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Was im Gehirn deines Kindes passiert, wenn es ein Instrument lernt

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CHILD MUSIC
Happy smiling boy learning to play the acoustic guitar | BrianAJackson via Getty Images
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Das kennen viele Eltern: Nach der anfänglichen Euphorie des Nachwuchses fürs Musizieren liegt das Instrument nach ein paar Wochen in der Ecke. Auch wenn das regelmäßige Üben manchmal zum Kampf mit dem eigenen Kind verkommt, Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Denn Eltern haben nicht Unrecht, wenn sie auf die Musikstunden ihrer Kinder bestehen. Diverse Untersuchungen belegen inzwischen den immensen Effekt, den kindliche Musikerziehung auf die Entwicklung unseres Nachwuchses hat.

Was im Gehirn unserer Kinder passiert, wenn sie ein Instrument spielen, lest ihr hier:

1. Sprachentwicklung

Kleine Kinder lieben es, wenn ihnen Mama oder Papa etwas vorsingt. So lernt der Nachwuchs spielerisch Kinderlieder.

Hirnforscher vermuten, dass Sprache und Musik auf ähnlichen Vorgängen im Gehirn aufbauen. Deshalb sind Kinderlieder so wichtig für die Sprachentwicklung. Klang und Betonung des gesungenen Textes helfen dem Kind, den Sinn zu verstehen, erklärt die Kinderärztin Andrea Schmelz.

2. Intelligenz

"Musikhören und -machen fördern die Verbindung und Aktivität zwischen beiden Hirnhälften", heißt es in einer Langzeitstudie zum Thema, die im Jahr 2000 veröffentlicht wurde. Demnach lässt das Musizieren sogar den IQ von Kindern steigen.

Kein Wunder: Ein Instrument zu spielen erfordert die schnelle und gleichzeitige Verarbeitung von Informationen in extremer Fülle und Dichte. Die Fähigkeit abstrakt und komplex zu denken, wird geschult.

"Ein Instrument zu spielen, ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten", schreibt Hans Günther Bastian, Autor der Studie.

3. Sozialkompetenz

Noch besser als sein Kind in Einzel-Blockflötenunterricht zu stecken, ist es, wenn man dafür sorgt, dass es in einer Gruppe lernt.

"Ich kann nur dann mit anderen zusammenspielen, wenn wir einander zuhören und aufeinander Rücksicht nehmen", beschreibt die Musikpädagogin Katharina Larissa Paech das Phänomen. Durch das Spielen im Ensemble wird so die soziale und emotionale Kompetenz gefördert.

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4. Leistungsbereitschaft und Motivation zu lernen

Untersuchungen belegten immer wieder, dass die Schulleistungen von Kindern, die ein Instrument erlernen trotz des hohen Zeitaufwandes nicht absinken. Im Gegenteil: Der prozentuale Anteil von Kindern mit überdurchschnittlichen Noten ist bei den musizierenden Kindern höher.

Den Studien zufolge fördert Musikunterricht die allgemeine Leistungsbereitschaft und die Motivation zu lernen. Darum der Appell an Eltern und Erzieher: Lasst Eure Kinder musizieren, trotz und gerade wegen schulischer Durststrecken.

5. Feinmotorische Entwicklung

Durch das Erlernen eines Instruments kann die Feinmotorik von Kindern gefördert werden. Die Fähigkeit zu kleinen, filigranen Bewegungen kann durch gezieltes Üben verbessert werden.

Neben speziellen Spielen bietet sich hierzu besonders das Musizieren an – was ist wohl für kleine Kinderhände fordernder als ein Instrument zum Klingen zu bringen?

6. Konzentration und Gedächtnis

Wer gelernt hat, ein Instrument zu spielen, kann davon selbst noch im Alter profitieren. "Lebenslanges musikalisches Training scheint Vorteile für mindestens zwei wichtige Fähigkeiten zu verleihen, die bekanntermaßen mit dem Alter nachlassen", sagt Nina Kraus von der Northwestern University im amerikanischen Evanston. "Das Gedächtnis und das Vermögen, Sprache in Lärm zu hören."

Auch wenn die Rente für eure Kinder noch in weiter Ferne liegt, schadet es nicht, schon jetzt das richtige Fundament zu legen, meint ihr nicht?

7. Gefühle und Stress

Musik hilft uns von klein auf, unsere Gefühle zu regulieren. Die Initiatoren des "Jedes Kind ein Instrument"-Projekts ließen 3500 Kinder ein Instrument lernen oder im Chor singen und kamen zum Schluss, dass positive Emotionen wie Freude "Kernelement des musikalischen Erlebens" sind.

Über die anderthalb Jahre war außerdem zu beobachten, dass die Grundschüler auch gezielt gegen negative Gefühle anspielten.

Die Kinder zeigten darüber hinaus die Fähigkeit, sich bei der richtigen Person Unterstützung zu suchen, ohne aus falschem Stolz lange zu zögern. Diese Fähigkeit gehört laut den Forschern zu den zentralen Anti-Stress-Strategien.

Doch egal wie viele Vorteile es haben mag, wenn eure Kinder ein Instrument lernen: Das Wichtigste ist, dass sie Freude an der Sache haben und nicht zum Musizieren gezwungen werden. Musik soll und muss Spaß machen - nur dann können sich die positiven Effekte voll entfalten.

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(cho)