass sich die junge Frau vor vier Jahren mit über 200 Schlaftabletten das Leben genommen habe. Ob der Selbstmord mit dem Vergewaltigungsvorwurf zu tun hatte, wurde nicht bekannt.

Das sagt Parker

Nachdem einige zweideutige Aussagen von Parker durch die US-Medien geisterten, ergriff der Ehemann und Vater von vier Töchtern über seinen offiziellen Facebook-Account das Wort. Er habe selbst erst kürzlich vom Tod der Frau erfahren und sei am Boden zerstört, schreibt er. Obwohl er nachdrücklich seine Unschuld beteuere, könne er als Ehemann, Vater und gläubiger Christ den Schmerz der Angehörigen nachvollziehen. Er bedaure zutiefst die Pein, die die junge Frau während des Prozesses habe durchmachen müssen.

Er gesteht zudem Fehler in seinem Verhalten als Teenager ein - denn er hätte damals klüger handeln sollen. Parker schreibt, dass er die Vergangenheit nicht ändern könne, ebenso wenig könne er die Frau wieder zurück ins Leben holen. Aber er wolle vor der Vergangenheit nicht weglaufen. Er betont aber auch, dass er nicht mehr der gleiche Mann sei, der er mit 19 Jahren war. Er sei erwachsen und reifer geworden.

Bei einem Screening von "The Birth of a Nation" am vergangenen Wochenende hat sich Parker erneut zu den Vorfällen von 1999 geäußert. Es tue ihm leid, dass er mit seinem Film so vehement gegen Rassismus kämpfe, aber im Privatleben seine Rolle als Mann so unreflektiert machohaft verstanden und Frauen respektlos behandelt habe. Er sei damals ein "Hund" gewesen. Im Interview mit "Ebony" gesteht er gar, als Teenager niemals explizit danach gefragt zu haben, ob die Frau Sex haben wolle. Heute wisse er es besser.

Für ihn seien weitere Dinge entscheidend, nicht nur das Gesetz. Der Vorfall von damals stelle für ihn ein allgemeines Gesellschaftsproblem dar. Ein Gender-Problem, das tief verwurzelt sei. Parker selbst habe in den letzten Jahren nicht über den Vorfall nachgedacht. Ob es ihm mit solchen Aussagen gelingt, die Aufmerksamkeit von sich wegzulenken? "The Birth of a Nation" läuft im Oktober in den USA an, am 19. Januar 2017 kommt der Film in die deutschen Kinos.