Huffpost Germany

Warum die Diskussion um den Burkini völlig idiotisch ist - in einem Bild

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BURKINI
Diese Zeichnung veranschaulicht, wie sinnvoll die Burkini-Debatte ist | nullplus via Getty Images
Drucken

Die Diskussion um Burkinis ist auch in Deutschland angekommen. In Frankreich allerdings wird sie mit weit größerer Vehemenz geführt. Dort ist das muslimische Badegewand schon längst zum Politikum geworden.

In Cannes mussten Frauen in Burkinis bereits die ersten Strafen zahlen. Die Debatte um die Schwimmbekleidung entbrannte, nachdem in einem Wasserpark in Marseille ein Burkini-Tag Proteste auslöste.

"Während manche die Burkini-Trägerinnen als 'Aktivistinnen' feiern, empören sich andere über die große Tragweite, die die Burkini-Debatte inzwischen angenommen hat", erklärt Jean-Louis Hanouel von der französischen Tageszeitung "Figaro".

Am Dienstag veröffentlichte ein Userin, die sich selbst "La sauvage jaune" ("Die gelbe Wilde") auf Twitter nennt, eine Zeichnung, die um die Welt geht.

Die Illustration, die bereits über 7000 Mal via Twitter geteilt wurde, stellt zwei Extreme gegenüber: eine Frau im Burkini und eine Frau oben ohne mit Minirock. Auch der Titel "Die Lotterie der Unanständigkeit" macht die Botschaft der Zeichnung noch stärker.

Auf der Illustration ist jedes Körperteil der Frau mit einem kurzen Satz beschrieben, Pfeile deuten auf die einzelnen Körperstellen. Der Blick der Leser wandert dann zwischen zwei verschiedenen Lebens- und Kleidungsstilen hin und her, die beide gleichermaßen kritisiert werden.

Linke Seite (von oben nach unten)
- Du trägst ja ein Kopftuch! Puh, meine Augen. Du wirst sicher unterdrückt.
- Der Burkini? Ein Badeanzug ja. Aber er hat "Burk" im Wort, deswegen ist er verboten. Zieh dich aus!
- Der lange Rock? Zu viele religiöse Konnotationen. Für dich ist in der Schule kein Platz. Hab etwas Respekt.

Rechte Seite (von oben nach unten):
- Mit deinem Makeup siehst du aus wie eine Hure. Du sieht nicht geschminkt aus, sondern verwahrlost.
- OH MEIN GOTT, eine Brust (die einer Frau). Bedeck das sofort, schämst du dich denn nicht?
- Kurzer Rock? Sexuelle Konnotationen. Beschwer dich nicht, wenn du belästigt wirst.
- Igitt, Beinhaare (bei einer Frau). das ist schmutzig, schäm dich. Geh dich rasieren.

Mehrere Gemeinden in Frankreich haben sich für ein Verbot von Burkinis an französischen Stränden eingesetzt. Die Kontroverse war der Auslöser für die Entstehung der Zeichnung.

“Ich zeichne gerne. Ich denke, dass es eine sehr gute Art ist, meine Ideen auszudrücken", sagt die Zeichnerin.

"Die Debatte um die Burkinis war schließlich der Auslöser. Durch diese Zeichnung wollte ich klar machen, dass Frauen immer für das verurteilt werden, was sie tragen".

“Die Idee hinter der 'Lotterie der Unanständigkeit' ist folgende: Suche ein beliebiges Körperteil einer Frau aus, irgendjemand wird immer etwas daran auszusetzen haben", sagt sie.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Die Urheberin ist überzeugt, dass Bilder manchmal mehr bewirken können als Worte. “Worte sind wichtig, allerdings wird das Internet mit Worten überflutet, Bilder stechen dabei eher heraus."

Eine solche Botschaft über Bilder auszudrücken ist nicht neu. Auch andere Künstler versuchen auf diese Weise auf den Druck aufmerksam zu machen, unter dem Frauen im täglichen Leben stehen.

Rosea Lake etwa kritisierte Sexismus mit ihren Fotos von bis zu den Oberschenkel nackten Beinen, wobei eines der Beine komplett beschriftet ist.

Vorurteile, die durch den Kleidungsstil entstehen, sollen auf diese Weise aufgedeckt werden. Dabei steht jedes Wort für eine entsprechende Rocklänge. Vom Freudenmädchen bis zur Nonne, diese Skala des guten Benehmens, die 2013 veröffentlicht wurde, ging um die Welt.

Drei Jahre nach dieser Zeichnung hat sich immer noch nichts geändert, der Kampf geht weiter.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post Frankreich und wurde von Jelena Maticevic ins Deutsche übersetzt.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Die Initiative Anderes Sehen e.V. etwa kümmert sich um die frühkindliche Förderung von blinden Kindern - ein Bereich, den die beiden Gründer zuvor als zutiefst vernachlässigt erfahren haben.

Nun setzen sie sich für Chancengleichheit für blinde Kinder ein. Anderes Sehen e.V. bietet Blindenstöcke für Kinder, die ihre ersten Schritte wagen, und entwickelt liebevoll gestaltete Tast-Bilderbücher.

Zudem hat die Initiative die Echoortungsmethode Klicksonar nach Deutschland geholt und bietet hierfür Schulungen an. Auch die Aufklärung von Betreuungspersonen und die Bereitstellung von Vorschulmaterialien gehören zum Angebot von Anderes Sehen e.V.

Unterstütze das Projekt jetzt und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lk)