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Im Kampf gegen den IS haben die USA eine dramatische Entscheidung getroffen

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  • Der Angriff auf Dscharablus zeigt, dass die USA im Kampf gegen den IS eine Kehrtwende vollziehen
  • Sie sind dabei, ihre alten Verbündeten, die Kurden, fallenzulassen
  • Stattdessen wird die Türkei der engste Partner im Kampf gegen die Terrormiliz
  • Gleichzeitig drohen die USA Russland – wie das Video oben zeigt

Was für ein zeitliches Zusammenfallen: Nur Stunden, bevor der US-amerikanische Vizepräsident Joe Biden zu einem Besuch in der Türkei landete, rasten türkische Panzer über die syrische Grenze. Unterstützt wurden sie von Flugzeugen der US Air Force.

Mit Hilfe der USA und der Türkei haben Rebellen der FSA die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus der syrischen Grenzstadt Dscharablus vertrieben. US-Vize-Präsident Joe Biden sagte, Washington unterstütze den von der Türkei geführten Einsatz.

Die Eroberung von Dscharablus zeigt eine dramatische Veränderung in der amerikanischen Außenpolitik. Bisher wagten die USA einen gefährlichen Balanceakt. Einerseits brauchten sie die Türkei als Nato-Partner. Anderseits unterstützen sie die kurdische YPG, die einen eigenen Staat an der Südgrenze der Türkei anstrebt.

Die Türkei wollte der YPG zuvorkommen

Bisher waren die Kurden die einzige militärische Kraft in der Region neben dem Assad-Regime, die es mit dem IS aufnehmen konnte. Doch die Türkei will auf keinen Fall einen kurdischen Staat an ihrer Südgrenze akzeptieren.

Der türkische Angriff auf Dscharablus galt in erste Linie nicht dem IS, sondern der kurdischen YPG. Ankara ist besorgt über die zunehmende Schlagkraft der syrischen Kurdenmiliz, der sie Nähe zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorwirft.

Die Kurden waren Dscharablus in den vergangenen Tagen und Wochen immer näher gekommen. Erst vor wenigen Wochen hatten kurdische Milizen die Stadt Manbidsch befreit. Die Türkei wollte verhindern, dass sie jetzt auch noch Dscharablus einnehmen.

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Daher wurden bei den ersten Artillerieangriffen am Montag und Dienstag nicht nur Stellungen des IS, sondern auch der YPG beschossen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte daher auch den Kurden im Norden Syriens. Der syrischen Kurdenpartei PYD und ihren Milizen warf er vor, den Kampf gegen den IS nur als Vorwand zu benutzen, um ein eigenes Herrschaftsgebiet in Syrien aufzubauen. "Wir werden diese geheime Agenda durchkreuzen", sagte Cavusoglu.

Die USA zeigen den Kurden, wo die Grenze liegt

Jetzt zeigt Biden, dass die USA sich entschieden haben. "Wir sind sehr fest der Meinung, dass die türkische Grenze von der Türkei kontrolliert werden sollte", sagte Biden. Er ging auf die Bedenken der Türkei ein und drohte syrisch-kurdischen Truppen den Entzug der Unterstützung an, sollten sie sich nicht auf ein Gebiet östlich des Euphrats zurückziehen.

Der türkischen Regierung versicherte er, dass die Kurden "unter keinen Umständen amerikanische Unterstützung bekommen, wenn sie sich nicht an diese Zusage halten".

Er zeigte den Kurden also im wahrsten Sinne des Wortes, wo die Grenze ist: am Euphrat. Es scheint, als sei jetzt die Türkei der engste Verbündete der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat. Die Kurden sind wieder allein.

Mit Material der dpa und der AP

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(sk)