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Vorwurf von Peta: So bestialisch solle eine deutsche Schuhfirma zu ihrem Leder kommen

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Ein ausgehungertes Kalb auf einem indischen Markt. | Animal Rahat
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Es liest sich wie das Drehbuch eines Horrorfilms, was die Tierschutzorganisation Peta kürzlich über die Gewinnung von Leder in Indien veröffentlicht hat: Kühe werden erst gequält und dann unter schlimmsten Bedingungen abgeschlachtet.

Damit das Leder dann unter anderem - in Deutschland landet. Angeblich auch beim Schuh-Riesen Gabor mit Hauptsitz im oberbayerischen Rosenheim.

Peta erhebt schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen.

Je praller das Tier, desto höher der Gewinn

Das Martyrium, das die Kühe und ihr Nachwuchs in Indien durchleben müssen, beginnt laut Peta bereits auf dem Markt: Literweise Wasser werde ihnen eingeflößt. Das alles nur, damit der Händler einen besseren Preis für seine Tiere erziele: Je mehr Wasser, desto praller das Tier.

Dass es ein Gesetz gibt, das den Verkauf von jungen Kälbern verbietet oder eins, das Tiere schützt, interessiert offenbar niemanden. Viele der Tiere sollen schwach und ausgehungert sein.

Der letzte Gang ist voller Qualen

In brechend vollen Lastwagen geht es für die Tiere auf die letzte Reise. Die "Ware" hat kaum Luft zum Atmen. Die Tiere trampeln aufgrund der Überfüllung sogar teilweise aufeinander herum, wie Peta berichtet.

Auf ihrem letzten Gang zum Schlachthaus seien die Tiere teilweise völlig erschöpft und würden zusammenbrechen. Damit sie wieder aufstehen, rieben die Mitarbeiter der Schlachthäuser den Tieren Chilli in die Augen oder würden ihnen die Schwänze brechen.

Im Schlachthaus angekommen, leiden die Tiere laut Peta weiter. Bei vielen versage die Betäubung und sie bekämen ihre eigene Schlachtung mit.

"Wir haben Gabor über die Missstände aufgeklärt"

Die Verantwortlichen von Gabor, behauptet Peta, wüssten, was in den Unternehmen ablaufe, von denen die Firma das Leder kauft.

In einem Gespräch mit der Huffington Post sagte Frank Schmidt, Kampagnenleiter bei Peta: "Wir haben Gabor bereits im April 2016 angeschrieben und das Unternehmen über die Missstände aufgeklärt." Die Antwort, so Schmidt, "war sehr unbefriedigend".

Gabor habe Peta mitgeteilt, dass man das Leder schätze, sagte Schmidt der Huffington Post. Auf die hohen Fehlbetäubungsraten sei die Mode-Firma nicht eingegangen.

Gabor weist alle Vorwürfe zurück

Auf Anfrage der Huffington Post wies Gabor die Vorwürfe von Peta zurück und bezeichnete sie als "irreführend und zutiefst rufschädigend". Kühe, die auf den Fotos von Peta zu sehen sind, stammen laut des Konzerns nicht von Betrieben, mit denen Gabor zusammen arbeitet, da Gabor keine Schlachtbetriebe beauftrage oder besitze.

Für die Herstellung von Gabor-Produkten werden laut des Konzerns gar keine Tiere geschlachtet. Bei den Tierhäuten handele es sich um anfallende Nebenprodukte. Alle Lieferanten würden außerdem regelmäßig vor Ort kontrolliert werden.

In Indien produziert Gabor nach eigenen Angaben keine Schuhe, sondern nur einzelne Komponenten wie Schuh-Oberteile. Der Rest der Schuhe werde zu 85 Prozent in Europa hergestellt.

Auf der hauseigenen Homepage gibt Gabor an, das Leder zum größten Teil aus Italien zu beziehen. Zudem soll jedes Fell vor dem Versand inspiziert werden.

Peta startet Petition

Die Aktivisten von Peta fordern mit einer Petition das Unternehmen auf, auf Leder zu verzichten. Das Motto: "Vegane Schuhe und Tierschutz statt Leder".

Gabor betont, dass sie die Forderung von Peta für ein generelles Lederverbot nicht unterstützen, aber dass sich die Firma dennoch tierschutzgerechte Schlachtungsmethoden einsetzt.

Peta scheint einen Nerv in der Bevölkerung getroffen zu haben: Über 36.000 Unterschriften kamen bereits zusammen. Im Laufe dieser Woche soll die Petition dem Geschäftsführer von Gabor vorgelegt werden.

Bleibt also abzuwarten, ob Peta mit der Aktion ihr Ziel erreicht: "Wir wollen Gabor zeigen, dass sich viele tausend Menschen den Fortschritt wünschen", erklärt Schmidt. Und somit weg von Leder und bestialischen Schlachtungsmethoden wollen - hin zu ökologischer Mode, die die Kunden bedenkenlos tragen können. In dem Wissen, dass hierfür keine Tiere bei vollem Bewusstsein abgeschlachtet wurden.

Drama bei Schlachtungen in Deutschland

Bis zu neun Prozent der Rinder in Deutschland werden nicht kontrolliert betäubt - das geht aus einer Antwort der Bundesregierung an die Grünen hervor.

Ein Video aus einem Schlachthof in Baden-Württemberg zeigt, wie grausam auch hierzulande die Bedingungen für Schlacht-Vieh sein können. Egal ob es sich um einen Bio-Hof handelt oder nicht.

ACHTUNG: Dieses Video enthält Gewaltdarstellungen. Bitte starte es nur, wenn du dir sicher bist, dass du die Bilder verarbeiten kannst.

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