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Burkini-Demo in Berlin: "Hört auf, uns auszuziehen"

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BURQINI
In Berlin und London wird gegen das Burkini-Verbot demonstriert. | Mike Kemp via Getty Images
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  • In Frankreich eskaliert der Streit um das Burkini-Verbot
  • In Berlin findet deshalb am Donnerstagabend eine Veranstaltung vor der französischen Botschaft statt
  • Auch in London zeigten Demonstranten Solidarität mit Burkini-Trägerinnen

Was man als Frau an den Stränden Frankreichs tragen darf, führte in den letzten Tagen und Wochen zu einer hitzigen Debatte – die nun eskaliert.

Im Mittelpunkt steht der Burkini, ein zweiteiliger Schwimmanzug, der vor allem von Frauen muslimischen Glaubens zum Baden getragen wird. In Frankreich ist dieser an einigen Stränden verboten – etwa in Nizza oder Cannes.

In Berlin wollen sich Demonstranten am Donnerstagabend deshalb mit Burkini-Trägerinnen solidarisieren.

"Hört auf, uns befreien zu wollen! Hört auf, unsere Kleidung zu interpretieren! Hört auf, uns auszuziehen!", schreiben die Veranstalter. Die “Beach Party gegen Rassismus” findet repräsentativ für die Kritik an dem Verbot auf dem Pariser Platz vor der französischen Botschaft statt.

Es soll um Solidarität und nicht um Glauben gehen

Auf Facebook wird zu der Veranstaltung, die um 18 Uhr beginnt, eingeladen. Ins Leben gerufen hat sie Salaam-Schalom, eine Initiative, die sich für einen verbesserten Dialog zwischen Juden und Muslimen einsetzt.

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Bei der “Beach Party” soll es vor allem um Solidarität und nicht um Glaubensrichtungen gehen, erklärte der Veranstalter Armin Langer dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). "Sehr wichtig finde ich, dass wir ganz viele Verbündete haben", sagte Langer dem Sender.

Teilnehmer sind dabei nicht nur in Burkinis, sondern jeglicher Badekleidung willkommen. Dass die Veranstaltung von Salaam-Shalom ins Leben gerufen wurde – und nicht von einem reinen Muslimverband –, hat seinen Grund.

Denn ein Verbot betreffe "sowohl muslimische als auch jüdische Menschen", sagte Langer. Traditionelle Jüdinnen seien vom Burkini-Verbot ebenso betroffen, wenn sie Burkini-ähnliche Klamotten am Strand tragen.

Vorfall in Nizza sorgte für Aufregung

Am Donnerstagnachmittag hatten über 250 Personen auf Facebook der Veranstaltung zugesagt, mehr als 1200 ihr Interesse bekundet.

Die Versammlung sei "eine spontane Reaktion auf die Bilder von der Côte d'Azur", erklärt Mitveranstalterin Hannah Tzuberi. Seit Wochenbeginn bekamen in Nizza etwa 15 Frauen Strafzettel, weil sie einen Burkini trugen.

Für besonderes Aufsehen sorgte ein Vorfall vom Dienstag auf sich: Am Strand von Nizza wurde eine Frau für das Tragen eines "Burkinis" (wobei es sich nicht um einen Burkini, sondern um ein Kopftuch, eine Tunika und eine Leggings handelte) von Polizisten dazu aufgefordert, sich bitte frei zu machen. Dazu musste sie eine Sofortbuße von 38 Euro bezahlen.

Kontrolle am Strand: Bewaffnete Polizisten bestrafen Muslimin mit Kopftuch

Politik ist gespalten

Die Debatte um das Burkini-Verbot in französischen Städten und Gemeinden hält bereits seit Wochen an. Viele französische Politiker verstehen den Burkini nicht nur als Badeanzug, sondern als religiöses Symbol. Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy nannte den Badeanzug sogar eine "militante Provokation".

Aber nicht nur in Berlin soll es zu Solidariätsbekundungen mit Burkini-Trägerinnen kommen. Auch in Hamburg, Frankfurt in Düsseldorf laden die Veranstalter ein, Präsenz zu zeigen.

Demonstration auch in London

In der englischen Hauptstadt London wurde bereits am Donnerstagnachmittag vor der französischen Botschaft demonstriert. Die Huffington Post Großbritannien berichtete live vor Ort.

Kritik am Burkini-Verbot kommt aber nicht nur von der Straße: Die französische Bildungsministerin Najat Vallaut-Belkacem sagte sie dem Radiosender “Europe 1”: “Das ebnet den Weg für rassistische Parolen”. Dass es immer mehr Anti-Burkini-Verordnungen gebe, sei nicht willkommen.

Premierminister Manuel Valls entgegnete im TV-Sender "BFMTV", es handele sich nicht um eine Fehlentwicklung. Am Donnerstagnachmittag sollte sich der französische Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht, mit dem Burkini-Verbot befassen.

In Deutschland gibt es zwar keine Burkini-Verbote, aber die Meinungen über den Badeanzug sind gespalten. In einer Therme im brandenburgischen Bad Saarow hatten Mitte August zwei Frauen im Burkini den Unmut anderer Badegäste zu spüren bekommen. Sie stellten daraufhin Strafanzeige.

Die Veranstalter und Teilnehmer der “Beach Party gegen Rassismus” möchten ein Zeichen gegen solche Vorfälle setzen. Letztlich gehe es am Strand ja eigentlich um Badespaß. Und so soll auch die Demonstration vor der Botschaft ablaufen: friedlich und locker.

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(lk)