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Vergewaltigungsprozess: Warum das Urteil nicht nur für Gina-Lisa Lohfink ein Schlag ins Gesicht ist

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GINA LISA
dpa
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Es ist ein Urteil, das Hunderttausende Frauen in Deutschland bewegt. Heute hat ein Gericht in Berlin entschieden, dass Gina-Lisa Lohfink gelogen hat.

Es gebe keinen Anhaltspunkt für die Behauptung, sie sei im Juni 2012 von zwei Männern vergewaltigt worden, urteilten die Richter.

Nach all der Erniedrigung, die Gina-Lisa seit Beginn des Prozesses über sich ergehen lassen musste, muss diese Entscheidung unglaublich demütigend für die junge Frau sein.

Das Gerichtsurteil ist aber nicht nur für Lohfink ein Schlag ins Gesicht. Es ist auch ein bedenkliches Signal an alle Frauen in Deutschland.

Der Prozess hätte ein ermutigendes Zeichen setzen können

Denn egal, ob das Model nun die Wahrheit über das gesagt hat, was in jener Nacht geschah. Alles, was von dem öffentlichkeitswirksamen Prozess mit prominenter Beteiligung in Erinnerung bleiben wird, ist, dass eine Frau sagt, sie sei vergewaltigt worden und der Lüge überführt wurde.

Der Prozess um Gina-Lisa Lohfink hätte ein starkes Zeichen setzen können. Er hätte anderen Frauen Mut machen können, sexuelle Handlungen anzuzeigen, mit denen sie nicht einverstanden sind.

Und so ist er auch von vielen Politikern und Feministinnen verstanden worden: Endlich geht eine Frau an die Öffentlichkeit und berichtet von ihren Erfahrungen. Sagt ganz klar: "Nein heißt nein." Zu viele sexuelle Gewalttaten in Deutschland werden immer noch nicht angezeigt.

Letztlich hat der Prozess aber Frauen keinen Mut gemacht - im Gegenteil.

Der Fall Gina-Lisa hat mehr Schaden angerichtet als er geholfen hat

Er führt dazu, dass sich andere Frauen in Zukunft wohl noch genauer überlegen werden, ob sie eine Vergewaltigung anzeigen. Denn es besteht - wie der Fall Gina-Lisa zeigt - die Gefahr, nach Monaten der Schmach und der Demütigung als Lügnerin da zu stehen.

Daran haben alle in diesem Prozess ihre Schuld: Gina-Lisa, weil sie die Vergewaltigung vielleicht tatsächlich erfunden hat. Einige Medien, die den Fall bis ins letzte schlüpfrige Detail ausschlachteten und aufbauschten. Die beiden Männer, die sich teilweise auf bedenkliche Weise in den Medien inszenierte. Und die Politiker, die den Fall Gina-Lisa als einen Kreuzzug gegen sexuelle Gewalt stilisieren wollten.

Was genau in jener Nacht im Juni 2012 geschah, wird wohl nie geklärt werden können. Was sicher ist: Der Prozess hat in der Debatte um sexuelle Gewalt gegen Frauen mehr Schaden angerichtet als er geholfen hat.

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(ben)