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Erdbeben in Italien: Zahl der Toten auf 247 gestiegen

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ERDBEBEN
"Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor": Mindestens 120 Tote nach Erdbeben in Italien | dpa
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  • Bewohner und Helfer beschreiben apokalyptische Szenen
  • Vielerorts kommen die Helfer nur schwer voran

Es sind diese schrecklichen Bilder, die sich in Italien in die Erinnerung eingebrannt haben: eingestürzte Häuser, Menschen, die aus Trümmern gezogen werden, Spürhunde, Tränen, Verzweiflung.

Erdbeben kennt man hier, aber dieses Beben war besonders heftig. In der Nacht zum Mittwoch traf es die mittelitalienische Region um Latium, Umbrien, Abruzzen und den Marken. Bis nach Rom und die Adria-Küste waren die Erdstöße in der Nacht zu Mittwoch zu spüren. Zunächst hieß es vom Zivilschutz, über 70 Menschen seien gestorben.

Inzwischen ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf mindestens 247 gestiegen. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer steigt. Rettungskräfte suchten mithilfe schweren Geräts und mit bloßen Händen auch am Donnerstag noch fieberhaft nach Überlebenden.

Nach Erdbeben in Italien: Dörfer sehen aus wie nach einem Bombenangriff

Im Zentrum des Bebens: Die Dörfer Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto. Dort sieht es aus wie nach einem Bombenangriff, Trümmer, Staub, eingerissene Häuser. Von Dutzenden Toten ist die Rede. Die Zahl steigt kontinuierlich. Kinder werden vermisst, ein wenige Monate altes Baby kann nur tot geborgen werden.

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In Accumoli suchen Helfer in den Trümmern. Foto: dpa

"Zehn Sekunden haben gereicht, um alles zu zerstören"

"Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor", sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Allein in diesem Ort kamen 35 Menschen um.

Ein Einwohner, Marco, erzählte Reportern vor Ort: "Ich habe durch ein Wunder überlebt. Ich bin gerade aufgestanden, als alles eingestürzt ist. Zehn Sekunden haben gereicht, um alles zu zerstören."

Der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci berichtet mit zitternder Stimme, kein einziges Haus sei mehr bewohnbar. Die Bausubstanz ist marode. Die Häuser sind teils Jahrhunderte alt - und stürzten bei den schweren Erdstößen in sich zusammen wie Kartenhäuser. Elf Menschen verloren hier ihr Leben.

Journalisten vor Ort sprachen von "apokalyptischen Szenen". Helfer schaufelten mit bloßen Händen die Trümmer zur Seite, um Überlebende zu finden. Die Retter kommen schwer zu den betroffenen Orten - Straßen sind blockiert, Brücken einsturzgefährdet.

Pescara del Tronto: Vater springt mit seiner Tochter aus dem Fenster

Genauso schlimm sieht es in Pescara del Tronto aus. Hier sind mehrere Tote zu beklagen, eine Familie mit zwei kleinen Kindern wurde verschüttet - kein Lebenszeichen von ihnen.

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Dieser Trümmerhaufen ist ein Teil von Pescara del Tronto. Foto: dpa

"Es war schrecklich. Mein Mann ist mit meiner Tochter aus dem Fenster gesprungen, um sie zu retten", erzählte eine Frau.

In einem anderen Fall rettete eine Großmutter ihre vier und sieben Jahre alten Enkel, weil sie sie unter einem Bett geschützt hatte.

Erdbeben der Stärke 6

Das Beben mit dem Zentrum in Provinz Rieti (Latium) hatte nach Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,1 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Die italienische Erdbebenwarte gab eine Stärke von 6 an. Das US-Erdbebeninstitut sprach von der Stärke 6,2. Städte wie Perugia und Assisi sind nicht weit entfernt.

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In Amatrice sind viele Häuser nur noch Steinbrocken und Staub. Foto: dpa

Erinnerung an Beben von L'Aquila

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch von schwerwiegenden. 2009 war bei einem Beben die mittelitalienische Stadt L'Aquila verwüstet worden. Damals starben mehr als 300 Menschen. L'Aquila liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Amatrice entfernt.

"Das, was wir in L'Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen", sagte der Bürgermeister von Accumoli. "Wir brauchen Hilfen", ergänzte er in einem Telefongespräch mit dem Sender RaiNews24er.

Experten hoffen auf Überlebende in den Altbauten

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte Hilfe zu. "Die Nachrichten aus Italien über das nächtliche Erdbeben habe ich mit Erschrecken aufgenommen", teilte er mit. "Wenn gewünscht, stehen wir natürlich bereit, Unterstützung zu leisten."

Das Technische Hilfswerk (THW) sieht Chancen auf Überlebende in den Trümmern. "In Altbauten gibt es immer die Chance, in irgendwelchen Hohlräumen zu überleben", sagte THW-Präsident Albrecht Broemme dem Nachrichtensender N24. "Es ist allerdings schwierig, denn diese Gebäude sind nicht nach modernen Aspekten erdbebensicher gebaut."

Im Zentrum des stark betroffenen Ortes Amatrice gebe es dreigeschossige Altbaugebäude, die recht stark zerstört seien. Die Straßen seien eng und oft durch Erdrutsche beschädigt. Es werde erfahrungsgemäß einige Tage dauern, bis die Trinkwasserversorgung wieder hergestellt sei, sagte Broemme.

Papst: Ich finde kaum Worte, den Schmerz auszudrücken

Auch Papst Franziskus zeigte sich tief betroffen. Er finde kaum Worte, seinen großen Schmerz auszudrücken, sagte der Papst zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. "Den Bürgermeister von Amatrice sagen zu hören, dass der ganze Ort nicht mehr existiert, und zu wissen, dass unter den Opfern Kinder sind, hat mich sehr berührt."

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(cho)