Huffpost Germany

Ein Vorbild für Deutschland? Frankreich will Islam-Institutionen neu aufstellen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CAZENEUVE
Bernard Cazeneuve plant Reformen | MATTHIEU ALEXANDRE via Getty Images
Drucken
  • Imame sollen Französisch sprechen und in Frankreich ausgebildet sein
  • Innenminister Cazeneuve stellte dazu einen neuen Plan zum Umgang mit muslimischen Institutionen vor
  • Viele der Punkte werden auch in Deutschland diskutiert

Islamistische Terroranschläge und der Einfluss des türkischen Präsidenten Erdogan auf in Deutschland agierende Organisationen haben hierzulande Skepsis gegenüber Islaminstitutionen geschürt.

Auch in Frankreich stehen die muslimischen Verbände in der Kritik. Innenminister Bernard Cazeneuve will die Islaminstitutionen nun neu aufstellen – um so gegen Radikalisierung und Terror vorzugehen.

"Wir brauchen einen Islam, der mit beiden Füßen in der Republik steht“, sagte Cazeneuve am Montag nach Beratungen mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft in Paris.

Imame unter Kontrolle bringen

Paris will unter anderem sicherstellen, dass Imame Französisch sprechen und in Frankreich ausgebildet werden. Eine Forderung, die auch in Deutschland immer wieder laut wird. Neben der CSU warben in der Vergangenheit auch kurdische Verbände für eine Deutsch-Pflicht in Moscheen.

Cazeneuve kündigte dazu eine Stiftung und eine religiöse Vereinigung an, die neue Geldquellen für den Bau von Moscheen, eine bessere Ausbildung von Imamen und islamwissenschaftliche Studien erschließen sollen.

Ausländische Geldgeber sind Teil des Problems

Das soll dazu beitragen, die Rolle ausländischer Geldgeber zu verringern und sicherzustellen, dass Hassprediger keine Chance haben. In Deutschland wird ein großer Teil der gebauten Moscheen aus dem Ausland mitfinanziert – etwa aus Saudi-Arabien und der Türkei. Aus Ländern also, die eher für eine konservative Auslegung der Religion stehen.

Von einem kompletten Verbot ausländischer Finanzspritzen für den Bau von Moscheen, wofür Premierminister Manuel Valls plädiert hatte, war am Montag allerdings keine Rede. Die Frage nach der Organisation der Islam-Institutionen ist seit Jahren ein Thema, hat infolge der islamistischen Anschlagsserie aber neue Brisanz gewonnen. Auch der muslimische Dachverband CFCM ist dafür.

Cazeneuve will eine neue Islam-Stiftung

Die neue Stiftung soll Geld vom Staat erhalten und Spenden sammeln. Sie könnte etwa die weltliche Ausbildung der Imame finanzieren. Geführt werden soll die Stiftung vom früheren Innenminister Jean-Pierre Chevènement, im Vorstand wird auch der Schriftsteller Tahar Ben Jelloun sitzen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Die theologische Ausbildung oder den Bau von Moscheen darf die staatlich unterstützte Stiftung wegen der strikten Trennung von Kirche und Staat nicht bezahlen. Deshalb soll auch eine religiöse Vereinigung entstehen, die über eine Abgabe für die Zertifizierung von Halal-Produkten (die muslimischen Speisevorschriften entsprechen) finanziert werden könnte. Details sollen bis Dezember ausgearbeitet werden.

Auch auf HuffPost:

Warum Erdogan immer gewinnen wird

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lk)