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Was mit der Psyche von Babys passiert, die sich in den Schlaf weinen

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BABY SLEEP
Es kann einige Stunden dauern, bis Babys endlich einschlafen. | Jamie Grill via Getty Images
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Kaum ein Thema spaltet deutsche Eltern derart in zwei Lager wie der Schlaf des Nachwuchses. Fürs schnelle Einschlafen und möglichst frühe Durchschlafen kursieren die verschiedensten Tipps. Besonders beliebt: Der Beststeller "Jedes Kind kann schlafen lernen“.

Das Buch, das bereits mehr als eine Million Mal verkauft wurde, gilt bei seinen Fans als Geheimwaffe gegen schlaflose Eltern- und Kindernächte. Die Diplompsychologin Anette Kast-Zahn propagiert darin eine Methode, die auf Experimenten des Harvard-Wissenschaftlers Richard Ferber basiert. Den Kindern soll ein besseres Schlafverhalten antrainiert werden, indem sie sich in den Schlaf weinen und lernen, sich selbst zu beruhigen.

Die Methode ist unter Eltern sehr umstritten. Doch nun will eine Studie beweisen, dass die Methode keine Folgeschäden an der kindlichen Psyche hinterlässt. Eine australische Studie, die an der Flinders University in Adelaide durchgeführt wurde, kam zu diesem Schluss.

Keine negativen Folgen für die Psyche

In der Untersuchung wurden 43 Babys mit Schlafstörungen in drei Gruppen aufgeteilt. Die Kinder der ersten Gruppe wurden mit der Methode von Ferber zum Schlafen gebracht, die zweite Gruppe erhielt eine Therapie, bei der die Schlafenszeit immer weiter nach hinten geschoben wird (bedtime fading, und die Eltern der Kinder aus Gruppe 3 erhielten lediglich Informationen zum Thema Schlaf.

Während des Experiments sollten die Eltern ein Tagebuch über die Schlaf- und Wachzeiten ihres Kindes führen. Außerdem wurden Stimmung und Stresslevel der Mütter aufgezeichnet und analysiert. Zusätzlich wurde die Cortisol-Konzentration im Speichel der Kinder gemessen. Diese sollte Auskunft darüber geben, wie gestresst die Kinder tatsächlich waren. Neun Monate nach Ende des Projekts folgte eine Untersuchung des Bindungsverhaltens.

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Das Ergebnis: Die Methode nach Ferber verbesserte das Schlafverhalten der Babys. Sie schliefen schneller ein und wachten seltener auf. Weder eine Erhöhung des Stress-Hormons, noch sonstige Auffälligkeiten in ihrer emotionalen Entwicklung konnten die Forscher nachweisen. Lediglich das Stresslevel der Mütter hatte sich nicht gesenkt.

Nach der Ferber-Methode sollen Eltern ihre Kinder ab sechs Monaten wach ins Bettchen legen, nach einem kurzen Einschlafritual das Licht ausschalten und das Zimmer verlassen. Protestiert das Kind weinend gegen diese Einschlafmethode, dürfen die Eltern zwar nach dem Minutenprinzip ins Kinderzimmer gehen und das Baby beruhigen – es jedoch nicht aus dem Bettchen nehmen.

Bis das Kind so in den Schlaf gefunden hat, können einige Stunden vergehen. Wacht der Nachwuchs nachts auf, beginnt das Spiel von vorne. Bestenfalls nach zwei bis drei Tagen, spätestens nach zwei Wochen, soll das Kind aber gelernt haben von selbst einzuschlafen.

Die Ergebnisse der Studie sind jedoch trotzdem kein Freibrief für alle „Jedes Kind kann schlafen lernen“-Befürworter. Kritiker bemängeln, dass die Studie wegen ihrer geringen Probanden-Zahl nicht als valide angesehen werden kann.

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(vr)