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Mit einem geschickten Schachzug will Merkel ihre Kanzlerkandidatur retten

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ANGELA MERKEL
Angela Merkel beim ARD-Sommerinterview | RAINER JENSEN via Getty Images
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  • Angela Merkel will sich nicht zu einer möglichen neuen Kanzlerkandidatur äuĂźern
  • Hinter ihrer Geheimniskrämerei scheint eine geschickte Verhandlungstaktik zu stehen
  • Mit einem Schachzug will sie Unions-internen Widersachern den Wind aus den Segeln nehmen

Angela Merkel gibt sich geheimnisvoll. Während des ARD-Sommerinterviews am Sonntagabend antwortete sie auf die Frage, wann sie ihre Entscheidung über eine weitere Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl 2017 bekannt geben wird, mit einem Satz, den man erstmal entwirren muss wie verknotete Schuhbändel.

"Ăśber die Frage, wie ich mich bezĂĽglich einer weiteren Kanzlerkandidatur entscheide, werde ich zum gegebenen Zeitpunkt ja dann auch Bericht erstatten oder die Aussage machen."

Entweder beide Ă„mter - oder keines

Dies betreffe auch ihre Kandidatur als CDU-Vorsitzende auf dem Parteitag Anfang Dezember, fĂĽgte sie hinzu. Hinter dem kryptischen Satz scheint eine geschickte Taktik der Kanzlerin zu stehen.

Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass sie sich schon auf dem Bundesparteitag im Dezember als neue und alte Kanzlerkandidatin der Union präsentieren will. Prominente Vertreter der CDU-Spitze sollen demnach damit rechnen, dass sich Merkel in Essen für weitere zwei Jahre als Parteichefin zur Wahl stellen wird.

Sie plant dabei offenbar, ihre Kanzlerkandidatur mit einem Schachzug zu retten. Die Kanzlerin will die Frage nach einem Parteivorsitz mit der nach einer Kandidatur fĂĽr das Amt des Bundeskanzlers verbinden. Merkel will also nur dann als Kanzlerkandidatin antreten, wenn die Basis sie auch als Parteivorsitzende akzeptiert.

Entweder beide Ă„mter - oder keines.

"Das diszipliniert"

Merkel erwartet wegen des CDU-internen Unmuts über ihre Flüchtlingspolitik offenbar einen erheblichen Dämpfer bei der Vorsitzendenwahl. Indem sie Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz verbindet, könnte sie die CDU-Basis disziplinieren und ihr Ergebnis aufbessern.

Der Grund ist, dass selbst ihre größten Kritiker keinen geeigneten Kanzlerkandidaten sehen, der sie ersetzen könnte. Wer dann noch gegen sie stimme, würde die Aussichten der CDU im Wahlkampf drastisch schmälern. "Das diszipliniert", zitierte "Bild" ein namentlich ungenanntes Präsidiumsmitglied.

Aus der Union bekommt Merkel als Parteivorsitzende zwar heftige Kritik. Aber als Kanzlerin ist sie fĂĽr die Mitglieder von CDU und CSU immer noch erste Wahl. Das zeigt eine Emnid- Umfrage fĂĽr die "Bild am Sonntag".

Die hatte zwar ermittelt, dass sich Merkels Sympathiewerte nochmals verschlechtert haben. Aber unter den Unions-Anhängern sprachen sich 70 Prozent für eine weitere Amtszeit Merkels aus, nur 22 Prozent dagegen.

Merkel hat noch lange nicht resigniert

Damit könnte sie auch ihrem heftigsten Widersacher innerhalb der Union den Wind aus den Segeln nehmen: CSU-Chef Horst Seehofer. Der will weiterhin nicht bekannt geben, ob seine Partei Merkel unterstützen wird. Offenbar will er so Druck auf die Kanzlerin aufbauen, um sie zu einem Einlenken bei ihrer Flüchtlingspolitik zu bewegen.

Der "Spiegel" hatte berichtet, Merkel wolle deswegen ihre Entscheidung für eine erneute Kanzlerkandidatur erst im Frühjahr 2017 bekannt geben. Dass Seehofer eine deutlich frühere Verkündung der Kandidatur nicht gutheiße, sei bereits Thema eines Vier-Augen-Gesprächs mit Merkel gewesen.

Würde sie auf dem Parteitag in Essen im Dezember dank ihres taktischen Zuges als Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin wiedergewählt, würde sie sich unabhängiger von den Bayern machen. Das Beispiel zeigt, dass man Merkel nicht unterschätzen darf - trotz aller Kritik von innerhalb und außerhalb ihrer Partei scheint sie noch lange nicht resigniert zu haben.

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