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Deutschland streitet über die Rente - Spahn: Anhebung des Eintrittsalters unausweichlich

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JENS SPAHN
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel | dpa
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  • Das Thema Rente wird in Deutschland derzeit heiß diskutiert
  • CDU-Politiker Spahn etwa hält die Anhebung des Renteneintrittsalters für unausweichlich - dagegen sträuben sich aber viele
  • Ist die Aufregung der Deutschen berechtigt? Ein Blick in andere Länder hilft

Deutschland diskutiert wieder über die Rente. Der Staatsekretär im Finanzministerium, Jens Spahn (CDU) vertritt in der Debatte eine eher unpopuläre Ansicht. Er hält langfristig eine Anhebung des Renteneintrittalters für unausweichlich.

Angesichts der steigenden Lebenserwartung der Deutschen sei das der einzige logische Schritt."Hat da jemand, der 30 Jahre gearbeitet hat, wirklich das ganze Leben gearbeitet?", fragt sich Spahn im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Ich denke, nein."

Sein Argument: "Wenn wir ein gutes Sicherheitsniveau beibehalten wollen und die Beiträge nicht deutlich ansteigen sollen, müssen wir länger arbeiten."

Gabriel hält die Rente mit 69 für eine Zumutung

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sieht das etwas anders. Er findet, die Bundesbank habe sich einen ganz und gar skandalösen Vorschlag geleistet, als sie vergangene Woche empfahl, das Rentenalter auf 69 Jahre anzuheben. Ist denn mit 67 nicht schon die Grenze des Machbaren erreicht für die gebeutelten Arbeitnehmer?

Ja, meint Gabriel: "Ein Facharbeiter, eine Verkäuferin, eine Krankenschwester, eine Altenpflegerin halten das für eine bekloppte Idee. Ich auch", sagte er als Reaktion auf den Zentralbank-Vorschlag. Und nicht nur Gabriel hat sich zuletzt zur Rente geäußert - Deutschland diskutiert wieder über die Rente.

Wie bekloppt ist der Rentenplan der Bundesbank also wirklich?

Vergleichsweise unbekloppt, wie eine Gegenüberstellung des Renteneintritts in verschiedenen EU-Ländern zeigt. In Dänemark etwa müssen die Menschen im Jahr 2050 bis zum 72. Lebensjahr arbeiten, um die vollen Bezüge zu erhalten. Das geht aus einer Studie des Finnish Centre for Pensions in Helsinki hervor, die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert.

Arbeiten bis 69? Für viele Europäer normal

Bei den Dänen ist das Rentenalter an die zu erwartende - und bekanntlich stetig steigende - Lebenserwartung gekoppelt.

Deutschland zieht nur behäbig mit starren Grenzen nach. Wer hingegen länger arbeiten will, steht oftmals vor bürokratischen Hürden. Erst die für 2017 geplante Flexi-Rente soll da Abhilfe schaffen.

Dänemark ist mit seinem hohen Stichalter nicht allein in Europa: In Holland und Griechenland steigt die Rentengrenze in dem Jahr auf deutlich über 69, in Zypern, Irland, Großbritannien, Italien und Portugal auf 68 bis 69, in Finnland und Tschechien auf 67 bis 68.

Hat Gabriel also die Furcht, dass deutsche Arbeiter besonders hart geknechtet werden könnten, müsste er auch glauben, dass unsere europäischen Nachbarn auf unmenschliche Schinderei setzen. Tatsächlich handelt es sich natürlich um Schritte, die das Rentensystem angesichts der immer längeren Lebenszeit bezahlbar halten sollen.

Flexible Rente auch in Deutschland?

Insofern könnte ein Vorschlag von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Deutschland in Sachen Ruhestand modernisieren: Die Rentengrenze soll mit der Lebenserwartung steigen - das dänische Modell.

Laut einem Vorschlag, den Schäuble von Finanzstaatssekretär Jens Spahn zusammen mit Gesundheitsstaatssekretär Karl-Josef Laumann erarbeiten lässt, soll das Alter ab 2030 flexibel steigen.

Die Opposition hält von der Idee wenig, in der Union gilt das Modell hingegen als richtungsweisend - und gar nicht so schlimm: "Ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren würden wir erst im Jahr 2100 erreichen", sagt der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak. Das fänden vermutlich weder die Verkäuferin noch die Krankenschwester bekloppt.

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(ben, lk, bp)