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Aussteiger erheben schwere Vorwürfe gegen Gülen-Bewegung in Deutschland

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Aussteiger erheben schwere Vorwürfe gegen Gülen-Bewegung in Deutschland | THOMAS URBAIN via Getty Images
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  • Aussteiger packen aus: So will die Gülen-Bewegung die deutsche Politik infiltieren
  • Sie sehen hinter der scheinbar pazifistischen Organisation eine Sekte

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wird nicht leise zu betonen, wen er für den Schuldigen hinter den Unruhen im eigenen Land hält: Den islamischen Prediger Fethullah Gülen. Gülen, ein ehemaliger Weggefährte Erdogans, lebt im Exil in Pennsylvania, führt von da an die weltweit auftretende Hizmet-Bewegung.

Außerhalb der Türkei halten viele die Schuldzuweisungen Erdogans für haltlos. Dennoch nimmt auch hierzulande die Kritik an Gülen und seiner undurchsichtigen Organisation zu.

In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) packen nun drei Aussteiger der Gülen-Bewegung aus. Sie werfen ihr eine sektenähnliche Struktur vor und berichten: Auch Gülenisten versuchen – ähnlich wie die Anhänger Erdogans – ihren Einfluss auf die deutsche Politik zu erhöhen.

Anweisungen von oben: Tretet einer Partei bei

Einer der Aussteiger erklärt: "Es gab immer mal wieder auch die Anweisung: Werdet Mitglied der SPD oder CDU oder auch der Grünen. Oder es hieß, bewirb dich als Schöffe (ehrenamtlicher Richter; Anm. d. Red)."

Ein anderer berichtet: "Man wollte das Vertrauen von Entscheidungsträgern gewinnen und die Gesellschaft infiltrieren, deshalb hieß es, merke dir die Geburts- oder Hochzeitstage von den wichtigen Leuten, den VIPs.“ Außerdem habe man wichtige Politiker "geködert" und in die Türkei eingeladen.

Das Ziel: Den Einfluss unter Gebildeten ausbauen

Die Gülen-Bewegung tritt vor allem an intellektuelle und gut ausgebildete Türken heran. Sie führt Studentenwohnheime und organisiert Nachhilfeunterricht, umwirbt Gründer und Unternehmer.

So versuche sie ihren politischen und gesellschaftlichen Einfluss auszubauen, berichten Insider. "Es hieß immer, du musst die wichtigen Leute kennenlernen. Es gibt auch einen Verhaltens-Knigge, den bekommen nur diejenigen, die mit wichtigen Leuten in Kontakt sind", sagt ein ehemaliges Mitglied in der "FAS".

Nach außen gemäßigt, innen hochkonspirativ

Die nach außen kommunizierte Ideologie von Hizmet ist dabei vollkommen harmlos: Interkultureller Dialog, Pazifismus, Meinungsfreiheit, gemäßigter Islam.

Was man dieser Tage aber immer wieder hört: Neben dem Außenauftritt der Gülenisten existiert eine Art Parallelbewegung. Ein junger Betriebswirt aus Stuttgart berichtet: "Es läuft so wie bei den Scientologen, das Einsammeln des Geldes spielt eine große Rolle. Typisch ist auch, dass die alle wie Papageien das gleiche dogmatische Zeugs reden."

Die Führungskräfte von Hizmet träfen sich dabei abgeschieden von den normalen Mitgliedern. Handys würden im Nebenraum eingeschlossen, das Vorgehen sei äußerst konspirativ. Die hohen Mitglieder sprächen sich gar mit Codenamen an.

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Einfluss auf muslimische Schüler

Besonders brisant: In Deutschland gibt es 24 staatlich anerkannte gülenistische Privatschulen. Angeblich sind diese unabhängig, lassen sich von der Lehre Gülens nur inspirieren. In der "FAS" erheben Aussteiger jetzt den Vorwurf, dies sei schlichtweg falsch.

Einer sagt: "Das stimmt nicht. Ich habe Sitzungen in den Räumen von Gülen-Schulen erlebt, wo Imame auch Anweisungen gegeben haben. Auf die muslimischen Kinder wird außerhalb der Schule schon ein Einfluss ausgeübt."

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(mast)