Huffpost Germany

Warum der Rückzug von Wolfgang Bosbach so viele Deutsche bewegt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Nachdem der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach bekanntgegeben hatte, dass er sich aus der Politik zurückzieht, surrte bei ihm das Telefon. Es war eine SMS des ARD-Talkers Frank Plasberg.

Dagegen hat er von seiner Chefin, der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bis jetzt nichts gehört. Auf seine Erklärung, dass er nicht mehr für den hat sie bisher nicht reagiert, sagt der 64-jährige im Interview mit der "Passauer Neuen Presse".

"Da rechne ich auch nicht mit. Ich weiß ja noch, wie es war, als ich vom Vorsitz des Innenausschusses zurückgetreten bin. Damals hat mich nicht Angela Merkel angerufen, sondern Sigmar Gabriel", so Bosbach.

"Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen!"

Plasberg meldet sich, Merkel nicht. Das sagt viel über das Verhältnis zu seiner eigenen Partei aus. Bosbach gilt als Querulant, als Rebell. Immer wieder hat er mit Kritik am Kurs seiner eigenen Partei für Schlagzeilen gesorgt. Die Rettungspolitik für Griechenland verurteilte er als großen Fehler, als Konsequenz aus dem Streit mit der CDU-Spitze um die Milliardenhilfen legte der Jurist im Juli 2015 gar den Vorsitz im Innenausschuss des Bundestages nieder.

In Talkshows ist er regelmäßiger Gast. Allein im vergangenen Jahr hat der Mediendienst "Meedia" elf Auftritte bei ARD und ZDF gezählt, so viele wie bei keinem anderen Politiker. Bosbach redet auch in hitzigen Diskussionen druckreif, formuliert komplizierte Sachverhalte eingängig und pointiert.

Für das Äußern seiner eigenen Meinung zahlte er den Preis. Nach dem Wahlsieg Angela Merkels 2005 wäre er gern Innenminister geworden. Dass er es nicht wurde, galt vielen schon damals als Signal. Nachdem er 2011 bei der Ausweitung des Euro-Rettungsschirms nicht mitziehen wollte, sagte ihm Merkels Kanzleramtschef Ronald Pofalla ins Gesicht: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen."

"Ich will nicht der Problembär sein"

Bosbach war verdammt dazu, der ewige Rebell zu sein. Er selbst wollte das nie. "Ich will nicht der Problembär, ein Störfall der Fraktion sein. Nur ein guter Kollege", sagte er 2015 in der "Rheinischen Post" zu seinem Verhältnis zur Bundesregierung.

"Wolfgang Bosbach spricht immer Klartext und er geht vor dem politischen Gegner nicht in taktische Deckung. Vielleicht ist er auch deshalb nie Minister geworden", fasste der Moderator Günther Jauch seine Situation im Gespräch mit der "Bild" treffend zusammen.

Dem "Stern" sagte Bosbach schon 2011: "Ich will nicht immer die Kuh sein, die quer im Stall steht." Allein, er wurde zur Rolle des Rebells verdammt. Und blieb damit immer ein Politiker in der zweiten Reihe.

Sein Rücktritt bewegt die Menschen. Bosbach steht für die alte, rheinische, konservative CDU. Die Vor-Merkel-CDU. Die CDU veränderte sich, Bosbach nicht.

"Ich weiß, dass die Basis der CDU vieles anders sieht als die Führung"

"Ich vertrete in keiner Frage Positionen, die nicht auch einmal die Haltung meiner Partei waren. Die CDU hat Kurskorrekturen vorgenommen, nicht ich“, sagt er im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse".

Als Beispiel nennt er den "Kontrollverlust“ in der Flüchtlingspolitik, als hunderttausende Menschen unregistriert ins Land kamen. "Das war ein Fehler."

"Früher warst Du Rebell, wenn Du eine revolutionäre Bewegung angeführt hast. Heute bist Du ja schon Rebell, wenn Du bei Deiner Meinung bleibst", fasste er seine Lage 2015 in Bergisch Gladbach zusammen.

Bosbach wisse schon seit Längerem, dass er nichts bewegen und verändern könne, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Dennoch sagt er: "Ich gehe nicht mit Bitterkeit. Ich weiß, dass die Basis der CDU vieles anders sieht als die Führung. Dort erfahre ich viel Zustimmung.“ Vielleicht war es dieses Gefühl der Ohnmacht, das ihn immer wieder in Talkshows trieb.

"Selbst mit vier Promille würde ich nicht zu einer anderen Partei zu gehen"

Ein Wechsel zur AfD komme für ihn allerdings nicht in Betracht, sagte Bosbach der "Bild". "Sie glauben gar nicht, wie viele Menschen mich gefragt haben, ob ich jetzt die CDU verlasse oder ob ich jetzt zur AfD gehen würde. Ja selbstverständlich - NICHT! Selbst mit drei oder vier Promille käme ich nicht auf den Gedanken, die CDU zu verlassen oder zu einer anderen Partei zu gehen.“

Auch Kanzlerin Merkel wollte Bosbach nicht direkt kritisieren. "Ich habe großen Respekt vor der Arbeit und der politischen Lebensleistung der Kanzlerin.“

Vielleicht meldet sie sich ja doch noch.

Mit Material der dpa

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Auch auf HuffPost:

Merkel macht auf der Bundespressekonferenz ein brisantes Eingeständnis

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)