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Trumps wichtigster Kampf: Dieser Kurswechsel könnte ihm den Sieg bescheren

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TRUMP INNEN
Donald Trump plant einen Kurswechsel | Getty/HuffPost
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Knapp zehn Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen geht der Wahlkampf in seine letzte, heiße Phase. In den vergangenen Wochen sahen die meisten Umfragen Hillary Clinton im Vorteil, gleichwohl wurde gerade in der letzten Woche deutlich, dass die politischen Abgesänge auf Donald Trump womöglich doch ein wenig zu früh kamen.

Denn: Er vollzieht gerade ganz offensichtlich einen Kurswechsel - hin zu den Minderheiten der Bevölkerung. Die Stimmen der Latinos und der Afroamerikaner können entscheidend für den Ausgang der Wahl sein. Und bisher hat Trump es sich gerade mit ihnen massiv verscherzt.

Bemerkenswert ist unter diesen Gesichtspunkten eine Befragung der "Los Angeles Times“ – einem Blatt, das dem republikanischen Kandidaten alles andere als freundlich gegenübersteht.

Trump gewinnt bei den Minderheiten an Sympathien

Trump kommt in einer Umfrage der Tageszeitung auf 44,6 Prozent – Clinton nur auf 43,5. Auch bei den Minderheiten in der Bevölkerung zeigt diese Statistik ein überraschendes Bild: Bei den Latinos kommt der 70-Jährige auf knapp 34 Prozent Zustimmung, bei den Afroamerikanern auf etwa 14 Prozent.

Obwohl Hillary Clinton bei beiden Wählergruppen noch immer deutlich in Führung liegt, zeigt diese Umfrage: Trump könnte bei den Minderheiten besser abschneiden als erwartet.

Die Werte passen zu Trumps neuer Strategie, Schwarze und Latinos – also die Gruppen, die ihn größtenteils ablehnen – zu umgarnen.

Kann der Mann, dessen Popularität auf der Wut der weißen Unter- und Mittelschicht basiert, diesen Spagat schaffen und tatsächlich seine Zustimmung unter den sogenannten Minderheiten nach oben schrauben?

Zweifel sind durchaus berechtigt. Hier sind die wichtigsten Punkte, die ihr jetzt zu Trumps Strategiewechsel wissen müsst:

1. Entscheiden die Minderheiten die Wahl?

"Ein Kandidat , dessen Zustimmungswerte unter Latinos und Schwarzen so sehr im Keller stecken, hat keine Chance, die Wahl zu gewinnen“ – so die allgemein gängige These. Ob sie tatsächlich stimmt, steht auf einem anderen Blatt.

Trump könnte das komplizierte Wahlsystem in die Hände spielen. So zählt in den USA bekanntlich nicht das landesweite Wahlergebnis, sondern nur das Ergebnis der Einzelstaaten.

Und da Staaten mit einer hohen spanisch-sprachigen Bevölkerung wie Kalifornien, New Mexico oder New York traditionell eher für die Demokraten stimmen, könnte sich Trump dort sogar krachende Niederlagen erlauben. Vorausgesetzt natürlich, der Republikaner punktet in anderen Staaten.

Trumps Fokus liegt auf den besonders umkämpften Swing-States, zumeist Bundesstaaten im Mittleren Westen der USA mit hohem weißen Bevölkerungsanteil.

Mitte Juli hatte Trump in den meisten "Battleground-States" die Nase vorne - ebenso in Pennsylvania, obwohl seine Zustimmung unter der afroamerikanischen Bevölkerung dort bei null Prozent lag.

Besonders hart umkämpft dürfte die Wahl wieder einmal in Florida werden. Auch hier hat Clinton noch längst nicht gewonnen, auch weil die große kubanisch-stämmige Minderheit im Süden des "Sunshine-State“ traditionell eher zu den Konservativen tendiert.

2. Wie will Trump die Latinos von sich überzeugen?

"Mexikaner sind Mörder und Vergewaltiger" – mit diesem Rundumschlag startete Donald Trump im Sommer 2015 in den Wahlkampf.

Mit einer Mauer an der Grenze zu Mexiko wolle er die "Kriminellen“ außer Landes halten. Die elf Millionen Illegalen sollten rigoros abgeschoben werden.

Doch nun schlägt der Kandidat deutlich gemäßigtere Töne an: Am Samstag traf er sich in New York mit spanischstämmigen Politikern, Geschäftsleuten und religiösen Persönlichkeiten zu Strategieberatungen.

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Wie der TV-Sender Univision berichtet, soll Trump eine Aufenthaltsgenehmigung für Millionen Migranten ohne gültige Papiere ins Gespräch gebracht haben.

Trump räumte ein, dass es "große Probleme" mit den elf Millionen nicht registrierten Einwandern in den USA gebe, allerdings sei deren Ausweisung "weder möglich noch menschlich".

Konkret will Trump in seiner Grundsatzrede zur Einwanderungspolitik am Donnerstag werden.

3. Und die Afroamerikaner?

Auch die schwarze Bevölkerung will der Republikaner nun verstärkt ins Visier nehmen. "Die Republikaner sind die Partei Abraham Lincolns“, erklärte Trump auf einem Wahlkampfauftritt. "Ich will, dass meine Partei wieder das Zuhause für afroamerikanische Wähler wird."

In der vergangenen Woche hatte er während eines denkwürdigen Auftritts in Michigan die Afroamerikaner direkt angesprochen:

"Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr etwas Neues wie Trump ausprobiert“, rief er – an die Schwarzen gerichtet – vor einer grölenden, beinahe ausnahmslos weißen Zuhörerschaft.

"Ihr lebt in Armut, habt keine Jobs, eure Schulen sind mies und 58 Prozent eurer Jugendlichen sind arbeitslos. Ich frage euch noch einmal: Was zur Hölle habt ihr zu verlieren?“.

Die Message ist klar: Trump beschuldigt die Demokraten, die Afroamerikaner seit jeher nur als "Stimmvieh“ zu missbrauchen.

An der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen hätte die Partei kein Interesse, diese hätten sich auch unter dem ersten schwarzen Präsidenten nicht zum positiven gewandelt.

4. Kann Trumps Plan tatsächlich funktionieren?

Der Tenor in liberalen Medien ist eindeutig: Nein, kann er nicht. Trump habe sich in der Vergangenheit zu häufig wie ein Elefant im Porzellanladen aufgeführt, die Gräben zwischen ihm und den Minderheiten seien einfach zu groß.

Das Magazin "The Atlantic“ meint, Trumps Entscheidung, seinen Wahlkampf unter die Führung von Steve Bannon, dem frühen Chef der rechtskonservativen Nachrichtenseite "Breitbart“ zu stellen, würde es ihm noch schwerer machen, die Minderheiten zu erreichen.

Bannon hätte "Breitbart“ zu einer rassistischen und islamfeindlichen Website gemacht. So bezeichnet die Website die Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter als "Polizistenkiller“.

"Mit der Wahl von Bannon hat Trump Hillary Clintons größtes Strategieproblem gelöst – nämlich wie sie es schafft, dass Minderheiten im November in ähnlich großer Anzahl demokratisch wählen, wie sie es 2008 und 2012 getan haben“, schreibt "The Atlantic“.

Auch im Lager von Hillary Clinton sorgt Trumps Strategiewechsel für Kopfschütteln. Clintons Wahlkampfmitarbeiter Marlon Marshall schrieb bei Twitter:

"Trump zweifelt die Staatsbürgerschaft des ersten schwarzen Präsidenten an, umwirbt weiße Rassisten und ist verklagt worden wegen Diskriminierung bei der Vergabe von Wohnungen."

Trump-Unterstützer sehen den Kurswechsel ihres Kandidaten naturgemäß anders. Der frühere Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, sagte dem Fernsehsender Fox News, er gehe von einem "großen Sieg“ für den Republikaner aus – auch weil viele Afroamerikaner nun die Seiten wechseln würden.

Gänzlich chancenlos ist die neue Strategie nicht, auch weil er sich deutliche Niederlagen bei beiden Wählergruppen durchaus leisten könnte. Zum Vergleich: Als George W. Bush 2004 John Kerry besiegte, machten nur elf Prozent der Schwarzen und 44 Prozent der Latinos ihr Kreuz beim Republikaner.

Trump selbst twitterte in der vergangenen Woche, bald würden ihn alle "Mr.Brexit" nennen.

Zur Erinnerung: Vor der britischen Votum hatten die wenigsten Meinungsforscher einen Sieg der EU-Gegner prognostiziert.

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(lk)