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Kurdisch-türkischer Konflikt in Syrien eskaliert - und bringt besonders die USA in Bedrängnis

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TURKEY
Dscharabulus am Freitag | Umit Bektas / Reuters
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Die Lage in Syrien spitzt sich zu. Im Norden des Kriegslandes kommt es jetzt zu direkten militärischen Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Armee und kurdischen Kräften – die noch immer als wichtiger Partner der USA gelten.

Bei türkischen Angriffen im syrischen Grenzgebiet sind Aktivisten zufolge mindestens 20 Zivilisten ums Leben gekommen. Auch vier Kämpfer der Rebellengruppe der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) seien durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss getötet worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag.

Viele Zivillisten sterben durch türkische Bomben

Ein Sprecher der Rebellentruppe, Scherwan Darwisch, sagte, die Luftangriffe hätten die ganze Nacht und auch am Sonntag noch angedauert. In einem Dorf südlich der Grenzstadt Dscharablus seien viele Zivilisten getötet worden. Eine Zahl nannte er nicht.

Die Türkei hatte am Samstag ihre Offensive gegen die von den Kurden-Milizen YPG angeführten Demokratischen Kräfte Syrien ausgeweitet. Es kam zu Luftangriffen und heftigen Gefechten zwischen Kurden und anderen Rebellenkämpfern, die von der Türkei unterstützt werden. Auch ein türkischer Soldat wurde getötet.

Partner der USA unter Berschuss

Besondere Brisanz erhält der Konflikt dadurch, dass die Syrischen Demokratischen Kräfte bisher von den USA unterstützt wurden. Die haben sich nun immer stärker auf die Seite der Türkei geschlagen, die ihrerseits mit syrischen Islamistengruppen zusammenarbeitet. In einem gemeinsamen Einsatz war vergangene Woche die Grenzstadt Dscharabulus vom IS befreit worden.

Bereits am Mittwoch forderte US-Vizepräsident Joe Biden die SDF auf, sich in die Gebiete östlich des Euphrats zurückzuziehen. Eine Forderung, die ursprünglich aus Ankara kommt. Bislang kamen die Kurden dieser offenbar jedoch nur teilweise nach.

Türkei widerspricht eigenen Zusagen

Gleichzeitig scheint die türkische Armee auch auf eben jener Ostseite des Euphrats Einfluss ausüben zu wollen. Medienberichten zufolge überquerten türkische Panzer bei der Stadt Kobane die Grenze.

Kurdische Quellen berichten, türkische Kämpfer hätten begonnen mit schwerem Gerät Gräben auszuheben – eventuell Vorbereitungen auf Kämpfe auch in diesen Teilen des Grenzgebietes.

Kobane gilt als Symbol des kurdischen Widerstandes im Syrienkrieg. Im Februar 2015 hatten kurdische Kämpfer die Stadt von der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) erobert.

Dilemma für die USA

Durch die neue Eskalation gerät Washington in Bedrängnis. Zum einen gilt es die Zusammenarbeit mit dem Nato-Partner Türkei aufrecht zu erhalten. Andererseits hatten sich die kurdischen Kämpfer in Vergangenheit als zuverlässiger Partner etabliert.

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Ohnehin dürfte es in den USA schwierig zu kommunizieren sein, sollten die USA in Zukunft durch die Partnerschaft mit der Türkei mit islamistischen Gruppierungen wie Ahrar-Al-Sham zusammenarbeiten.

Die salafistische Rebellenmiliz ist nur eine der wichtigen Bündnispartner der Türkei.

Mit Material der dpa.

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