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Forscher decken endlich das Mysterium auf: Darum haben wir Déjà-vus

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Forscher decken endlich das Mysterium auf: Darum haben wir Déjà-vus | John Foxx via Getty Images
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„Ich habe diese Situation schon einmal erlebt“. Diesen Satz hat wohl fast jeder schon einmal gesagt. Bisher konnten Forscher das Phänomen Déjà-vu nicht vollständig aufklären. Die Erklärungsversuche der Menschen reichen von Hellseherei bis hin zur Veränderung in der Programmierung der Matrix (wen das ratlos hinterlässt, der sollte sich den Film "Matrix" ansehen).

Die derzeit populärste- und wenigstens ansatzweise wissenschaftliche- Theorie lautet, dass das Déjà-vu ein Fehler unseres Gehirns ist, das aktuelle Situationen direkt ins Gedächtnis überträgt. Bis zuletzt war es schwer, diese Theorie zu überprüfen, da das Phänomen Déjà-vu natürlich unvorhersehbar und schwer zu beobachten ist.

Der Forscher Akira O'Connor von der britischen Universität St. Andrews erklärt auf seinem Blog, wie es ihm nun gelang, das Verhalten des Gehirns während eines Déjà-vus zu beobachten. Und seine Entdeckung widerlegt vollständig alle Theorien, die bisher verbreitet waren.

Dem Gehirn eine Falle stellen, um ein Déjà-vu zu simulieren

Der britische Wissenschaftler hat seine Arbeiten im Juli im Rahmen einer internationalen Konferenz vorgestellt, berichtete der „New Scientist“ am vergangenen Dienstag.

Akira O'Connor analysierte das Gehirn von 21 Probanden mithilfe eines MRTs, mit dem man Gehirnaktivitäten visualisieren kann. Um ein Déjà-vu bei Bedarf reproduzieren zu können, benutzte er einen Trick: Er erzeugte falsche Erinnerung. Diese Technik haben bereits andere Wissenschaftler vor ihm angewandt.

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Die Forscher lasen den Probanden eine Reihe von Wörtern vor, die alle zu demselben Oberbegriff gehörten - jedoch ohne diesen dabei explizit zu erwähnen, erklärt das "New York Magazine“. Zum Beispiel die Worte Kissen, Bett, Nacht, Bettdecke - jedoch ohne den dazugehörigen Oberbegriff auszusprechen: in diesem Fall "Schlaf".

Anschließend fragten die Forscher die Testpersonen, ob sie ein Wort gehört hätten, das mit dem Buchstaben "S“ beginnt. Die meisten Probanden wussten, dass kein Wort mit "S" gefallen war.

Anschließend fragten sie jedoch, ob die Teilnehmer das Wort "Schlaf" (den Oberbegriff) gehört hätten. Das war ein Trick: Die Teilnehmer wussten, dass sie kein Wort mit dem Anfangsbuchstaben "S“ gehört hatten. Doch die Testleiter baten sie, noch einmal darüber nachzudenken. Und die vielen Wörter im Gedächtnis zum Thema Schlaf brachten das Gefühl hervor, sie hätten dieses Wort tatsächlich auch gehört. Und voilà: ein Déjà-vu.

Déjà-vu hat nicht unbedingt etwas mit Gedächtnis zu tun

Das sei "ein Kampf zwischen dem subjektiven Gefühl der Vertrautheit und dem objektiven Gefühl, dass dieser Eindruck nicht richtig sein kann“, erklärte Akira O'Connor dem britischen TV-Sender BBC.

Die Forscher fanden etwas Überraschendes heraus, als sie im Anschluss an den Test die Gehirnaktivitäten während des Déjà-vus auswerteten. Denn die Region, in der eigentlich das Gedächtnis sitzt, der Hippocampus, ist bei einem Déjà-vu gar nicht aktiv. Im Gegenteil, es seien die Frontseiten des Gehirns, wo in diesem Moment Entscheidungsprozesse erfolgen, führt der "New Scientist“ weiter aus.

Für die Forscher bedeutet das: Das Gehirn sucht in einer solchen Situation die Fehler im Gedächtnis. Das heißt, es überprüft, ob es einen Unterschied gibt zwischen dem, was wir erlebt haben und dem, was wir dachten, das wir erlebt hätten.

Kurz gesagt: Ein Déjà-vu ist ein Zeichen dafür, dass euer Gehirn gut funktioniert und falsche Erinnerungen korrigiert. Daher sind Déjà-vus bei älteren Menschen weniger häufig, da ihr Gedächtnis weniger stark ist.

Natürlich muss diese Studie noch verifiziert und genauer betrachtet werden, bevor das Mysterium Déjà-vu ein für alle Mal geklärt ist.

Aber was sollen nun die 30% der Bevölkerung denken, die noch nie ein Déjà-vu hatten? Für Akira O'Connor kein Grund zur Sorge, das soll lediglich bedeuten, dass das Gedächtnis so gut funktioniert, dass es keine Fehler zu korrigieren hätte.

Dieser Text erschien ursprünglich in der Huffington Post Frankreich und wurde von Hanna Weil übersetzt.

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