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550 PS: Das kann der neue Jaguar F-Type R AWD

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Kompakter Sportler mit 550 PS: Jaguar F-Type R AWD

Wenn sich die Älteren erinnern, dann haben sie nun die beiden FBI-Agenten Jerry Cotton und Phil Decker vor ihren geistigen Augen, die in Manhattan in einem knallroten E-Type einen Schurken nach dem anderen nachstellten. In einem ziemlich schönen Sportwagen - für damalige Verhältnisse. Eher zierlich wirkend mit seinen schmalen Rädern, die ein kurzes Heck und einen dafür umso längeren Vorbau trugen. Diese Proportionen sorgten allerdings für einen ziemlich weiten Radstand, was vor allem in optimistisch angegangenen Kurven vor allem bei feuchtem Asphalt für ein abenteuerliches Fahrverhalten sorgte. Besser, man war dafür mit den Erkenntnissen einer Driving School gewappnet, wie sie die Geheimagenten dieser Welt zu absolvieren pflegen.

Geborgen wie in einem edlen Kokon

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Nun hat sich der Mantel der Vergangenheit schon lange über solch kleine Unzulänglichkeiten gelegt, und mehr als 55 Jahre nach der Vorstellung des E-Type anno 1961 auf dem Genfer Salon ist die automobile Welt eine etwas andere. Weshalb sich Vergleiche mit dem F-Type der Neuzeit selbstverständlich verbieten und nicht mehr sind als romantische Schwärmereien. Okay, das Heck ist immer noch kurz und die Haube relativ lang. Aber sonst? Schon beim Body-Mass-Index hört der letzte Rest von Gemeinsamkeit auf, denn der F-Type ist eine muskulöse Wuchtbrumme. Eine mit viel britischem Stil allerdings. Das geht los mit dem Türgriff, der einem nach Betätigung der Entriegelung so dezent entgegenfährt, als würde einem ein stummer Diener in den Mantel helfen wollen. Und wer sich dann in die teuren, aufwändigst verarbeiteten Ledersitze fallen lässt, der fühlt sich geborgen wie in einem edlen Kokon.

Gefühlt ist das Raumangebot in einem Elfer von Porsche größer, weil luftiger. Und man muss sich an das Gefühl gewöhnen, als Fahrer und Co-Pilot in einem F-Type gewissermaßen mit dem Auto zu verschmelzen. Aber genau dieses Feeling gehört zu den Unterscheidungsmerkmalen, mit denen die Engländer den Schwaben Kundschaft abspenstig machen wollen. Erstaunlich dabei ist, wie wohl man sich auf Anhieb im F-Type fühlt. Weil dort alles sofort vertraut wirkt, nichts fremd ist. Die Armaturen sind übersichtlich, es gibt keine Knöpfe und Schalter, die deplatziert wirken. Das Infotainment-Systems mit dem 8 Zoll großen Touchscreen ist verblüffend leicht zu bedienen, und wem einmal der 770 Watt (!) starken Surround-Sound von Meridian in den Ohren geklingelt hat, dem muss die Normalo-Stereoanlage im heimischen Wohnzimmer wie eine alte Wurlitzer-Musikbox vorkommen.

Schaltwippen oder Quickshift-Automatik

Man muss sich allerdings entscheiden, zwischen dem Sound aus den Boxen und dem, der den vier dicken Endrohren entweicht. Für Puristen keine Frage: Runter mit dem Regler, drauf auf den Startknopf - schon brüllen 550 PS im Chor. Und dann: Es darf gewippt werden! Erster, zweiter, dritter Gang, längst liegen die 4,1 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h hinter einem, mit dem gewaltigen Drehmoment von 680 Newtonmeter wird der F- zum Fast-Type. Erst bei 300 km/h wird der Vorwärtsdrang gestoppt, was natürlich ein seltenes Vergnügen ist, dafür ein großes. Keine Schweißperle, die es auf die Stirn treibt, nicht einmal feuchte Hände. Wie auf Schienen rollt der allradgetriebene F-Type, die rennsporttaugliche Bremsanlage bremst den Boliden bei Bedarf souverän ein. Und wer kein Freund der Schaltwippen ist, freut sich über die perfekte Achtstufen-Quickshift-Automatik, die ihrem Namen alle Ehre macht - sie schaltet so quick und präzise, wie es mit der Wippe nur Profis hinbekommen.

Die wahre Hatz ist es allerdings, den F-Type über kurvenreiche Landstraßen zu hetzen. Natürlich im Rahmen der zulässigen Tempo 100, die zugegeben hin und wieder auch gefühlt waren, weil die Straße die volle Aufmerksamkeit erforderte. Was man dabei unterm Hintern spürte, war das, was man bei Jaguar mit "Intelligent Driveline Dynamics" meint - ein Allradsystem mit variabler Kraftverteilung. Auf trockener Straße leitet intelligente Elektronik hundert Prozent an die Hinterachse, bei widrigen Umständen wie Regen, Schnee und Eis schaltet die Technik im Bruchteil einer Sekunde auf Allrad. Bei einem Sportwagen wie dem Jaguar F-Type ist das gleichbedeutend mit einer Lebensversicherung. Allerdings einer mit eingebauter Schrecksekunde. Jedenfalls flutschte uns in einem Moment bei einsetzendem Regen das Heck weg, als wir eigentlich im AWD-Modus sein sollten. Also: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

FBI-Agent Jerry Cotton würde sich heute unter den 14 (!) verschiedenen Varianten wohl für den Jaguar F-Type mit Handschaltung entscheiden, der einzigen Gemeinsamkeit mit seinem feuerroten Spielmobil aus automobiler Vorzeit. Und er wäre begeistert, wie kommunikativ sein Dienstwagen inzwischen ist. Etwa, wenn er mitten in der Nacht zu einem dringenden Einsatz gerufen würde. Mit der intelligenten Smartphone-App könnte er zum Beispiel den Benzinstand checken und der Zentrale mitteilen, dass er zu wenig Sprit an Bord und keine Tankstelle geöffnet hat. Dann würde sich Jerry wieder hinlegen. Auch Jaguar fahrende Geheimagenten brauchen ihren Schlaf.

Technische Daten Jaguar F-Type R AWD: Zweisitziger Sportwagen mit zwei Türen, Länge: 4,47 Meter, Breite: 1,92 Meter, Höhe: 1,31 Meter, Radstand: 2,62 Meter, Wendekreis: 11,5 Meter, Tankinhalt: 72 Liter, Kofferraumvolumen: 407 Liter, Motor: 5 Liter-Achtzylinder-Kompressor, Hubraum: 5.000 ccm, Leistung: 550 PS, maximales Drehmoment: 6809 Newtonmeter bei 3.500 U/min, 0-100 km/h: 4,1 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h (elektronisch begrenzt), Durchschnittsverbrauch: ca. 13 Liter Super, CO2-Emission: 269 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Preis: ab 113.200 Euro.