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Gabriels wunder Punkt: Stinkefinger sind auch nur menschlich, aber nicht ohne Folgen

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  • Ein Video zeigt Vizekanzler Sigmar Gabriel, wie er Nazis den Mittelfinger zeigt
  • Kann man ihm die Geste wirklich vorwerfen?

Sigmar Gabriel hat pöbelnden Nazis den Mittelfinger gezeigt. Und da die Zündschnur unserer Empörungsdemokratie derzeit wahnsinnig kurz ist, ist die Aufregung entsprechend groß.

Dabei zeigt dieser Vorfall vor allem, wie sich die politische Debatte in Deutschland zunehmend emotionalisiert und radikalisiert. Ja, sie wird bitter. Es ist schon ungewöhnlich, wie Spitzenpolitiker in Zeiten der Flüchtlingsdebatte angegangen werden - und wie sie auf diese Anfeindungen reagieren.

Im Durchschnitt vergeht in Deutschland kein Tag, an dem nicht mehrere Politiker oder deren Einrichtungen Ziel von Attacken werden. Ihre Wahlbüros werden beschmiert, Reifen zerstochen, sie werden auf der Straße bespuckt.

Der Satz, der Gabriel besonders getroffen haben muss

Gabriel wurde zwar nicht tätlich angegriffen - aber verbal. Ihn muss ein Satz der Nazis besonders getroffen haben: "Mensch, Dein Vater hat sein Land geliebt. Und was machst Du? Du zerstörst es."

Gabriel hatte 2013 öffentlich gemacht, dass sein Vater ein "unverbesserlicher Nazi" war. Das Konzentrationslager in Auschwitz habe für den Vater nicht existiert, Juden hätten nach dessen Lesart den Zweiten Weltkrieg verursacht.

Mit ihrer Provokation haben die Nazis es geschafft, dass Gabriel kurz die Fassung verliert.

"Angemessene Reaktion gegenüber diesen Typen"

Wer sich bei Sozialdemokraten umhört, dem schlägt zwar durchaus Sympathie für Gabriel entgegen. "Ich halte das mit Verlaub für eine angemessene Reaktion gegenüber diesen Typen", heißt es da etwa.

Doch was sagt das über das Verhältnis zwischen Politikern und Bürgern aus? Es ist schwieriger, es ist emotionaler geworden. Und das ist ein sich selbst verstärkender Mechanismus. Das zeigte Gabriel schon in Heidenau, wo er Flüchtlingsgegner als "Pack" beschimpfte.

Daraufhin standen im Willy-Brand-Haus in Berlin die Telefone nicht mehr still. Nicht nur Pegida- und AfD-Anhänger waren sauer, sondern auch SPD-Mitglieder. Sie fühlten sich von ihrem Parteichef beleidigt - und beleidigten zurück. Gabriel hatte etwas losgetreten, was er selbst nicht mehr einfangen konnte und wollte.

Auch heute noch redet er von "Pack", er steht zu seinem Wort. Gabriel zeigt damit, wie festgefahren und vermurkst die Kommunikation zwischen Politikern und Wählern inzwischen ist. Beide verstehen sich nicht mehr - das Ergebnis sind Aggressionen.

Gabriel hat mit seinem Ausruf vom "Pack" viele Anhänger für immer verloren. Das Gegenteil hätte er erreichen müssen.

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