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Manche Kinder entwickeln lernfähigere Gehirne - dieses Verhalten von Eltern ist dafür verantwortlich

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KINDER GEHIRN ENTWICKLUNG
Warum manche Kinder leistungsfähigere Gehirne entwickeln | iStock
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Das Verhalten von Eltern hat Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder - das dürfte den meisten Erwachsenen bewusst sein. Doch Wissenschaftler haben festgestellt, dass sogar die Entwicklung des Gehirns durch frühe Kindheitserlebnisse beeinflusst wird.

Insbesondere die Fürsorge der stärksten Bezugsperson - häufig die Mutter - spielt dabei eine Rolle. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Washington University gekommen: Je mehr Zuwendung Kinder bekommen, bevor sie zur Schule kommen, desto größer ist ihr Hippocampus - eine Gehirnregion, die für Lernfähigkeit, Erinnerungen und die Regulierung von Emotionen zuständig ist.

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Entwicklung dieses Gehirnareals nicht wieder aufgeholt werden kann, wenn Mütter sich beispielsweise später wieder mehr Zeit für ihre Kinder nehmen.

In der frühen Kindheit ist das Gehirn empfänglicher für Erfahrungen

Die frühe Kindheit bis zum sechsten Lebensjahr sei für die Hirnentwicklung entscheidend, betont Psychiaterin Joan Luby, Hauptautorin der Studie:

"Unsere Untersuchungen zeigen, dass es einen empfindlichen Zeitraum gibt, in dem das Gehirn stärker auf mütterliche Zuwendung reagiert. Wir glauben, dass der Grund dafür die höhere Plastizität des Gehirns in der Kindheit ist, das heißt, dass das Gehirn von frühen Kindheitserlebnissen stärker beeinflusst wird. Es ist daher entscheidend, dass Kinder in diesen frühen Jahren Unterstützung und Förderung erhalten."

Jahrzehntelange Forschung als Grundlage für neue Untersuchungen

Luby und ihr Team arbeiten seit vielen Jahren an Forschung zur Entwicklung des Hippocampus. In ihrer ersten Studie untersuchten sie drei- bis sechsjährige Kinder.

127 von ihnen wurden dann weiter mit regelmäßigen Gehirnscans untersucht, bis sie die Pubertät erreichten. Diese neuen Ergebnisse wurden vor wenigen Monaten im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences Early Edition" veröffentlicht.

Zusätzlich zu den Gehirnuntersuchungen bewerteten die Forscher die Beziehung zwischen den Kindern und ihren Bezugspersonen - in den meisten Fällen Mütter - indem sie sie in verschiedenen Situationen filmten.

Die Wissenschaftler beobachteten die Testpersonen zum Beispiel in Situationen, in denen die Mütter eine Aufgabe bewältigen mussten, während die Kinder ihre Aufmerksamkeit einforderten.

"Die Mutter bekam eine Aufgabe, während wir dem Kind ein hübsch verpacktes Geschenk gaben, das es aber nicht sofort aufmachen durfte. Das ist eine stressige Situation, wie sie mehrfach am Tag vorkommen kann, beispielsweise wenn die Mutter das Abendessen zubereitet und ein Kind ihre Aufmerksamkeit fordert. Das Kind braucht etwas, aber die Mutter hat etwas anderes zu tun, also werden ihre Erziehungs-Fähigkeiten auf die Probe gestellt", erklärte Luby.

Wenn die Mütter es schafften, ihren Kindern in der stressigen Situation emotionalen Beistand zu leisten, bewerteten die Wissenschaftler sie als unterstützend und umsorgend.

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Kinder von aufmerksamen und fürsorglichen Eltern haben größere Hippocampi

Schließlich verglichen sie alle erhobenen Daten miteinander und kamen zu einem verblüffenden Ergebnis: Die Hippocampi der Kinder, die sehr aufmerksame und fürsorgliche Mütter haben, waren eindeutig stärker gewachsen als die der Kinder, die unterdurchschnittlich viel Förderung bekamen.

Die Forscher stellten zudem fest, dass die Wachstumsentwicklung des Hippocampus sich auch auf das emotionale Verhalten der Kinder im Teenageralter auswirkt. Allerdings sei die frühe Kindheit bis zum Vorschulalter für dieses Wachstum essentiell. Zuwendung durch die Eltern in späteren Lebensjahren eines Kindes habe nicht denselben Effekt.

Eine gesunde Entwicklung dieser Gehirnregion ist nicht nur für gute Leistungen in der Schule wichtig. Der Hippocampus ist auch die wichtigste Struktur im Gehirn, die Stress-Prozesse reguliert.

Wir müssen Eltern unterstützen

Angesichts dieser Ergebnisse dürften sich vor allem arbeitende Eltern die Frage stellen, ob sie ihr Kind in ihrer Entwicklung ausreichend unterstützen können. Forscherin Luby fordert daher neue Modelle, um Eltern zu helfen:

"Wir wissen, dass es einen positiven Effekt auf das Verhalten und die Lernfähigkeit von Kindern hat, wenn man Eltern Unterstützung bietet. Es ist also nur logisch, dass Methoden entwickelt werden müssen, die Eltern helfen, ihre Kinder besser unterstützen zu können", sagte Luby.

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(juk)