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Sie verließ ihren Mann, weil er sie anschrie - jetzt ist die ganze Familie tot

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TOD
Megan Short mit ihrem Mann und den gemeinsamen drei Kindern | FACEBOOK/MEGAN SHO
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Die tragische Geschichte der Familie Short verdeutlicht allzu klar, dass auch emotionale Misshandlung tödliche Folgen haben kann.

Einige Wochen vor ihrem Tod loggte sich Megan Short auf Facebook ein und wurde auf einen Artikel über emotionalen Missbrauch aufmerksam. Der Artikel mit dem Titel "Er hat mich nie geschlagen – trotzdem wurde ich misshandelt“ spiegelte ihre Gefühlswelt wider.

Manipulation, Isolation, Demütigung

Die Autorin des Artikels, Leigh Stein, erklärt darin, wie es sich anfühlen kann, in einer zutiefst schmerzlichen Beziehung zu sein, in der es keinerlei physische Gewalt gibt. Der ehemalige Partner der Autorin übte auf viele verschiedene Arten psychische Gewalt aus. Seine Methoden beinhalteten zuweilen Manipulation, Isolation von Freunden und Familie, Kontrollsucht, öffentliche Demütigung und Lügen.

Eine Misshandlung, die keine sichtbaren Narben hinterlässt

Stein war sich nicht im Klaren darüber, dass sie misshandelt wurde. Sie hatte keine Knochenbrüche, keine Polizeiakte und keine nächtlichen Besuche im Krankenhaus. Ihre Auffassung von häuslicher Gewalt als etwas, dass nur physisch vorkommen kann, ließ sie ihre missliche Lage und den Ernst der Situation nicht richtig erkennen.

"Ich weiß nicht, wie ich etwas nennen soll, wenn ich es nicht sehen kann,“ schreibt Megan Short später.

Auf einmal wusste sie, dass sie ein Opfer war

Um es kurz zu machen: Als Short den Artikel gelesen hatte, wurde ihr bewusst, in was für einer Art Beziehung sie sich befand.

"Es beeinflusst die psychische Verfassung wirklich sehr", schreibt sie in einem Kommentar unter den Artikel, der auf die Facebook-Seite einer Freundin gepostet wurde. Später fügte sie noch hinzu: "Darum werde ich meinen Mann verlassen... Nach 16 Jahren.“

Sie hatte nie Gelegenheit, ihren Plan in die Tat umzusetzen

Polizeiberichten zufolge erschoss ihr Mann sie noch am selben Tag, an dem sie ausziehen wollte. Die drei gemeinsamen Kinder erschoss der Mann ebenfalls und beendete daraufhin auch sein eigenes Leben.

Shorts Tod ist ein trauriges Beispiel dafür, dass auch psychische Misshandlung – die viel zu oft als weniger ernstzunehmende Form der Misshandlung abgetan wird – tragische und teilweise tödliche Folgen haben kann.

Nicht nur körperliche Misshandlung hat fatale Folgen

Ruth Glenn, geschäftsführende Direktorin der „National Coalition Against Domestic Violence“ (der Nationalen Koalition Gegen Häusliche Gewalt) erklärt, es sei eine allgemein verbreitete falsche Annahme, dass nur Beziehungen, in denen psychische Gewalt vorkomme, tödlich enden würden.

„Wenn jemand zu psychischer und nicht zu physischer Gewalt neigt, bedeutet das nicht, dass nicht dieselbe Dynamik existiert,“ sagt sie.

Den Tätern geht es um Macht und Kontrolle

Misshandelnde erlangen durch ihre Taten Macht und Kontrolle über ihre Opfer, unabhängig davon, ob sie dies durch physische oder psychische Mittel erreichen. Wenn ein Opfer einen Versuch unternimmt, sich aus der Beziehung zu lösen, wird das oftmals zu einer potentiell tödlichen Situation – selbst wenn der Täter früher nicht zu physischer Gewalt neigte.

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Experten zufolge sei es für Opfer emotionaler Misshandlungen oftmals schwer, sich hilfesuchend an das Strafrechtssystem zu wenden. Frauen, die keine (körperlichen) Beweise für ihre Misshandlung aufweisen können, erfüllen nicht die Anforderungen, die für staatliche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Der Polizei sind in solchen Fällen oftmals die Hände gebunden.

Es gibt Stellen, an die sich Opfer wenden können

Ellen Kramer, stellvertretende Direktorin der "Pennsylvania National Coalition Against Domestic Violence“, ermutigt Opfer dazu, sich an die örtlichen Organisationen gegen häusliche Gewalt zu wenden. Diese sind kostenlos und vertraulich.

"Obwohl es eventuell keine Grundlage für staatliche Schutzmaßnahmen oder einen Haftbefehl gibt, gibt es immer einen Grund für Opfer, Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich dabei an örtliche Stellen zu wenden, die bei der Planung und Beratung von Schutzmaßnahmen behilflich sind,“ sagt sie. "Häusliche Gewalt hat Ausmaße, die weit über körperliche Verletzungen hinausgehen.“

Experten zufolge sei der gefährlichste Zeitpunkt für Opfer dann, wenn sie versuche, sich aus der von Missbrauch geprägten Beziehung zurückzuziehen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Jelena Maticevic übersetzt.

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