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Olympia: Franzose wird ausgebuht - dann mischt sich sein Konkurrent ein

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LAVILLENIE
Olympia: Franzose wird ausgebuht - dann mischt sich sein Konkurrent ein | Sergio Moraes / Reuters
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Das Bild des weinenden französischen Stabhochspringers Renaud Lavillenie geht um die Welt. Leider. Denn er weint nicht vor Freude, weil er die Silbermedaille erobert hat. Nein. Nachdem er schon am Montag von den Zuschauern in Rio ausgebuht wurde, muss der Franzose bei der Siegerehrung erneut Buhrufe über sich ergehen lassen - und da fließen die Tränen.

Lavillenie, der nach dem Brasilianer Thiago Braz im Stabhochspringen den zweiten Platz erreichen konnte, äußerte sich nach den Buhrufen bereits am Montag kritisch über die brasilianischen Zuschauer und machte sich mit seiner Aussage offenbar noch unpopulärer in Brasilien.

Während der Siegerehrung verzog der Franzose jedoch zunächst keine Miene und nahm seine Silbermedaille ruhig in Empfang. Trotz der Versuche des brasilianischen Konkurrenten, die Menge zum Applaus zu motivieren, blieb die Stimmung angespannt. Als jedoch Braz das olympische Gold überreicht wurde, liefen Lavillenie die Tränen übers Gesicht.

Nach der Siegerehrung zog sich Lavillenie laut einem AFP-Fotografen sofort in einen kleinen Raum abseits der Hauptbühne zurück, wo er in Tränen ausbrach. Sebastian Coe, der Vorsitzende der IAAF (International Athletics Federation), der Goldmedalliengewinner Braz, der Präsident des IOC, Thomas Bach, und der frühere Stabhochspringer Sergey Bubka kamen, um dem Athleten neuen Mut zuzusprechen.

Gedemütigt auf dem olympischen Siegerpodest

“Mir kamen auf dem Podium ganz plötzlich die Tränen”, sagte der Athlet kurz nach der Siegerehrung dem französischen Fernsehen. “Während des Wettbewerbs musste ich die Buhrufe hinnehmen, es war schlimm, aber so war es nun einmal. Und nun wurde ich auch noch gedemütigt, während ich auf dem Siegerpodium stand. Ich habe versucht, mich während der Zeremonie so gut wie möglich zusammenzureißen, aber es fiel mir unheimlich schwer”, erklärte er weiter. “Dieses Gefühl würde ich wirklich niemandem wünschen, es war schrecklich.”

Lavillenie zollte seinem brasilianischen Gegner den verdienten Respekt und erklärte, er mache diesen nicht für das Geschehene verantwortlich. “Ich möchte noch festhalten, dass Braz keine Vorwürfe für die Vorkommnisse gemacht werden dürfen, ich kann ihn gut leiden. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir beide gestern Grandioses leisten konnten, weil wir uns gegenseitig durch unsere sportlichen Leistungen angespornt haben. Das macht einen fairen Wettbewerb aus”, erklärte Lavillenie.

Später am Abend bedankte sich Lavillenie erneut bei dem brasilianischen Sieger. “Obrigado Thiago! Merci Thiago! Thanks Thiago. Sich auf dem olympischen Podium gedemütigt fühlen – ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist", schrieb der Franzose auf seiner Facebook-Seite.

Die erste offizielle Reaktion kam vom Präsidenten des IOC: “Das Verhalten der Zuschauer, die Lavillenie auf dem Podium ausgebuht haben, ist schockierend und bei den Olympischen Spielen inakzeptabel", twitterte Bach.

Ein weiterer Tweet von Bach zeigt den französischen Athleten mit Thiago Braz, dem brasilianischen Sieger, und Sergey Bubka, dem Vizepräsidenten des IAAF und früherem Weltrekordhalter im Stabhochsprung, die ihm nach der Siegerehrung Trost spendeten.

“Das wird für immer meine Karriere beeinflussen”

Am Montag schon musste der Stadionsprecher während des Wettbewerbs einschreiten. Er ermahnte die Zuschauermenge, die Konzentration der teilnehmenden Athleten zu respektieren.

Lavillenie entglitt am Montagabend dann ein Vergleich mit dem US-AmerikanerJesse Owens, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin - während der NS-Zeit - ausgebuht wurde: "Ich glaube, das letzte Mal, dass so etwas passiert ist, war 1936, als Jesse Owens sein Rennen lief. Es ist wirklich schlimm, wenn die Zuschauer einen nicht unterstützen. So wie die Zuschauer bei den Olympischen Spielen."

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Bei einer Pressekonferenz entschuldigte sich der Franzose jedoch für seine Äußerung. “Ich habe einen Fehler gemacht. Wahrscheinlich war ich einfach zu emotional. Selbstverständlich kann man diese zwei Situationen nicht miteinander vergleichen”, erklärte er.

Für einen französischen Fernsehsender fasste der Athlet seine emotionale Nacht noch einmal zusammen. Auch sagte er, dass sich dieser Moment für immer in seine Erinnerung eingebrannt hätte. “Ich habe diese wunderschöne Medaille. Sie ist wunderschön. Und heiß…", erklärte der Franzose mit einem Grinsen.

Er versicherte, dass ihn die Buhrufe der Zuschauer zwar tief getroffen hätten, diese aber keinen Einfluss auf seine Niederlage gegen Braz gehabt hätten, der mit seinem Sprung zehn Zentimeter höher als der Franzose lag.

“Ich kann allerdings mit Sicherheit sagen, dass meine Karriere durch den fehlenden Fair-Play-Charakter der Olympischen Spiele beeinflusst wurde. “Über seine Zukunft sagte Lavillenie: “Ich weiss nicht, wo ich in vier Jahren sein werde, aber ich sage mir selbst, dass es so nicht weitergehen kann.”

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post Frankreich und wurde von Jelena Maticevic übersetzt.

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(vr)