Huffpost Germany

Radikaler Wandel: Amazon testet die 30-Stunden-Woche für Angestellte

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AMAZON
Radikaler Wandel: Amazon testet die 30-Stunden-Woche für Angestellte | Getty / Reuters
Drucken

Amazon und die Arbeitsbedingungen: ein scheinbar immer währender Konflikt. Vor genau einem Jahr befeuerte die "New York Times“ die Debatte um Ausbeutung mit einem langen Artikel, der die skandalösen Zustände beim Online-Versandhändler aufdeckte. Der Tenor: Amazon benutzt seine Angestellten skrupellos – bis zur totalen Erschöpfung.

Jetzt will das Unternehmen offenbar gegensteuern – mit einem radikalen Schritt. Amazon plant laut der "Washington Post“, für bestimmte Teams eine 30-Stunden-Woche einzuführen. Der Schritt soll für eine Entlastung der Mitarbeiter sorgen.

Teilzeitarbeiter sollen gleichgestellt sein

Die Teilzeitarbeiter sollen festangestellt sein – unter den gleichen Bedingungen, unter denen auch die Vollzeitbeschäftigten arbeiten. "Wir planen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das auf einen reduzierten Arbeitsplan angepasst ist und trotzdem Erfolg und Wachstum fördert", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Auch die Manager des Teams sollen in Zukunft so eine 30-Stunden-Woche haben. Das Pilotprojekt, an dem lediglich einige dutzende Mitarbeiter teilnehmen werden, soll zunächst im Technologiebereich angesiedelt sein.

Die Teilzeitbeschäftigten sollen an neuen Technologieprodukten arbeiten – für 75 Prozent des Gehaltes der 40-Stunden arbeitenden Kollegen. Ob und wie das Projekt ausgebaut wird, ist noch nicht bekannt.

Auch in Deutschland ist 30-Stunden-Modell im Gespräch

Auch in Deutschland wird über eine Verkürzung der Arbeitszeiten diskutiert. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Dieter Janecek, forderte in der Huffington Post zuletzt ebenfalls die Einführung einer 30-Stunden-Woche.

"Laut arbeitspsychologischen Studien sind die meisten Menschen nur bis zu fünf Stunden zu konzentrierter Arbeit pro Tag in der Lage“, sagte Janecek.

Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation glaubt ebenfalls, es brauche ein Umdenken. "Auf dem Papier arbeiten die Deutschen zwar immer weniger. Vor 20, 30 Jahren hatten sie vertraglich festgelegt noch längere Arbeitszeiten als heute. Aber die Anzahl der Überstunden hat in den letzten Jahren stetig zugenommen”, sagte sie der Huffington Post.

Schweden testet die Idee bereits

In Schweden wird ein 6-Stunden-Modell, wie es auch Amazon nun einführt, bereits getestet. In Göteborg arbeitet eine Gruppe Angestellter im öffentlichen Sektor in dementsprechend verkürzten Schichten. Bei der Testgruppe handelt es sich um Altenpfleger- und Altenplegerinnen.

Das Ziel: eine bessere Work-Life-Balance, eine höhere Produktivität und auf längere Sicht geringere Kosten.

Ob das Ganze erfolgreich ist, darüber wird derzeit noch gestritten. Denn die Ergebnisse des Testdurchlaufs der Altenpfleger sind erst einmal ernüchternd: 17 neue Pflegekräfte musste das Heim einstellen, um die Stundenreduzierung aufzufangen.

Außerdem verfehlte das Unternehmen hochgesteckte Ziele: Man wollte die Krankenrate des Personals durch das Sechsstundenprojekt deutlich senken. Letztendlich fiel sie um gerade einmal 0,6 Prozent.

Immerhin: Die Mitarbeiter zeigten sich zufriedener und entspannter als zuvor. Für viele Amazon-Mitarbeiter, die laut „New York Times“-Recherchen bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten, bislang wohl Fremdwörter.

Auch auf HuffPost:

9 Gründe, warum gute Mitarbeiter kündigen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(mast)