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Wie es sich wirklich anfühlt, mit einer Angststörung zu leben

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Wie es sich wirklich anfühlt, mit einer Angststörung zu leben | Gettystock
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"Die Angst kommt nicht langsam oder schleichend. Mit einem Schlag ist die Panik da. Mein Herz klopft so laut, dass ich das Gefühl habe, jeder im Umkreis von zwei Metern müsste es hören. Ich bekomme keine Luft, es ist als würde jemand auf meiner Brust sitzen und mir den Hals zudrücken. Ist das ein Herzinfarkt?"

Mit diesen bewegenden Worten beschreibt Natalie Heißer* im Gespräch mit der Huffington Post ihr Leben mit der Angst.

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Laut Umfragen leiden etwa 14 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland unter einer Angststörung. Frauen kämpfen doppelt so häufig wie Männer gegen Panikstörungen.

Betroffene ziehen sich mehr und mehr zurück

"Ich schlafe nicht mehr. Die Gedanken hören nicht auf zu kreisen und mit den Gedanken kommt die Angst. Selbst wenn ich es schaffe das Gedankenkarussell kurz zu stoppen, die Panik ist trotzdem da.

Ich liege in meinem Bett und male mir Horrorszenarien aus – das ist doppelt schlimm, weil meine Wohnung eigentlich der einzige Ort ist, wo ich noch halbwegs das Gefühl habe, der Welt nicht völlig ausgeliefert zu sein."

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser

"Patienten mit Panikstörung leiden häufig unter massiven sozialen, beruflichen und physischen Einschränkungen durch die unangemessen intensiven Angstgefühle", sagt die psychologische Beraterin Annika Hathaway gegenüber der Huffington Post.

Auch Natalie hatte täglich damit zu kämpfen.

"Seit Wochen bin ich weder U-Bahn noch Bus gefahren. Ich gehe nicht mehr unter Leute, Freunde treffe ich nur noch bei mir zuhause. Wenn ich tatsächlich einmal meine Wohnung verlassen muss, begleitet mich mein Freund. Ich sehe ihm seine Überforderung an, aber was soll ich tun? Ich bin doch völlig abhängig von ihm."

Angststörungen seien nicht nur für die Betroffenen selbst eine Herausforderung, sagte Hathaway der HuffPost: "Auch das soziale Umfeld muss mit starken Einschränkungen umgehen. Familie und Freunde werden Teil der Angst und dem damit einhergehenden sozialen Rückzug", erklärt Hathaway.

Generell gilt: Je früher sich Betroffene Hilfe suchen, desto leichter ist die Krankheit in den Griff zu bekommen. Dabei ist es meist sinnvoller sich an eine Beratungsstelle zu wenden, als zum Hausarzt zu gehen.

Da Patienten oft zuerst wegen körperlichen Symptomen einen Arzt aufsuchen, fällt es den ungeschulten Medizinern nicht immer leicht, auf Anhieb die richtige Diagnose zu stellen.

Kampf um Normalität

"Im Einkaufszentrum zusammenzubrechen und jeder bekommt es mit – allein die Vorstellung treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Bisher habe ich es geschafft, Ausreden zu finden, warum ich nicht mit den Mädels in die neue Bar oder an den See fahre."

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"Bis auf meinen Freund ahnt niemand, dass mit mir etwas ganz und gar nicht stimmt. Wie soll man auch erklären, dass man anfängt wie Espenlaub zu zittern, nur weil man in einer Warteschlange steht? Ich weiß, dass ich verrückt bin."

Nach einem Jahr Verhaltens- und Paartherapie sowie autogenem Training hat unsere Protagonistin die Krankheit heute weitgehend im Griff. Die 27-Jährige hat für ihre wiedererlangte Normalität hart gekämpft und möchte nun anderen Betroffenen Mut machen.

"Inzwischen rechne ich nicht mehr damit, dass ich völlig unvermittelt eine Panikattacke bekomme. Aber mir ist bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Ich zwinge mich mindestens einmal am Tag, etwas zu tun, was mir unangenehm ist, wie beispielsweise Aufzug zu fahren. Ich will nicht in meine alten Vermeidungsmuster zurück fallen."

*Name von der Redaktion geändert.

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(glm)