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Wie Salafisten Millionen Euro sammeln

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SALAFISTEN
Frauen besuchen die Kundgebung eines Salafistenpredigers | dpa
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  • Salafisten sind die am stärksten wachsende Islamisten-Gruppe in Europa
  • Die Szene finanziert sich aus einem Netz von Firmen, Vereinen und Einzelpersonen

Sie üben eine riesige Anziehungskraft aus. Faszinieren. Sie sind gut in dem, was sie tun. Hoch professionell. Und sie wollen zerstören, was Deutschland ausmacht. Rechtsstaatlichkeit, Frieden, Freiheit. Und irgendjemand gibt ihnen das Geld dazu.

Die Rede ist von Salafisten, Anhängern einer besonders konservativen Strömung des Islam, der laut Verfassungsschutz am stärksten wachsende Islamistengruppe in Europa und Deutschland.

Zu ihnen zählen die Behörden viele einzelne Hassprediger, wie Pierre Vogel, außerdem Gruppen wie „Die Wahre Religion“, die mit ihrer GmbH „Lies!“ über Koranverteilaktionen Kontakte knüpft und pflegt.

Schwer durchschaubares Netz

Redakteure des Magazins "Spiegel“ haben in kleinteiliger Arbeit versucht herauszufinden, wie sich diese Szene finanziert. Sich selbst – und nach allem, was ruchbar wird, auch aktiv kämpfende Terroristen im Ausland.

Aus der detaillierten Recherche geht hervor, dass die Szene in Deutschland eng verwoben ist, über Einzelpersonen, Firmen, Vereine. Dass viele der Verbindungen nicht offensichtlich sind, schwer nachweisbar – aber einige eben doch belegbar.

Die wichtigsten Geldquellen und Akteure:

Hilfsvereine

Dazu zählen etwa Vereine wie die Organisation „Medizin mit Herz“, die laut Verfassungsschutz Geld für Krankenwagen und humanitäre Zwecke in Syrien sammelt - aber tatsächlich versucht, unter anderem Flüchtlinge für seine Zwecke zu gewinnen.

Der Verfassungsschutz sagt, er könne nicht ausschließen, dass von dem Geld solcher Hilfsvereine auch Waffen gekauft würden. Laut „Spiegel“ sammelten derartige Vereine in den vergangenen Jahren ausweislich ihrer Spendenlisten mehrere Millionen Euro. Ein offizielles Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen besitze keiner der Vereine.

Firmen

Firmen wie die EMC-Immobilien GmbH aus Baden-Württemberg, die die Polizei laut „Spiegel“ verdächtigt, in ganz Deutschland Missionsarbeit betreiben zu wollen, von einem Salafisten geführt zu werden – und teils von der Regierung in Kuwait finanziert zu werden. Auch Firmen, die Halal-Produkte anbieten, also islamkonforme Produkte ohne Alkohol und Schweinefleisch, sind den Journalisten aufgefallen.

Kleinspender

Eine der fünf Säulen des Islam ist das Almosengeben. Möglich, dass diese Pflicht viele Muslime zum Spenden bewegt. So wird etwa "Lies!" zumindest nach eigenen Angaben von Kleinspendern finanziert – auch wenn es einige Gründe gibt, an dieser Darstellung zu zweifeln.

Frauen-Netzwerke

Nach "Spiegel“-Recherchen spielen auch Frauen-Netzwerke wie "Schwestern im Glauben“ beim Spendensammeln eine große Rolle. Sie würden zum gemeinsamen Essen einladen. Sie sind auch auf Facebook sehr aktiv.

Messen

In Hamburg und Köln soll eine laut "Welt“ „einschlägig bekannte“ Eventagentur Messen nur für Frauen organisiert haben. Solche Messen könnten der Kontaktaufnahme dienen, allerdings, stellten die Behörden klar, sind nicht alle Aussteller dort Salafisten.

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