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Dieser Mann zahlt die Strafen für Frankreichs Burkini-Trägerinnen

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RACHID NEKKAZ
Rachid Nekkaz zahlt die Strafe für eine Niqab-Trägerin | Charles Platiau / Reuters
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Ein wohlhabender Unternehmer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Strafzahlungen für Frauen zu übernehmen, die aufgrund des Burkini-Verbots in Frankreich mit einer Geldstrafe belegt wurden. Auf diese Weise möchte er sich, ohne dabei gegen Gesetze zu verstoßen, für Menschenrechte einsetzen.

Der in Frankreich geborene Rachid Nekkaz, Sohn algerischer Eltern, hat seit Beginn der Durchsetzung des Burkini-Verbots in 26 französischen Städten das Bußgeld für fünf verschiedene Frauen bezahlt. Das sagte er der Huffington Post am Mittwoch per Telefon aus seinem Wohnort in Algerien.

Seit Nizza ist das Land in Aufruhr

Das Verbot führte zu einer hitzigen Debatte in Frankreich; besonders aufgrund der Nervosität, die sich durch das ganze Land zieht, seit am Jahrestag des Sturms auf die Bastille ein terroristischer Anschlag in der Küstenstadt Nizza das Land erschütterte.

Die Befürworter des Verbots behaupten, auf diese Weise jene Frauen zu schützen, die sich durch das Tragen eines Burkinis in der Öffentlichkeit als muslimisch zu erkennen geben. Sie sollen vor Übergriffen geschützt werden.

Gegner des Verbots kritisieren besonders die Tatsache, dass Frauen auf diese Weise das Recht genommen wird, ihre Kleidung selbst auszuwählen.

"Es ist ungeheuerlich"

Frauen zu verbieten, in der Öffentlichkeit Burkinis zu tragen sei "gegen die Demokratie und die allgemeine Erklärung der Menschenrechte", sagte Nekkaz. "Es ist ungeheuerlich."

Nekkaz sieht die Zahlung der Geldstrafen als Möglichkeit, "das Gesetz zu neutralisieren" und es gleichzeitig zu respektieren.

"Ich möchte die Situation entschärfen", sagte er. "Ich habe keine andere Wahl, als die Strafen zu zahlen. Aber diese Frauen leiden – und der ehemalige Geist Frankreichs im Sinne von vivre ensemble (die Idee von harmonischem Zusammenleben), leidet mit ihnen."

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Er habe sogar die Bürgermeister aller 26 Städte aufgefordert, die Zahlungsaufforderungen direkt an ihn zu senden, damit er sie für die Frauen begleichen kann, erklärte Nekkaz.

"Ich habe jede Polizeibehörde und die für die Verfolgung der Strafzahlungen verantwortliche nationale Polizei kontaktiert, aber niemand wollte mich treffen", sagte er.

Burkinis: "Versklavung von Frauen"

Frankreichs Regierung verteidigte das Verbot und gab an, für Schutz muslimischer Frauen verantwortlich und verpflichtet zu sein. Der Premierminister Manuel Valls ging sogar soweit, Burkinis als "Versklavung von Frauen" zu bezeichnen.

Nekkaz ist überzeugt, dass die Regierung versucht, das Thema zu politisieren und die Gesellschaft zu spalten, um für die bevorstehenden Wahlen mehr Wähler zu gewinnen.

"In Frankreich finden in acht Monaten die Präsidentschaftswahlen statt", sagte er. "Und sowohl die Rechte als auch die Linke haben beschlossen, den Islam als zentrale Frage in ihren Wahlkampf zu integrieren. Sie wollen die Franzosen gegeneinander ausspielen."

Bis vor kurzem existierte die Diskussion um den Burkini noch gar nicht, erklärte er. Die meisten wussten wahrscheinlich nicht einmal, dass es ihn überhaupt gibt.

"Dadurch wird deutlich, dass die Franzosen sich nur dafür interessieren, verhüllte Menschen zu bestrafen. Aber Burkinis bedecken nicht einmal das ganze Gesicht", sagte er weiter.

Die Polizei könnte sich jetzt nur noch auf den Islam konzentrieren

Er fürchtet, der Gesetzesvollzug könnte sich von nun an besonders auf den Islam fokussieren.

"Die französische Polizei hat ein Problem mit Muslimen und der muslimischen Gemeinschaft. Am liebsten würden sie den ganzen Islam verbieten", erklärte Nekkaz.

Seine Einstellung zu diesem Thema hat ihren Ursprung in der Debatte zu Diskussionen um ein Verbot jeglicher Gesichtsverschleierung bei Frauen in der Öffentlichkeit. Burka und Niqab miteingeschlossen.

Bereits 1.165 Strafen sind bezahlt

Im Jahr 2010 legte er eine Million Euro zur Seite, um die Strafen für verschleierte Frauen zu zahlen. Bisher übernahm er eine Summe von über 200.000 Dollar für 1165 Geldstrafen in Frankreich, der Schweiz und in Belgien. Belgien hat inzwischen die Geldstrafen eingestellt.

"Ich bin kein typischer Muslim“, sagte er. Er sei gegen Burka und gegen Niqab. "Ich setze mich einfach für Menschenrechte ein."

Nekkaz forderte den UN-Sicherheitsgeneral Ban Ki-Moon zum Einschreiten auf und dazu, "den Krieg der Legislative gegen muslimische Frauen in Frankreich zu stoppen".

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der World Post und wurde von Jelena Maticevic aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)