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Edel-Restaurant wollte Muslimas nicht bedienen - doch der eigentliche Skandal ist die Reaktion der Gäste

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MUSLIMS
In einem französischen Restaurant wurden zwei muslimische Frauen rausgeschmissen. | Restaurant Cenacle/Gallo Images
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Das "Le Cenacle" in der französischen Stadt Tremblay-en-France gilt als Spitzen-Restaurant. Sogar im diesjährigen Michelin-Guide fand es Erwähnung - die Kundenbewertungen sind fast durch die Bank weg hervorragend.

Doch jetzt provozierte das Etablissement einen beschämenden Streit mit Gästen: Der Chef soll zwei Frauen die Bewirtung untersagt haben - weil sie Muslimas sind.

"Alle Moslems sind Terroristen"

Und er hat eine klare Meinung, wenn es um Menschen muslimischen Glaubens geht: "Die Terroristen sind Moslems und alle Moslems sind Terroristen. Vor Kurzem haben sie einen Priester getötet. Das hier ist ein weltliches Land und ich habe das Recht auf eine Meinung... Ich will hier keine Menschen wie Euch. Punkt."

Die zwei Frauen erklären dem Mann, dass sie sowieso nicht von einem Rassisten bedient werden wollen. Er fordert die Damen auf, das Restaurant zu verlassen. Diese erwiderten lediglich: "Keine Sorge, wir gehen."

Aufnahmen sollen Vorfall belegen

Ein Video, das bei Twitter auftauchte, soll den Vorfall zeigen. Eine der Muslimas filmte die beschämende Szene – ihr seht sie hier:

Der eigentliche Skandal ist nicht der Restaurant-Leiter

Der eigentliche Skandal allerdings ist nicht der Restaurant-Chef. Es gibt etwas, das schwerer wiegt als die Meinung eines Einzelnen: und zwar die mangelnde Solidarität der anderen. Denn obwohl in dem Restaurant offenbar noch andere Gäste sind, schreitet niemand ein.

Kein einziger Gast steht auf, sagt dem Gastronom die Meinung oder verlässt freiwillig das Restaurant. Im Gegenteil: Die Gäste essen ruhig weiter - obwohl, wie auf dem Video zu hören ist, die Diskussion zwischen dem Leiter und den beiden Muslimas in einer gut hörbaren Lautstärke stattfindet.

Die aktuelle Burkini-Debatte scheint das Misstrauen gegenüber Muslimen - vor allem in Frankreich - noch verstärkt zu haben. Der Streit um das Verbot von Ganzkörper-Badeanzügen droht nach wie vor zu eskalieren.

30 französische Gemeinden verhängten an Burkini-Verbot an Stränden. Am Freitag erklärte das oberste Verwaltungsgericht für eines dieser Städte das Verbot als nicht zulässig.

Die Nachwirkungen der Debatte sind immer noch bemerkbar. Das zeigt das Beispiel des intoleranten Restaurant-Chefs.

"Glaube die Dinge, die ich sagte, nicht"

Dieser scheint sein Verhalten gegenüber der Muslimas mittlerweile bereuen, wie die französische Boulevard-Zeitung "Le Parisien" berichtet. Er soll von der Polizei wegen des Vorwurfs der "rassistischen Diskriminierung" befragt worden sein.

Als Erklärung für seine Wortwahl gab er an: "Ich habe einen Freund, der bei dem Anschlag auf das Bataclan starb. Ich glaube die Dinge, die ich sagte, nicht. Und meine Kommentare gaben nicht wieder, was ich wirklich denke."

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(lk)