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Osterloh redet Klartext zu Situation bei VW: "Das letzte Jahr war Sch..."

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BERND OSTERLOH
Der VW-Betriebsratchef Bernd Osterloh | ASSOCIATED PRESS
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  • Ein Streit mit einem Zulieferer legt die Produktion bei VW lahm
  • Bis zu 20.000 Beschäftigte können davon betroffen sein
  • In einem Interview mit der "Bild" spricht der VW-Betriebratschef Klartext zu der Situation

Bei Volkswagen stehen gerade viele Fertigungsanlagen still: In Wolfsburg prüft Europas größter Autobauer Kurzarbeit, in Emden wurde diese schon für zahlreiche Beschäftigte angemeldet.

Auch in Zwickau ruht ab Montag die Golf- und Passat-Montage. Insgesamt könnten laut Berichten bis zu 20.000 VW-Beschäftigte betroffen sein.

Der Grund sind fehlende Getriebeteile und Sitzbezüge der Lieferanten ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören.

"Die Konzernleitung kürzt jetzt, bis es kracht"

Zwischen den Firmen und VW tobt ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Prevent wirft VW vor, bestimmte Aufträge frist- und grundlos gekündigt zu haben. Dagegen wolle man sich mit dem Lieferstopp wehren. Der Autokonzern fordert hingegen von den Geschäftspartnern, bestehende Liefervereinbarungen einzuhalten.

Der Chef des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Diesel-Abgaskrise im Bundestag, Herbert Behrens (Linke), sieht eine mögliche Parallele zwischen dem VW-internen Sparkurs und dem Problem mit den Zulieferern. "Die Konzernleitung von Volkswagen kürzt jetzt, bis es kracht", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Sorgenfalten" in den Gesichtern der Arbeiter

"Jetzt werden Folgen des milliardenschweren Desasters, das mit der betrügerischen Abgas-Manipulation verursacht worden ist, einfach weitergereicht", meinte Behrens.

Im Interview mit der "Bild"-Zeitung sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, dass die aktuelle Situation die Arbeiter sehr belastet. Er greift die Top-Manager des Konzerns an. Keiner der Vorstände oder Top-Manager würde vor die Kollegen treten, um Kurzarbeit anzukündigen.

"Das machen die Meister und wir Vertrauensleute und Betriebsräte. Da schauen Sie dann in die Gesichter – und sehen viele Sorgenfalten", so Osterloh.

"Wir werden das Vergütungssystem des Vorstands anfassen"

Nach seiner Auffassung liegt die Verantwortung eindeutig beim Zulieferer. "Oder glauben Sie, wir als Betriebsrat fragen nicht, wessen Schuld es ist, dass unsere Kollegen zu Hause bleiben müssen."

Er verlangt eine neue Vergütungsstruktur für den Vorstand: "Wir werden das Vergütungssystem des Vorstands anfassen. Dort müssen neue Ziele, die zur aktuellen Situation und zur Strategie von Matthias Müller passen, verankert werden", erklärte Osterloh. Die Bonuszahlungen an den Vorstand für das Jahr 2015 hätten für Diskussionen in der Belegschaft gesorgt.

"Ich hätte mir gewünscht, dass der Vorstand freiwillig auf Boni verzichtet", sagte Osterloh.

Erst die Schadensersatzzahlungen wegen der Affäre um Software, die Abgas-Werte manipulierte - und nun der Produktionsausfall. Trotzdem ist Osterloh sich sicher, dass die aktuelle Krise bei Volkswagen in spätestens zwei Jahren ausgestanden ist.

"In ein bis zwei Jahren ist das Schlimmste vorüber.“

Gegenüber der Zeitung sagte er: "In ein bis zwei Jahren ist das Schlimmste vorüber.“ Er sei sich sicher, dass VW die Krise in Europa sehr gut bewältige. Auch drohende Schadenersatzzahlungen von mehr als 25 Milliarden Euro werde das Unternehmen überstehen.

"VW ist Gott sei Dank robust. Wir werden die Situation meistern.“ Sollte das neue, reine Elektroauto von VW pünktlich und zu einem kundenfreundlichen Preis auf den Markt kommt, könne der Konzern sogar gestärkt aus dieser Situation hervorgehen, erklärte Osterloh weiter.

Trotzdem sagt er am Ende des Interviews: "Ganz ehrlich, die vergangenen zwölf Monate waren einfach nur Sch..."

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Mit Material der dpa

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