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"Verschleierte Frauen sind unheimlich": Pressestimmen zum Burka-Kompromiss der Union

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BURKA
Der Kompromiss im Burka-Streit wird heiß diskutiert. | Mukesh Gupta / Reuters
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  • Die Union hat sich auf einen Kompromiss im Burka-Streit geeinigt
  • Viele Kommentatoren finden die Lösung gut - weil die Burka ein "Ganzkörpersack" sei, der in Deutschland nichts verloren habe

Die Innenminister der Union haben am sich im Burka-Streit am Freitag auf einen Kompromiss geeinigt, auf ein Gebot zum "Gesicht zeigen". Das legten sie in der "Berliner Erklärung" fest.

Heißt: Es gibt kein generelles Verbot der Vollverschleierung, aber niemand soll sich nach dem Willen der Unions-Innenminister in Gerichten, Ämtern, Schulen oder im Straßenverkehr komplett verhüllen dürfen.

Mit dieser Entscheidung dominiert die Burka-Debatte ein weiteres Mal die Meinungsspalten der Zeitungen. Hier die wichtigsten Reaktionen im Überblick.

"Die Burka ist ein Ganzkörpersack"

Der in Berlin erscheinende "Tagesspiegel" findet ein Burka-Verbot vollkommen richtig - auch wenn es nur wenige Personen betrifft. Weil Politik nicht nur aus Pragmatismus bestehen dürfe, sondern eine Haltung haben müsse:

"Seit wann lässt sich eine Bürgergesellschaft von radikalislamischen Taliban ihre Gesellschaftssicht verstellen? Die Burka ist ein Gefängnis für Frauen, ein Ganzkörpersack, in dem sie eingesperrt wird; die Burka ist kein modisches Accessoire, das frau mal eben so auswählt, weil sie Lust darauf hätte. Das zu glauben, wäre naiv."

"Bis an die Grenzen des Grundgesetzes"

Ähnlich sieht es die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ): "Wenn, was alle beteuern, Integration das Gebot des Jahrhunderts (...) ist (...), dann muss der Staat gerade bei einem symbolträchtigen Thema wie der Burka bis an die Grenzen dessen gehen, was das Grundgesetz erlaubt."

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"Eine Funktion" habe das Zeigen des Gesichts in westlichen Gesellschaften nicht nur vor Gericht, in der Schule und in der Radarfalle. Die "FAZ" folgert allerdings, man könne der Burka nur Herr werden, "wenn man sie nicht ins Land lässt".

"Burka ist die zur Schau gestellte Geringschätzung"

Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) meint, "Burka oder Niqab sind die zur Schau gestellte Geringschätzung dieses Landes". Ihr dürfe der Staat "gern ein eigenes Statement entgegensetzen". Diese Art der Symbolpolitik schade niemandem.

"Kaum einer wirft sich für öffentliche Nacktheit in die Bresche"

Die Zeitung "Welt" dreht den Spieß um: "Wenn eine Frau nackt durch die Stadt läuft, wird man sie zwingen, sich etwas anzuziehen, um dieses 'öffentliche Ärgernis' zu beenden. Kaum jemand wird sich für ein Recht dieser Frau auf öffentliche Nacktheit in die Bresche werfen und den Polizistinnen in den Arm fallen, die sie in eine Decke hüllen. Man darf jemanden zwingen, sich zu bekleiden. Das ist allgemein akzeptiert."

"Daraus darf keine Stimmungsmache werden"

"Spiegel Online" hebt hervor: "Die Debatte um ein Burkaverbot bleibt für die Union ein schmaler Grat." Sie müsse darauf achten, dass daraus keine "plumpe, pauschale Anti-Islam-Stimmungsmache wird, wie sie die AfD betreibt." Schließlich lehne auch die Mehrheit der hiesigen Muslime eine Vollverschleierung ab.

"Verschleierte Frauen sind unheimlich"

Die Berliner "Tageszeitung" (taz) bezeichnet das Burka-Verbot als "Zeichen von Angstpolitik": "Masken tragen Diebe und Entführer. Und es gibt bereits ein Bild von der verhüllten Terroristin, seit im Juli 2002 verhüllte tschetschenische 'Schwarze Witwen' ein Blutbad in einem Moskauer Musicaltheater anrichteten. Verschleierte Frauen sind unheimlich."

Die "taz" blickt zudem auf die Nachbarländer und fragt: "Wenn man sich in Frankreich oder Belgien die Konsequenzen dieser Verbote ansieht, dann sieht man auch, dass sie keinen Einfluss auf die Angst der Menschen hatten, zu unbedeutend sind die Schleierträgerinnen. Denen hat man nun das Leben schwer gemacht. Mehr nicht. Ist es das wert?"

"Wo ist die Burka?"

Auch international wird die Burka-Debatte in Deutschland diskutiert.

Die "New York Times" blickt ebenso auf Frankreich, wo die Burka landesweit seit 2011 verboten ist und nun auch der Ganzkörperbadeanzug Burkini in den Städten Nizza und Cannes. "Deutschland macht mit dem Burka-Verbot deutlich, dass Frankreich nicht das einzige europäische Land ist, in dem religiöse Vollverschleierung als Barriere für die Integration angesehen wird."

Die US-amerikanische Zeitung "Washington Post" gibt zu bedenken: "Deutschlands Burka-Verbot hat ein Problem: Wo sind die Burkas?" Ein großer Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland komme aus der Türkei, wo der Vollgesichtsschleier nicht weit verbreitet sei, sondern nur das Kopftuch.

Mit Material der dpa

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