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Vergesst Hamburg, Berlin und Leipzig: Jetzt beginnt die große Zeit von Essen

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ESSEN INNEN
Vergesst Hamburg und Berlin: Bald schon beginnt die große Zeit von Essen | Getty/HuffPost
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Vor einem Jahr sorgte ein Text der Huffington Post für Gesprächsstoff: In dem Artikel "Die Zeit von Berlin, München und Hamburg ist vorbei - bald wollen alle nach Kassel" ging es um die Chancen von mittelgroßen deutschen Städten, die bald schon vom überhitzten Boom um die deutschen Millionenstädte profitieren könnten.

Was seitdem passiert ist: Kassel hat im Dezember 2015 die 200.000-Einwohner-Marke geknackt, die Uni verzeichnet neue Studentenrekorde, Kassel wurde von einem US-Reiseportal als einer der weltweit wichtigsten Reisetipps für 2016 vermerkt, die neue "Grimmwelt" gilt als eines der schönsten neuen Museen der Welt - und die EU-Kommission sieht den Raum Kassel als einen der wichtigsten "Innovationleader" Europas.

Kassel ist jedoch nicht die einzige mittelgroße Stadt in Deutschland, auf die es sich einen Blick zu werfen lohnt.

Da wäre zum Beispiel Essen. Einst die größte Stadt des Ruhrgebiets, später vom Strukturwandel gebeutelt. Und heute?

Am Donnerstag sorgte die Stadt für Schlagzeilen: Erstmals seit 25 Jahren verzeichnet Essen ein Haushaltsplus. Nicht die einzige positive Entwicklung in der Ruhr-Metropole: Die Arbeitslosigkeit ist rückläufig und die Einwohnerzahl steigt genauso wie die Wirtschaftskraft.

Die Huffington Post nennt sieben Gründe, warum Essen im Kommen ist.

1. Die wirtschaftliche Situation

Auf den ersten Blick hat Essen sicherlich noch viel Luft nach oben: Die Arbeitslosenquote liegt zum Beispiel mit gut zwölf Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt. Auch die Gesamtverschuldung der Stadt ist immer noch hoch. Aber es lohnt sich, den Blick in die Zukunft zu richten.

Denn es tut sich gerade einiges. Ende 2015 waren in Essen 238.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – das ist ein Anstieg von drei Prozent im Vergleich zu 2014. Das Job-Wachstum lag dabei deutlich über den Landesdurchschnitt in Nordrhein-Westfalen.

Auch die Wirtschaftsleistung wächst. Von 2002 bis 2012 ist das Bruttoinlandsprodukt in der Region Essen-Mülheim-Oberhausen um 33 Prozent gestiegen. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise. In Essen wuchs die Wirtschaft im gleichen Zeitraum gar um 37,4 Prozent.

2. Essen ist mehr als Kohle und Stahl

Es soll tatsächlich noch Menschen in anderen Teilen dieser Republik geben, die beim Ruhrgebiet an stinkende Hochhöfen und staubende Kokereien denken. Diese Zeiten sind vorbei. Essen ist dafür ein gutes Beispiel.

Dort mittlerweile acht der 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ansässig. Und nur ThyssenKrupp ist noch im alten Kerngeschäft des Ruhrgebiets tätig. E.on und RWE sind Energieversorger, Aldi Nord ist einer von Deutschlands größten Discountern, Evonik und Brenntag kommen aus der Chemie-Branche, Schenker ist ein Logistikunternehmen und Hochtief macht Geld mit dem Bau von Häusern und Straßen.

Nur Hamburg (13) hat in Deutschland nach Umsatz bemessen mehr Großkonzerne.

3. Essens Bevölkerung wächst wieder

Als nach der Kohlekrise Ende der 50er-Jahre der so genannte „Strukturwandel“ seinen Lauf nahm, war Essen besonders stark betroffen. Mit knapp 730.000 Einwohnern war Essen im Jahr 1964 die fünftgrößte Stadt Deutschlands, im Jahr 2011 wohnten nur noch 566.000 Menschen im Stadtgebiet.

Seitdem jedoch ziehen von Jahr zu Jahr wieder mehr Menschen nach Essen. Aktuell leben knapp 585.000 Menschen hier. Zum Vergleich: Die Bertelsmann-Stiftung hatte 2003 orakelt, dass Essen im Jahr 2020 nur noch 550.000 Einwohner haben würde.

4. Immobilienpreise

In Deutschlands Metropolen klettern die Immobilienpreise. In Städten wie Hamburg, München, Köln, Düsseldorf und Frankfurt haben sie längst ein bedenklich hohes Niveau erreicht. Die Folge: Wirtschaftlich schwächere Bürger werden in die Peripherie abgedrängt. Und zum Teil können Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden, weil potenzielle Bewerber sich die Mieten nicht leisten können. Auch in Berlin sind in den vergangenen sechs Jahren die Mietpreise derart rasant angestiegen, dass auch dort ein Verdrängungsprozess eingesetzt hat.

Das Ruhrgebiet, lange Zeit geschmäht als „Schlachtfeld des Strukturwandels“, hat in dieser Situation nun Vorteile. Als eines der wenigen Ballungszentren hat dort der Immobilienboom der vergangenen Jahre nicht voll durchgeschlagen. Das gilt auch für Essen.

Im vergangenen Jahr sind die Mietpreise dort nur um 5,5 Prozent gestiegen. Und das von einem vergleichsweise geringen Niveau aus. Allerdings wird Wohnraum mittlerweile auch in Essen knapp. Wer dort hinziehen will, sollte es sich bald überlegen.

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5. Infrastruktur

Essen liegt zwar nicht in der Mitte Deutschlands (lediglich in einer Mittellage zwischen Norden und Süden), ist aber über Bahn und Straße hervorragend angebunden. Bis Berlin sind es vier Stunden mit dem ICE, ebenso bis Hamburg.

Wer in Essen wohnt, kann in weniger als einer Stunde Fahrtzeit nach Düsseldorf, Dortmund, Köln und Münster pendeln.

Ebenso gute infrastrukturelle Möglichkeiten bietet Essen für die Wirtschaft, gerade was den Export von Gütern ins westliche Europa angeht, sowohl per Schiene, Straße und in der Luft.

6. Bildung

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass jene Städte langfristig an Attraktivität gewinnen, die auf Bildung setzen. Das anschaulichste Beispiel dafür ist womöglich Jena. Die thürinigische Stadt war einmal ärmer und strukturell schwächer als das 40 Kilometer entfernte Gera, wo Textilfabriken einst Reichtum brachten.

Heute kämpft Gera mit den Folgen des industriellen Niedergangs, während Jena nach der Wende konsequente Hochschulförderung betrieben hat und zu den „Wachstumsregionen“ Ostdeutschlands gezählt wird.

Auch der Boom in Kassel ist zu einem Teil der Uni zu verdanken. Neben dem Zuzug profitiert eine Unistadt zum Beispiel auch durch das geschaffene Wissen, durch sesshaft gewordene Alumni und Investitionen rund um die Hochschule.

Essen könne dabei von der 2003 geschaffenen Uni Essen-Duisburg profitieren, die mit über 40.000 Studenten zu den zehn größten Hochschulen in Deutschland gehört. Schwerpunkte der Uni sind die Natur- so wie Sozialwissenschaften, jeweils mit Schwerpunkt auf Zukunftsdenken: Einerseits wird an der Uni zu Nano- und Biowissenschaften geforscht, andererseits der Wandel von Gegenwartsgesellschaften. Bereiche, die durchaus Potenzial haben.

7. Landschaftliche Lage

Und das sei auch noch erwähnt: Essen kann richtig schön sein. Im Süden liegt das Ruhrtal mit seinen Hügeln. Der Baldeneysee ist im Sommer einer der schönsten Stauseen Deutschlands – wohl auch, weil man so viel Wasser und so viel Grün an dieser Stelle der Republik nicht erwarten würde.

Ins Hochsauerland kommt man mit dem Zug in anderthalb Stunden zum Skifahren, die Nordseeküste liegt auch nicht viel weiter entfernt. Essen bietet Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen eine hohe Lebensqualität.

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(lk)