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Europa diskutiert über das Burkini-Verbot - jetzt taucht das Foto dieser Biker auf

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Zwei Motorradfahrer liegen auf Handtüchern am Kiesstrand.

Um sie herum liegen Menschen in Bikini und Badehose. Es dürfte ein heißer Tag sein, trotzdem tragen die beiden ihre Biker-Kluft: Helm, Handschuhe, Jacke, Lederhose und Stiefel.

Die auf den ersten Blick unspektakuläre Szene ist auf einem Foto zu sehen, das der syrische und in Berlin lebende Künstler Khaled Barakeh auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Das Foto - ursprünglich aufgenommen im Jahre 2012 - wurde bereits mehr als 7000 Mal geteilt - und es zeigt auf einen Blick, wie absurd die aktuelle Debatte um den Burkini ist.

Zu dem Bild schreibt Barakeh: "Mit ihren schwarzen Helmen und ihrem Ganzkörper-Anzug liegen diese französischen Motorradfahrer am Strand. Manche nennen es: Motokini. Ich frage mich, wie die französischen Polizisten reagieren würden, wenn sie den Jungs in diesen Tage begegnen.“

Muss man nicht anderen auch verbieten, sich zu verhüllen?

Das Bild führt ganz ohne Worte die Widersprüchlichkeit des Burkini-Verbots vor Augen, das an vielen französischen Stränden, aber auch in deutschen Bädern gilt.

Denn: Wenn man muslimischen Frauen verbietet, sich am Strand oder im Freibad zu verhüllen – müsste man es dann anderen nicht auch verbieten? Motorradfahrern, Surfern, Tauchern oder Nonnen?

An mehreren Stränden Frankreichs, darunter denen in Nizza und Cannes, bestrafen Ordnungskräfte Frauen, die einen Burkini tragen. Wer gegen das Verbot verstößt, dem droht ein Bußgeld von 38 Euro. Die Begründung für das Verbot: Der Burkini weise auf die mögliche Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation hin und respektiere nicht die guten Sitten.

Eklat am Strand von Nizza

Das Verbot ist äußerst umstritten – nicht nur in Frankreich.

Die Debatte verschärfte sich in den vergangenen Tagen, als ein Bild auftauchte, das zeigt, wie bewaffnete Polizisten eine Muslima dazu auffordern, ihren Burkini mitten am Strand – vor den Augen der anderen Badegäste – auszuziehen.

Das Bild verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet – und brachte Menschen weltweit dazu, das Verbot in Frage zu stellen.

Manche wählten eine sehr kreative Art, um ihren Ärger über das Burkini-Verbot kundzutun. Ein italienischer Imam etwa postete kommentarlos ein Foto von Nonnen am Strand auf Facebook und löste damit eine Debatte über das Burkini-Verbot aus.

Früher sollten sich Frauen noch am Strand anziehen

Mehrere User stellten Fotos von Menschen in Neoprenanzügen jenen von Frauen in Burkinis gegenüber und fragten: "Wo liegt bitte der Unterschied?“

Ein Foto aus dem Jahre 1925, das im Netz kursiert, bekam durch die Burkini-Debatte eine neue Aktualität: Es zeigt, wie ein Polizist am Strand abmisst, ob eine Frau bedeckt genug ist.

Was Frau am Strand trägt, ist Privatsache

Und nun das Foto der Motorradfahrer. All die Kommentare und Bilder werfen die in der Debatte zentrale Frage auf: Wem darf man vorschreiben, was er am Strand trägt – und wem nicht? In einer freien, toleranten Gesellschaft müsste die Antwort sein: niemandem.

Denn es ist Privatsache, ob ich in einem Burkini, einem Bikini oder einem Neoprenanzug am Strand liege. Oder mir ein Tuch um die Hüften lege, um Schwimmen zu gehen.

Früher schrieb man Frauen vor, sich am Strand zu bedecken. In manchen Teilen der Welt tut man das bis heute. Jetzt schreiben die französischen Behörden Frauen vor, sich auszuziehen.

Das Verbot ist nicht nur sexistisch, sondern auch schwer islamophob. Denn es trifft nicht alle Frauen, sondern nur muslimische.

Die Erfinderin des Burkinis, Aheda Zanetti, meldete sich vor kurzem in einem Gastkommentar für die britische Zeitung "The Guardian“ zu Wort und verurteilte das Verbot aufs Schärfste.

Das Hauptargument für das Verbot, nämlich dass der Burkini ein Symbol für die Unterdrückung von Frauen sei, wehrt sie mit nur einem Satz ab: "Als ich den Burkini 2004 erfand, tat ich das, um Frauen Freiheit zu schenken - und nicht, um sie ihnen zu nehmen", schreibt die Australierin.

Burkini-Verbot verhindert Integration

Denn der Burkini macht es muslimischen Frauen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung verhüllt sein wollen, möglich, auch Freude am Sommer zu haben. Sie können schwimmen, Beachvolleyball spielen, in den Wasserpark gehen.

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Indem ein Burkini-Verbot die Frauen abhält, an den Strand zu gehen und am Alltagsleben teilzunehmen, verhindert es auch, dass sie sich integrieren. Das Verbot führt im Gegenteil dazu, dass sie sich noch mehr isolieren und nicht am öffentlichen Leben teilnehmen.

Debatte spielt Radikalen in die Hände

Das spielt jenen in die Hände, denen das Verbot eigentlich galt. Radikalen Islamisten, die nicht nur wollen, dass Frauen sich in der Öffentlichkeit bedecken, sondern am besten gar nicht das Haus verlassen. Sie haben ihr Ziel erreicht - ohne etwas zu dafür zu tun. Das haben die französischen Behörden für sie erledigt.

Eine gute Sache hat die Burkini-Debatte bewirkt: Menschen auf der ganzen Welt hinterfragen nicht nur, wie weit man im Kampf gegen den radikalen Islamismus gehen darf. Sie hinterfragen auch endlich, ob man Frauen mitten in Europa vorschreiben darf, was sie anziehen dürfen - und was nicht.

UPDATE: Wir haben den Artikel um die Anmerkung ergänzt, dass das ursprüngliche Foto der Biker im Jahre 2012 aufgenommen wurde. Das mindert jedoch nicht die Bedeutung und die Aktualität, die es nun in der Burkini-Debatte bekommen hat.

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