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"Vielleicht werde ich getötet": Diese Geste macht diesen Läufer zum mutigsten Olympioniken von Rio

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  • Mit einer symbolträchtigen Geste hat der Äthiopier Feyisa Lilesa beim olympischen Marathon protestiert
  • Damit wollte er auf die politischen Gefangenen in seinem Land aufmerksam machen
  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr oben im Video

Er hebt die Arme über den Kopf und faltet sie zu einem Kreuz. Kurz bevor er das Rennen nach 42,195 Kilometern beendet.

Viele dachten zuerst, der Silbermedaillengewinner Feyisa Lilesa aus Äthiopien wolle damit nach dem ermüdenden Marathon einfach seine Erschöpfung ausdrücken.

Aber hinter der Geste verbirgt sich mehr: Ein politisches Statement, das den Läufer seine Freiheit und sogar das Leben kosten könnte.

"Vielleicht muss ich in ein anderes Land gehen"

Denn Lilesas Geste ist ein Protest; ein Protest gegen die Gefangennahme politischer Aktivisten in seiner Heimat.

lilesa
Quelle: Reuters

Den gekreuzten Armen beim Zieleinlauf und der Siegerehrung folgte eine leidenschaftlichen Ansprache vor Journalisten.

Bei der Pressekonferenz erklärte Lilesa ausführlich, was hinter seiner Aktion steckt:

"Es ist ein Zeichen der Unterstützung für die Demonstranten, die von der Regierung meines Landes getötet wurden. (...) Ich wollte zeigen, dass ich nicht damit einverstanden bin, was im Gefängnis mit Verwandten und Freunden passiert. Die Regierung tötet mein Volk, die Oromo (eine Volksgruppe in Äthiopien und Kenia; Anm. d. Red)", sagte Lilesa.

"Wenn man über Demokratie spricht, wird man getötet. Wenn ich nach Äthiopien zurückgehe, werde ich vielleicht getötet. Oder sie werfen mich ins Gefängnis."

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Zum Schluss hatte der 26-Jährige noch eine Forderung: "Streikt für Frieden! Sprecht über Demokratie - überall auf der Welt!“.

400 Menschen bei Protesten getötet

Zum Hintergrund: Die Menschen in Oromia protestieren bereits seit Ende 2015 gegen eine Ausweitung der Hauptstadt Addis Abeba. Kritiker befürchten, das Vorhaben würde zu einer Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung in der Region führen.

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Quelle: Getty

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden bei den brutal niedergeschlagenen Protesten bis Juni mindestens 400 Menschen getötet. Die Oromo fühlen sich gegenüber anderen Ethnien benachteiligt.

Geste könnte Lilesas olympische Karriere beenden

Sein politisches Engagement auf der olympischen Bühne könnte Lilesa noch Ärger einbringen.

Die Regel 50.3 der olympischen Charta verbietet den Sportlern "jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda an den olympischen Städten, Austragungsorten (...)“.

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Mögliche Strafmaßnahmen sind eine Rüge, Entziehung der Akkreditierung oder gar eine Disqualifikation.

Lilesa lässt sich davon nicht einschüchtern. Er steht hinter der Geste und würde nicht zögern, sie vor Kameras zu wiederholen, beteuert er.

Nicht die erste politische Geste bei Olympia

Dies ist nicht das erste Mal, dass die Olympischen Spiele Bühne für politischen Protest werden:

1968 reckten bei der Siegerehrung des 200-Meter-Laufs die US-Sprinter Tommie Smith und John Carlos ihre Fäuste zum „Black-Power“-Gruß in die Luft. Das Foto wurde zu einem Symbol für die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Die Sportler wurden wegen der politischen Geste auf Druck des IOC aus dem US-Team ausgeschlossen.

tommie smith olympics
Quelle: AP

1980 gewann der Pole Wladyslaw Kozakiewicz Goldmedaille im Stabhochsprung – zu einer Zeit enormer politischer Spannungen zwischen Polen und der Sowjetunion. Kozakiewicz wurde vom russischen Publikum während des gesamten Wettkampfs ausgepfiffen und beschimpft.

wladyslaw kozakiewicz
Quelle: AP

Er revanchierte sich mit der bis heute bekannten Kozakiewicz-Geste: Er richtete seine rechte Faust in Richtung Publikum und schlug sich mit der linken Hand auf den Oberarm. Das Bild ging um die Welt.

Im Jahr 2008 rasierte sich der polnische Gewichtheber Szymon Kolecki den Kopf zur Unterstützung der tibetischen Mönche, deren Proteste vor und während der Olympischen Spiele in Peking gewaltsam unterdrückt wurden.

szymon kolecki
Quelle: Reuters

Mit Material der dpa

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