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Bürgermeisterin feuert Praktikantin - wegen Kopftuch

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Eine Frau mit Kopftuch sitzt im Bus | Kent Miles via Getty Images
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  • Eine Bürgermeisterin entlässt eine Praktikantin am ersten Tag
  • Grund ist das Kopftuch der Asylbewerberin
  • Jetzt fürchtet die Bürgermeisterin Beifall von rechtsextremer Seite

In der beschaulichen Kleinstadt Luckenwalde in Brandenburg musste eine 48-jährige Palästinenserin ihr Praktikum bereits nach dem ersten Tag beenden. Wegen ihres Kopftuchs.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, hat Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) die Frau, die im Rahmen des Projekts “Perspektiven für Flüchtlinge“ ein Praktikum absolvieren wollte, hinausgeworfen.

SPD-Bürgermeisterin will Neutralität im Rathaus

Herzog-von der Heide erklärte, dass in der Stadtverwaltung das Neutralitätsgebot gelte. Deswegen könnten keine Kopftücher und auch keine Kreuze im Rathaus getragen werden.

Sie hatte der Praktikantin angeboten, das Kopftuch abzulegen. Doch die Muslimin lehnte nach einiger Überlegung ab, da ihre Religion das Tragen des Tuchs in Anwesenheit von Männern vorschreibe. In der Gegenwart von Frauen wäre sie bereit gewesen, das Kopftuch abzulegen.

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Die Bürgermeisterin musste für ihre Entscheidung viel Kritik einstecken. Der CDU-Landtagsabgeordnete Sven Petke sagte: “Es gibt für diese Entscheidung der Bürgermeisterin keine rechtliche Grundlage.“

SPD-Mann Ingo Decker vom Innenministerium Brandenburg betonte: “Das Land macht keine Vorschriften für Dienstbekleidung in Rathäusern. Jede Kommune kann selbst entscheiden, was erlaubt ist.“

Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), ist es Unternehmen erlaubt das Tragen von politischen, philosophischen und religiösen Zeichen zu verbieten. Ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz ist also keine Diskriminierung, solange auch das Tragen von Kreuzen und anderen Zeichen nicht erlaubt ist.

Beifall von rechten Parteien unerwünscht

Die Bürgermeisterin gab im Interview mit der Nachrichtenseite "Focus Online" zu, bei der Vergabe des Praktikums einen Fehler gemacht zu haben. Sie kündigte an, in Zukunft darauf “zu achten, dass Praktikumsplatz und Bewerberprofil zueinander passen“.

Herzog-von der Heide sagte weiter auf die Frage, wie sie auf Beifall von der rechtsextremen Szene reagieren würde: “Das 'Lob' rechtsextremer Organisationen empfände ich als vergiftetes Lob. Es nährt meine Befürchtung, von der falschen Seite Beifall zu erhalten.“

UPDATE: Die Bürgermeisterin hat inzwischen in einer Pressemitteilung Stellung bezogen. In der Mitteilung heißt es: "Das islamische Kopftuch ist Ausdrucksmittel einer religiösen Weltanschauung. Es zu tragen kann als ein selbstbewusstes nonverbales Signal und Bekenntnis zum islamischen Glauben verstanden werden.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Am Rathausarbeitsplatz überschreitet es jedoch die in unserer Verwaltung angewendeten Regeln der Neutralität. Bei dieser Meinung bleibe ich."

Herzog-von der Heide verspricht zukünftige Bewerber von Anfang an auf die Regeln im Rathaus aufmerksam zu machen und hat für die entlassene Praktikantin eine Alternative gefunden. Die Asylbewerberin kann mit ihren Sprachkenntnissen, bei einer Tochtergesellschaft der Stadt, Wohnungssuchenden und Mietern helfen.

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