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Putin unterwandert den Westen: Deutschland ist in akuter Gefahr

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Putin unterwandert den Westen: Deutschland ist in akuter Gefahr | Reuters
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Wer vor ein paar Tagen das vorausgesagt hätte, was nun in den Nachrichten stand, wäre in Deutschland als Verschwörungstheoretiker verlacht worden:

Paul Manafort, dem Wahlkampfschef von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, sollen 13 Millionen Dollar Schwarzgeld zugesprochen worden sein – „von kremlfreundlichen Kräften“, wie die "New York Times" enthüllte.

Damit wählte das Blatt noch eine vorsichtige Formulierung: Da Wladimir Putin selbst die „Vertikale der Macht“ ausgerufen hat und für sich in Anspruch nimmt, auch kleinste Details „in Handsteuerung“ selbst zu entscheiden, ist es durchaus legitim, als Quelle des Schwarzgeldes den Kreml selbst anzusehen.

Noch viel mehr Verbindungen vom Haudrauf in spe zum Diktator

Die Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die dubiose Nähe von Trump zu Putin, vom Haudrauf in spe zum amtierenden Diktator.

Manaford dementierte zwar sofort pflichtschuldig. Doch die Last der Indizien ist erdrückend, die für eine engere Verbindung zwischen den beiden Männern spricht, als es für amerikanisch Verhältnisse schicklich wäre.

Da ist nicht nur die Tätigkeit seines Wahlkampfschefs für den Putin-Freund und ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Da ist Trumps offene Verehrung von Putin.

Da ist der massive Hackerangriff auf die Demokratische Partei in den USA mit peinlichen Enthüllungen, hinter dem der US-Geheimdienst FBI Moskau sieht. Da ist Trumps Aufforderung an die russischen Geheimdienste, auch die privaten Mails von Hillary Clinton zu hacken – „ein Scherz“, wie der Kandidat hernach beschwichtigte.

Da ist Trumps Sympathie für Russlands Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Da sind seine Signale, er hätte nichts gegen einen Einmarsch Moskaus im Baltikum. Da sind die internen Aussagen von hochrangigen Kreml-Apparatschiks, Moskau unterstütze Trump.

"Trump ist unbeabsichtigt zum Agenten gemacht worden"

Weniger bösen Willen Trumps als Geschicklichkeit Putins sieht der frühere CIA-Direktor Michael Morell hinter dem Schmusekurs des Kandidaten mit Moskau: Der Ex-KGB-Offizier habe die "Schwächen des US-Milliardärs ausgenutzt und ihm geschmeichelt". In der Welt der Geheimdienste, so Morell weiter, "würden wir sagen, Trump ist unbeabsichtigt von Putin zu einem russischen Agenten gemacht worden".

Spätestens bei dieser Aussage fallen einem Ähnlichkeiten mit der Bundesrepublik und Namen von deutschen Politikern ein. Ob Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel, Horst Seehofer oder Sahra Wagenknecht, Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck oder Ex-Staatssekretär Willy Wimmer: Quer durch die Parteien machen auch in Deutschland Politiker den „Trump“ gegenüber Moskau.

Nützlicher Idiot?

Fast hat man den Eindruck, es gebe eine Olympiade im Bauchpinseln, Propaganda-Verbreiten und Netzwerke-Knüpfen: Gold-Anwärter sind SPD, AfD und Linkspartei, gefolgt von der CSU. Statt Medaillen winken im Zweifelsfall Pöstchen. Gerhard Schröder und Gasprom lassen grüßen.

Wladimir Putin hat sich selbst einmal als Spezialisten im Umgang mit Menschen bezeichnet; wesentlicher Teil seiner Ausbildung beim KGB war das Anwerben von Ausländern – ob mit Geld, Bauchpinselei oder Erpressung, ob als Einflussagenten oder als nützliche Idioten.

Deutschland biedert sich an Russland an

Was Außenminister Steinmeier (SPD) als „Dialogsfaden“ verkauft, ist in Wirklichkeit längst eine peinliche Anbiederung gegenüber Moskau. Wie viel der angeblich „gute Draht“ taugt, zeigte sich gerade wieder, als Putins Außenminister Sergej Lawrow den Sozialdemokraten und Schröder-Zögling eiskalt abblitzen ließ bei seinem Versuch, eine humanitäre Erleichterung für die Zivilisten in der Kriegshölle im syrischen Aleppo zu erreichen.

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Es bleibt zu hoffen, dass die Enthüllungen aus den USA hierzulande vielen die Augen öffnen. Denn bei uns werden Putins massive Versuche, Einfluss zu nehmen, immer noch vehement verdrängt und Warnungen belächelt. Viele ignorieren die zahlreichen Indizien für einen verdeckten Krieg Putins gegen den Westen, solange keine notariell beglaubigten Beweise vorliegen.

Deutschland ist in akuter Gefahr

Es liegt aber im System eines Geheimdienststaates wie Putins Russland, dass es die nicht geben kann: Ein Blick auf die Geschichte von KGB und Stasi zeigt das deutlich. Wenn selbst das Strafrecht Urteile aufgrund von Indizien zulässt, sollten wir diese beim Bilden von politischen Urteilen nicht leichtfertig beiseiteschieben.

Die Gefahr ist akut – wie jüngst auch Jochen Bittner in einem Artikel über eine mögliche Einflussnahme Moskaus auf den deutschen Wahlkampf 2017 in der "Zeit" anschaulich darlegte. Der Schlüsselsatz: "Die Personen", erklärte Wladimir Putin im Jahr 2005 vor der Föderalen Versammlung in Moskau, "die unsere Ansichten teilen, sind recht zahlreich. Und wir werden natürlich weiter unseren Weg gehen, unsere Ansichten verteidigen und uns auf die Personen stützen, die diese Ansichten mit uns teilen, in Russland, in Frankreich und auf der ganzen Welt."

Boris Reitschuster leitete von 1999 bis 2015 das Moskauer Büro des „Focus“. Im April 2016 erschien sein Bestseller „Putins verdeckter Krieg – wie Moskau den Westen destabilisiert“ (Econ Verlag, Berlin), den ihr hier kaufen könnt.

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(sk)