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"Rechtsnationale und Rassisten": Diese Kandidaten treten für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern an

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"Rechtsnationale und Rassisten": Diese Kandidaten treten für die AfD in MeckPomm an | dpa
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  • Neben gemäßigten Kandidaten treten bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern auch völkisch-nationale Kräfte für die AfD an
  • Experten warnen: "Der Verband ist weit weniger sauber, als es auf den ersten Blick erscheint"

In knapp einer Woche könnte die AfD mit einem der stärksten Ergebnisse der Parteigeschichte in den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern einziehen.

Und auch, wenn es das bürgerliche Auftreten des Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm nicht vermuten lässt: Unter den AfD-Leuten sind auch Vertreter anderer Richtungen.

"Hinter der bürgerlichen Fassade tummeln sich Rechtsnationale, Rassisten und Menschen, die aus ihrer Verachtung gegenüber armen Menschen keinen Hehl machen", sagt Buchautor und Sozialwissenschaftler Sebastian Friedrich im Gespräch mit der Huffington Post.

Die Partei mache daraus auch kein Geheimnis. "Ganz im Gegenteil", sagt Friedrich.

Auf Veranstaltungen macht Spitzenkandidat Holm gemeinsam mit André Poggenburg und Björn Höcke Wahlkampf. Beide sind Vertreter des rechten Flügels. Außerdem stehen völkisch-nationale AfD-Politiker zur Wahl. "Und auf lokaler Ebene scheut man sich nicht davor, mit der NPD zusammenzuarbeiten", sagt Friedrich.

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Spitzenkandidat Holm

Erst nach der Wahl werde sich zeigen, wie sich der Verband tatsächlich positioniert. Das hätten auch die Landtagswahlen im März gezeigt. "In Baden-Württemberg war selbst die Parteiführung überrascht, wer da alles ins Parlament einzog", sagt Friedrich. "Die unterschiedlichen Strömungen sorgen so auch innerhalb der Partei für große Konflikte, was bis zur Spaltung der Fraktion wie in Stuttgart führen kann."

Eine solche Spaltung fürchtet zumindest Spitzenkandidat Holm nicht. „Ähnliche Probleme, wie wir sie in Baden-Württemberg hatten, sehe ich bei uns nicht", sagte er im HuffPost-Gespräch vor wenigen Wochen. "Antisemitismus und Extremismus haben in unserer Partei nichts zu suchen. Wir ziehen hier in Mecklenburg-Vorpommern an einem Strang.“

Wahr ist aber auch: Unter den Direkt- und Listenkandidaten der AfD finden sich diese vier Politiker, die eine andere Seite zeigen.

Holger Arppe

Holger Arppe war bis Ende 2014 AfD-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, nun steht er auf Platz drei der Landesliste. Es ist also höchst wahrscheinlich, dass der gelernte Drucker in den Landtag einziehen wird.

Dabei wurde er vom Amtsgericht Rostock wegen Volksverhetzung verurteilt, weil er 2010 auf Facebook England als Quarantäne-Insel für in der EU-lebende Muslime vorschlug. Arppe wurde dafür zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt.

Auf der AfD-Homepage wird Arppe so beschrieben: “Die Wiederbelebung, Bewahrung und Stärkung unserer deutschen Identität ist wichtigstes Ziel seiner politischen Arbeit, weil sich daraus der Erfolg aller anderen Vorhaben ableitet.”

Sascha Jung

Der Anwalt ist steht auf Listenplatz 23 und ist nach eigenen Angaben Mitglied der Burschenschaft Danubia, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sie wird mit rechtsextremistischen Kreisen in Verbindung gebracht.

Petra Federau

Sie sollte als Frontfrau in den Wahlkampf ziehen, wurde aber dann aber doch im Mai von einem ausrichtsreichen Listenplatz geworfen: Petra Federau. Die AfD-Politikerin soll bei ihrer Bewerbung verschwiegen haben, dass sie für einen Escort-Service Frauen nach Dubai vermittelt haben soll.

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Federau, mit Björn Höcke

Federau gilt als völkisch-national, in ihrer Abtrittsrede sagte sie: "Mein Herz schlägt für diese Nation, bis zu meinem letzten Atemzug werde ich mich für dieses Volk einsetzen." Auf dem Landesparteitag im Februar in Demmin warnte Federau laut eines NDR-Berichts vor einer “Umvolkung” und, dass Deutsche fremd im eigenen Land seien.

Als Direktkandidatin für Schwerin hat sie weiterhin eine Chance, in den Landtag einzuziehen.

Ralph Weber

Ralph Weber ist Professor für Bürgerliches Recht an der Uni Greifswald. In seiner Vorlesung durfte bereits ein “Reichsbürger” einen Gastvortrag halten - also jemand, der die Existenz der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennt. Außerdem soll Weber 2010 mit dem damaligen NPD-Chef Udo Voigt über die Gründung einer rechten Partei gesprochen haben.

Den Vorwurf der Volksverhetzung sieht er als “kein großes Problem mehr”, weil der Verdacht dazu eingesetzt werde, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, wie er auf einem Landesparteitag behauptete. Und in einem Interview mit der “Ostseezeitung” sagte er, dass der Staat kein Geld für Deutschkurse für Flüchtlinge ausgeben solle, da diese nicht integriert werden sollten.

Als Direktkandidat des Wahlkreises Vorpommern-Greifswald hat er gute Chancen, in den Landtag einzuziehen.

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(sk)