Huffpost Germany

Schrecken in Syrien: So erklärt ein Vater aus Aleppo seinen Kindern den Krieg

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALEPPO CHILDREN
Die Schlacht um Aleppo tobt weiter | BARAA AL-HALABI via Getty Images
Drucken
  • Hunderttausende Menschen sind in Aleppo eingeschlossen, darunter viele Familien
  • Für die Kinder sind die Schrecken des Krieges zum Alltag geworden
  • Ein Vater berichtet, wie er seinen Kindern erklärt, was um sie herum geschieht

Die Schlacht um die syrische Metropole Aleppo tobt weiterhin mit unverminderter Härte. Am härtesten trifft der Kampf die Zivilbevölkerung:

Noch immer sollen mehrere hunderttausend Menschen - Frauen, Männer und Kinder - in der größtenteils zerstörten Stadt ausharren. Wasser und Lebensmittel werden knapp.

Wie gehen Eltern in Aleppo mit dieser schwierigen Lage um? Einem Leben in Not und Elend, bei dem man nie weiß, ob man am nächsten tag tot sein wird?

Was erzählen sie ihren Kindern, wenn Blutvergießen nach mehr als fünf Jahren voller Anschläge, Häuserkämpfe und Bombenangriffe zum Alltag gehört?

Dem Fernsehsender CNN hat ein syrischer Vater von sechs Kindern nun berichtet, wie er mit seinen Kindern über den täglichen Horror spricht.

"Ich gebe mein Bestes, um meinen Kindern zu erklären, was um sie herum passiert. Gerade denen, die während des Krieges geboren wurden", sagte er dem Sender.

Der Krieg wurde zur Normalität

Der Mann gibt zu, dass dieses Unterfangen alles andere als einfach sei. Er denke sich Geschichten aus über Gut und Böse und erzähle seinen Kindern von der syrischen Revolution und dem Streben nach Freiheit.

Nach fünf Jahren Bürgerkrieg seien auch die Motorengeräusche der Kampfjets für die Kinder zur Normalität geworden, die jeden Tag über Aleppo hinwegfliegen: "Manche fangen vor Angst an zu schreien, andere weinen. Und wieder andere fangen an zu lachen", schreibt er in dem Gastbeitrag für CNN.

"Meine fünfjährige Tochter ist während des Krieges geboren, sie weiß nichts vom Leben in Frieden." Sie kenne Aleppo nur als Ruinenstadt.

Sie weiß nur, "dass Menschen durch Bomben sterben"

"Sie hat mich noch nie gefragt, ob wir in den Park, zum Spielplatz oder ins Kino gehen - all das gab es in Aleppo nur vor ihrer Geburt", schreibt der Vater.

Alles, was sie über ihre kleine Welt wisse, ist, "dass die Menschen durch die Bomben sterben". Sie könne nicht einmal verstehen, dass Menschen auch an natürlichen Todesursachen sterben können.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ein täglicher Kampf ums Überleben

"Der Alltag in Aleppo ist ein täglicher Kampf ums Überleben", berichtet der Syrer. Täglich bangt er um seine Kinder. Sein zehn Jahre alter Sohn wäre bei einem Bombenangriff fast gestorben.

"Er wollte nur zu einem Geschäft in unserer Straße gehen", schreibt sein Vater. Eine Notoperation habe sein Leben gerettet.

Danach habe sein Sohn nicht einmal gefragt, wer für den Anschlag verantwortlich war. "Er wusste genau, dass es das Assad-Regime war. Er hat schon viele Kinder gesehen, die in der selben Situation waren wie er", so sein Vater.

In der umkämpften Stadt sollen Schätzungen zufolge noch immer mindestens 100.000 Kinder leben. Für sie ist die Lage besonders prekär.

Es fehlt an Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten. Die Mangelernährung führt zu Kreislaufzusammenbrüchen sowie zu Krankheiten wie Durchfall oder Cholera.

Auch auf HuffPost:

Dieses Land will Flüchtlinge aufnehmen – aber die wollen nicht dort leben

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lk)