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Ludwig und Walkenhorst: Deutschlands Beachvolleyballerinnnen verraten ihren Psycho-Trick

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LUDWIG WALKENHORST
Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gewannen Gold bei Olympia. | Adrees Latif / Reuters
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  • Laura Ludwig und Kira Walkenhorst holen Beachvolleyball-Gold in Rio
  • Souveräner 21:18, 21:14-Sieg gegen Brasilianerinnen Agatha und Barbara
  • Mentalcoach bereitete deutsche Spielerinnen auf Zuschauer-Antipathie vor

Zwei junge deutsche Frauen gegen 12.000 tobende Brasilianer: Beim Beachvolleyball-Finale hatten Laura Ludwig und Kira Walkenhorst nicht nur gegen ihre starken Gegnerinnen Agatha und Barbara zu kämpfen, sondern auch gegen ein frenetisches Publikum.

Jeder Punkt ihrer Landsfrauen löste Jubelstürme aus, jeder Aufschlag des deutschen Duos wurde mit gellenden Pfiffen bedacht.

"Es war sehr, sehr laut“, berichtet Ludwig nach dem Endspiel. "Wir haben unser eigenes Wort nicht mehr verstanden. Eigentlich wollten wir mehr miteinander kommunizieren und uns unsere Taktiken sagen oder Pässe rufen. Das war am Anfang gar nicht möglich. Wir mussten uns da intuitiv reinarbeiten."

Wie Ludwig und Walkenhorst die Buhrufe ausblenden

Doch die Goldmedaille ging trotzdem an die 30 bzw. 25 Jahre alten Wahlhamburgerinnen – auch dank der Tricks und Kniffe von Mentaltrainerin Anett Szigeti.

Die Hamburger Sportpsychologin ging gemeinsam mit Ludwig und Walkenhorst das Rio-Projekt an. "Anett hat uns kleine Tipps gegeben", verrät die fünf Jahre ältere Ludwig und nennt ein Beispiel: "Unsere Sinne arbeiten eigentlich alle zur gleichen Zeit, aber wir können auch das Hören ein wenig ausschalten und uns aufs Fühlen konzentrieren, also auf den Ball oder auf den Sand."

Mit Erfolg: "Ich habe das gar nicht mehr mitgekriegt, dass da gebuht wurde oder wir ausgepfiffen wurden beim eigenen Aufschlag“, sagt Ludwig.

Bauchatmung hilft gegen Nervosität und schlechte Gedanken

Schon vor Olympia 2016 war klar: In Rio sind die beiden Teams aus Brasilien die gefährlichsten Gegner, soll der Medaillentraum klappen, muss man sie schlagen. Und das bedeutet: Szigeti muss vor allem mit der noch Olympia-unerfahrenen und introvertierten Walkenhorst viel mental arbeiten.

"Klar, mal gehen einem Rufe und Pfiffe auf den Sack“, gab Ludwig noch vor den Olympischen Spielen zu. Was hilft: Zur Ruhe kommen, entspannte Bauchatmung statt Brustatmung und Bilder visualisieren, zum Beispiel ein Stoppschild.

Weitere Psycho-Tricks von Szigeti

Im olympischen Beachvolleyball-Finale windete es stark – für mental labile Spieler ist so etwas ein Problem. Widrige Umstände vermögen, die Nervosität zu steigern. Die kopftrainierte Ludwig hingegen dachte sich: "Fuck it, jetzt machen wir unseren eigenen Sturm!"

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In einem Interview mit der "Zeit" schildert Diplom-Psychologin Szigeti, wie man seine Gedanken gezielt lenken kann, wenn man in eine sportliche Krise gerät.

"Druck entsteht ja immer im eigenen Kopf“, sagt sie. "Also ist eine meiner Taktiken die sogenannte Entkatastrophisierung. Ich denke mit den Spielern Schritt für Schritt durch, was sie tun können, dass nicht der schlimmste Fall eintritt.“

Ludwig: "Konnten uns auf unsere Technik verlassen"

Was das bedeutet? "Zum Beispiel sich daran erinnern, warum sie diesen Sport einmal angefangen haben: weil sie verdammt große Lust darauf hatten. Um wirklich gut zu spielen, muss man sich auf das konzentrieren, was man selbst steuern kann. Die Fans gehören nicht dazu.“

Genau das war es, was Laura Ludwig und Kira Walkenhorst im Olympia-Finale half: "Wir konnten auf unsere Technik vertrauen, das hat uns gegen die Nervosität geholfen“, sagt Ludwig.

Und die eher wortkarge Walkenhorst sagt dann auch noch etwas: "Danke an den Mentalcoach, dass wir trotz des Publikums so gut fokussiert bleiben konnten."

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(lk)