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Chefarzt beklagt Gewalt gegen Ärzte und Pfleger: "30 Attacken jeden Monat"

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KLINIK
"30 Attacken jeden Monat": Chefarzt beklagt Gewalt gegen Ärzte und Pfleger | Getty
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Die Zahl alarmiert: Am Klinikum Nürnberg gibt es jeden Monat etwa 30 Attacken gegen Mitarbeiter, wie der ärztliche Direktor, Günter Niklewsi, dem Portal "Nordbayern.de" sagte.

"Wir sind beileibe kein Rabaukenkrankenhaus, solche Vorfälle gibt es an allen großen Krankenhäusern", sagte Niklewski, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Doch viele Häuser scheuten sich, offensiv damit umzugehen. Nürnberg dagegen geht damit seit Jahren aktiv an die Öffentlichkeit.

Patient überschüttet Mitarbeiter mit heißem Tee

Niklewski berichtet, dass Patienten und Besucher ausrasteten, weil sie mit einer Auskunft am Empfang unzufrieden gewesen seien, weil Gäste am Ende der Besuchszeit das Haus verlassen sollen, weil sie nicht von einem Pfleger mit Migrationshintergrund versorgt werden wollen – oder sie tickten ohne jede Vorwarnung aus.

Sie bedrohten Ärzte und Pfleger, bespuckten sie, schlugen sie, übergossen sie absichtlich mit heißem Tee. Ein Patient soll ein Monitorkabel durchgebissen haben.

Arzt: Es sind selten die psychisch Kranken, die austicken

Niklewsi zufolge sind es selten Menschen, die "krankheitsbedingt" durchdrehen. Also selten Patienten, die wegen Drogen oder psychischer Probleme behandelt werden. Er führt die Gewalttätigkeit auf eine allgemeine Verrohung der Gesellschaft zurück.

Umfrage zeigt: Fast jede zweite Klinik beklagt Zunahme von Gewalt

Zahlen, wie die Lage bundesweit in Kliniken aussieht, sind derzeit nicht bekannt. Das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Krankenhausgesellschaft sagten auf Anfrage, dass sie keine Statistik darüber führten.

Die Umfrage "Gewalt an Mitarbeitern in der Notaufnahme", die die Unternehmensberatung Openconsulting 2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt hat, zeigte allerdings Schockierendes.

73 Prozent aller Befragten beklagten demnach Übergriffe von Randale bis hin zu Schlägen im vergangenen Jahr. Bei fast allen Übergriffen sollen die Angreifer betrunken gewesen sein. Ein Drittel der Täter sollen unzufriedene Patienten gewesen sein, 40 Prozent Familienangehörige.

In 43 Prozent der 100 befragten Kliniken soll die Zahl der Übergriffe in den vergangenen Jahren zugenommen haben.

Rettungshelfer schlagen Alarm

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) warnte im Januar vor einer "neuen Dimension der Gewalt im Rettungsdienst". Im vergangenen Jahr registrierte das BRK etwa 180 Fälle von Gewalt gegen Rettungskräfte. Die Zahl der nicht gemeldeten Attacken liege aber sicher höher, hieß es.

Eine Umfrage am Nürnberger Klinikum vor zwei Jahren hatte ergeben, dass 70 Prozent der Mitarbeiter im Beruf schon einmal verbal oder körperlich angegriffen wurden.

Das Krankenhaus engagierte deshalb einen Sicherheitsdienst für die Intensivstation, in der Drogenpatienten behandelt werden, außerdem einen für eine Notaufnahme. Außerdem werde das Personal in Deeskalation geschult.

Wegen Attacken auf Polizisten und Rettungskräfte hat die Innenministerkonferenz im Juni beschlossen, dass das Strafrecht da verschärft werden solle. Allerdings zielt die Regelung vor allem auf Retter im Außeneinsatz, wie Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten.

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(lk)