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Berliner Behörden lehnen Geräte zur Erkennung falscher Pässe ab - mit lächerlicher Begründung

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POLICE PASSPORT
Ein Gerät zur Validierung von Ausweisdokumenten | Thomas Peter / Reuters
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  • Berliner Behörden wollen angeblich keine Geräte zur Erkennung gefälschter Dokumente
  • Eine mögliche Sicherheitslücke: Terroristen haben in Europa mit gefälschten Papieren leichtes Spiel
  • An diesen Merkmalen erkennt man gefälschte Pässe

Mehrere Behörden in Berlin sollen die Anschaffung spezieller Prüfgeräte für gefälschte Dokumente in der Vergangenheit abgelehnt haben - obwohl der Berliner Senat über 400.000 Euro im Haushalt dafür zur Verfügung stellt. Die Geräte hätten keinen Platz oder wären unnötig, wären die Begründungen. Das berichtete das im ZDF-Magazin "Frontal 21".

"Es ist ein Skandal, dass Deutschland sich in der heutigen Zeit eine solche Sicherheitslücke erlaubt", sagte Michael Böhl vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) demnach. Er fordere schon seit einiger Zeit einheitliche Prüfstandards für die Bundesrepublik.

Eine Sicherheitslücke im Kampf gegen Terrorismus

Welche Möglichkeiten gefälschte Ausweise vor allem auch für Terroristen bieten, zeigt der Fall von Mehmet A.: Wie "Frontal 21" berichtete, war der junge Mann türkischer Staatsbürger ohne Aufenthaltsrecht für Deutschland. Mit Hilfe eines gefälschten EU-Ausweises soll er in der Lage gewesen sein, ein deutsches Konto zu eröffnen, einen Sozialversicherungsausweis zu erhalten und ein Gewerbe anzumelden.

Es seien dem Bericht nach die perfekte Voraussetzungen, um unentdeckt Waren für terroristische Vereinigungen zu erwerben und Geldwäsche zu betreiben. Wie sich später herausstellte, stand der mittlerweile verhaftete Mehmet A. tatsächlich mit Islamisten in Verbindung.

Deshalb werden EU-Ausweise gefälscht

EU-Ausweise sind besonders beliebt, da sie die meisten Bewegungsfreiheiten ermöglichen. Das erklärte Kriminalhauptkommissar Kalkusch vom Bayerischen Landeskriminalamt im Interview mit der Nachrichtenseite "n-tv.de". Ebenfalls häufig gefälscht würden syrische Pässe, da Wirtschaftsflüchtlinge diese gerne nutzen, um ihre Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung in der EU zu erhöhen.

Auch einer der Attentäter von Paris tarnte sich mit gefälschten Papieren als syrischer Flüchtling. An keiner einzigen europäischen Grenze wurde die Echtheit seiner Papiere überprüft, wie "Frontal 21" berichtete. Diese Tatsache ermöglichte es dem Mann, ungestört durch Europa zu reisen und seinen Anschlag zu planen.

Wie groß das Geschäft mit gefälschten Ausweisen ist, zeigen Zahlen von Interpol: Seit 2002 wird nach 57 Millionen gestohlenen und verlorenen Ausweisen gefahndet.

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Daran erkennt man gefälschte Dokumente

Grundlegend unterscheidet man zwischen verfälschten Pässen, bei denen Originaldokumente verändert wurden, und vollständig gefälschten Pässen, erklärte Kalkusch weiter.

Ganz gefälschte Ausweise könnten demnach in der Regel am Wasserzeichen entlarvt werden. Dieses wird bereits bei der Papierherstellung in das Sicherheitspapier eingearbeitet. Zugriff auf dieses Papier erhalten nur offizielle Ausweis-Druckereien. Einen deutschen Pass zu fälschen ist daher im Prinzip unmöglich. Laut deutscher Bundesdruckerei gehört er zu den sichersten Ausweisdokumenten überhaupt.

Die leichteste Methode die Fälschung zu erkennen, sei der direkte Vergleich mit einem Original-Dokument. Dabei sollte es, laut Kalkusch, jedem Beamten möglich sein eine Fälschung festzustellen.

So einfach kommt man an gefälschte Ausweise

Das ZDF-Magazin machte den Test: In einer griechischen Bar kaufte ein Reporter ein vermeintlich echtes Ausweisdokument. Aber keiner der später befragten Berliner Beamten erkannte demnach die Fälschung mit bloßem Auge. Und dennoch halten die meisten Berliner Behörden die Anschaffung eines Prüfgerätes für unnötig.

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(cho)